Deutscher Gewerkschaftsbund

29.01.2016

"Die Asylanten sind doch alle frauenfeindlich!"

"Die Asylanten sind doch alle frauenfeindlich!"

"Die Asylanten sind doch alle frauenfeindlich!" - mit solchen oder ähnlichen Aussagen sind wir in letzter Zeit wohl alle häufiger konfrontiert. Der DGB-Kreisverband Main-Spessart sah das als Anlass, sich mit dem Thema Alltagsrassismus mal genauer zu beschäftigen. DGB Unterfranken

Karlstadt - "Die Asylanten sind doch alle frauenfeindlich!" - mit solchen oder ähnlichen Aussagen sind wir in letzter Zeit wohl alle häufiger konfrontiert. Der DGB-Kreisverband Main-Spessart sah das als Anlass, sich mit dem Thema Alltagsrassismus mal genauer zu beschäftigen.

Dazu als Referentin eingeladen war Laura Wallner, Soziologin in Würzburg, die sich bereits ausführlich und auch von wissenschaftlicher Seite mit dem Thema befasst hat. Sie beleuchtete den Begriff "Rassismus" genauer und erklärte, wo er eigentlich schon anfängt. Alle Menschen denken oder verhalten sich ab und zu rassistisch, meist unbewusst. Unsere Sozialisierung macht das unvermeidlich, der übliche Sprachgebrauch tut das Seine dazu. Deswegen sei es auch wichtig, so Wallner, sich bewusst zu machen, was wir mit Sprache bewirken bzw. nicht bewirken können - Worte lösen immer bestimmte Bilder im Kopf aus. Es ist z.B. ein Unterschied, über Flüchtlinge oder die Flüchtlings"welle" zu sprechen - letzteres erinnert eher an eine Naturkatastrophe, die uns überrollt und für uns von Nachteil ist, statt an Menschen, die Hilfe suchen. Für die Wortwahl empfahl Frau Wallner: "Nennen wir doch jeden so, wie er genannt werden möchte!" "Zigeuner" war z.B. noch eine Selbstbezeichnung von Sinti und Roma, also sollten wir den Begriff auch nicht verwenden.

"Die Asylanten sind doch alle frauenfeindlich!"

"Die Asylanten sind doch alle frauenfeindlich!" - mit solchen oder ähnlichen Aussagen sind wir in letzter Zeit wohl alle häufiger konfrontiert. Der DGB-Kreisverband Main-Spessart sah das als Anlass, sich mit dem Thema Alltagsrassismus mal genauer zu beschäftigen. DGB Unterfranken

Als Gradmesser, ob Rassismus in der sogenannten "Mitte der Gesellschaft" angekommen ist, wird in Studien die Wichtigkeit der Gleichwertigkeit verwendet. Je höher Gleichwertigkeit für die Menschen ist, umso besser ist die Lage der Demokratie in einem Land. Dabei kann man schnell feststellen - wer Menschen für ungleich aufgrund von Herkunft oder Hautfarbe hält, tendiert eher dazu, auch zwischen Männern und Frauen, zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten oder zwischen verschiedenen Religionen verschiedene Wertigkeiten zu sehen.

Der Effekt des sogenannten "Marktförmigen Extremismus" verstärke sich außerdem durch eine Bedrohung des Lebensstandards. Diese Bedrohung werde von den Menschen immer stärker wahrgenommen, begünstigt durch eine eher neoliberale, "aktivierende" Sozialpolitik. Bereits seit den 80er Jahren nehme das unternehmerische Denken auch im Sozialbereich zu, man geht davon aus "Wer nichts hat, ist selber schuld". Die Entwicklungen im Euroraum tragen auch nicht dazu bei, dieses Empfinden einer Bedrohung zu vermindern.

Eigentlich liegt genau hier die Chance gerade für Gewerkschaften - denn an dieser gefühlten Bedrohung ist in erster Linie die Politik schuld. Zurück also zur Verteilungsgerechtigkeit, einem ursprünglichen, gewerkschaftlichen Thema - es nehmen uns schließlich nicht die Asylbewerber was weg, sondern die 10% der Menschheit, die 90% des Vermögens für sich beanspruchen.

Die rund 30 Personen, die der Einladung nach Karlstadt gefolgt waren, beteiligten sich während und nach dem Vortrag rege an der Diskussion. Tatsächlich konnte fast jeder einen Fall benennen, in dem er auch schonmal eine gewisse Sprachlosigkeit gegenüber "Stammtischparolen" erlebt hat. Im zweiten Teil ging es dann auch eher darum, was "Stammtischparolen" sind und wie man darauf reagieren kann. Meist handelt es sich um Pauschalisierungen, die ein WIR-Gefühl erzeugen sollen, oft auch dargestellt als Mehrheitsmeinung (wie bei Pegida): "Ich spreche ja nur aus, was eh alle denken."

Als Gegenstrategie könne man beispielsweise seine eigenen Erfahrungen einbringen, um Vorurteile zu entkräften. Auch ein Perspektivwechsel kann hilfreich sein - "Stell dir vor, du bist in der Lage, was würdest du tun, wie würdest du dich fühlen?" Nötig ist ein Dagegenhalten auf jeden Fall - selbst wenn der Wortführer selbst nicht überzeugt werden kann. Ohne Gegenrede entsteht sonst schnell das Gefühl, im Recht zu sein. Zudem besteht die Chance, bei den andern am Tisch zum Nachdenken anzuregen.


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