Deutscher Gewerkschaftsbund

05.04.2016

Telekom-Belegschaft streikt für 5%

ver.di Bezirk Schweinfurt

Schweinfurt-Bergrheinfeld. Streiktag bei der Telekom in Schweinfurt. Nichts ging heute mehr im Service am Standort Schweinfurt. Der Grund für den befristeten Ausstand liefert die Telekom höchst selbst: Erst in der dritten Verhandlungsrunde wurde überhaupt ein Angebot vorgelegt. Ein ziemlich mickriges dazu.

Statt 5 Prozent für zwölf Monate und eine pauschale Erhöhung der Auszubildendenvergütung um 60 Euro rang sich die Geschäftsführung zu einem Angebot von 1,5% für 12 Monate und eine weitere Lohnerhöhung von 1,3 Prozent für dann nochmal 10 Monate, was einem „Erfüllungsgrad“ von einem guten Viertel entspricht. Dementsprechend fiel dann auch die Reaktion der Belegschaft aus. Gut 50 Streikende trafen sich ab 9 Uhr in der Früh in den Berger Stuben in Bergrheinfeld vor den Toren Schweinfurts. Die Stimmung bei den auffällig vielen jungen GewerkschafterInnen war ausgezeichnet. Scheinbar hat sich der Arbeitgeber in seiner Gesamteinschätzung geirrt, was die Streikbereitschaft der Belegschaft anbetrifft.

Frank Firsching, DGB Regionsgeschäftsführer

Frank Firsching, DGB Regionsgeschäftsführer ver.di Bezirk Schweinfurt

„Wer drei Verhandlungen braucht um überhaupt ein Angebötchen vorzulegen braucht sich über Tarifrituale nicht beschweren, da er sie selbst pflegt wie Liebgewonnenes.“, so ver.di Sekretärin Marietta Eder. Die Warnstreiks seien jetzt die nötige Reaktion der Beschäftigten, um zu einem reellen Angebot des Arbeitgebers zu gelangen. Denn die Telekom könne sich auch 5% Lohnerhöhung locker leisten. So prahlte Vorstandsvorstandsvorsitzender Tim Höttges in seiner Rede zur Telekom- Bilanz 2015: „Wir sind in allen wichtigen Kategorien zweistellig gewachsen. Zum Beispiel beim Free Cashflow um rund 10 Prozent. Damit erfüllen wir bereits im ersten Jahr ein Versprechen, das wird beim Kapitalmarkttag Anfang 2015 gegeben haben.“ Auch für 2016 hat der Vorstand ein 2deztliches Plus“ und „organisiertes Wachstum“ angekündigt. Ver.di meint Grund genug um diejenigen am Aufschwung zu beteiligen, die ihn erarbeiten: Die Mitarbeiter nämlich!

Das sah DGB Regionsgeschäftsführer Frank Firsching, der zu den Streikenden sprach genauso. Nach langen Jahren der Reallohnverluste gehe es den Gewerkschaften darum, die Löhne endlich wieder nach oben zu bringen. da gelte grundsätzlich für alle Branchen und gelinge seit zwei bis drei Jahren auch zunehmend. Eben weil viele Beschäftigte erkannt hätten, dass gute Löhne nur mit einer starken Gewerkschaft umzusetzen seien. Wer auf sich alleine gestellt Lohnerhöhungen beim Chef beantrage, bliebe meist jahrelang erfolglos und insgesamt auf der Strecke. Adäquate Lohnerhöhungen stärkten volkswirtschaftlich die Nachfrage und sorge so für Arbeitsplätze, Wohlstand und Einkommen.


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