Deutscher Gewerkschaftsbund

10.02.2014
IG Metall Schweinfurt

Plädoyer für mehr Mitbestimmung

IG Metall Schweinfurt in Inzell

IG Metall Schweinfurt in Inzell DGB Unterfranken


Inzell. Zu Gast bei der traditionellen Winterklausur des Ortsvorstandes der Schweinfurter IG Metall war in diesem Jahr kein Geringerer als der Hauptkassier Jürgen Kerner. Der Bayrische Schwabe stieg erst im Herbst 2013 mit seiner Wahl zum Hauptkassier auf dem Gewerkschaftstag zur Nummer drei der IG Metall auf. Sein Thema waren aber nicht die Finanzen, sondern die Industriepolitik.

Denn Kerner ist im Vorstand der IG Metall auch zuständig für die beiden großen Konzerne Siemens und EADS. Sein frei gehaltener Input hatte klare Botschaften. Zunächst untermauerte Jürgen Kerner seine These der abnehmenden Zukunftsinvestitionen der großen Industriekonzerne mit Zahlen, Daten und Fakten. Kerner zufolge stiegen in den letzten Jahren zwar die Renditen und Ausschüttungen der Konzerne an ihre Anteilseigner, aber die Investitionen in neue Produkte und Märkte seien rückläufig. Eben diese Tendenz gelte es aus Arbeitnehmersicht umzukehren, damit die Arbeitsplätze von Morgen gesichert werden. Die Topmanager selber hätten systembedingt den starren Blick auf die nächsten Quartalszahlen, jedoch selten den Blick in die nächste oder übernächste Produktgeneration, was Zukunftssicherheit bedeuten würde. Systembedingt deshalb, weil ihre Verträge meiste nur kurze und mittelfristige Finanzziele beinhalteten und sie an diesen kurzfristigen Erfolgen gemessen würden. Ein Teufelskreislauf, der im Sinne einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung durchbrochen werden muss.

Den anwesende Ortsvorstandsmitgliedern, die gleichzeitig als Betriebsratsvorsitzende oder freigestellte Betriebsräte in den Unternehmen der Region arbeiten, riet Kerner dringend in den Betrieben eine Diskussion um die Zukunftsfähigkeit des Standortes anzuzetteln: „Was muss heute passieren, damit morgen noch Arbeitsplätze da sind.“, sei die entscheidende Frage, die gerade in guten Zeiten zu stellen ist. Vorbildlich würde dies im VW-Konzern umgesetzt, wo Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretung den jährlichen Auftrag hätten, gemeinsame Perspektiven für neue Produkte und Innovationen zu entwickeln. In vielen anderen Unternehmen käme dies allerdings deutlich zu kurz. Dort zählten Quartalergebnisse und Renditeerfüllung, sonst nichts.

Kerner forderte einen Kulturwandel in der Industrie, die sich Arbeitsplatzsicherheit als oberstes Ziel setzt. Die IG Metall und ihre Betriebsräte seien in den Unternehmen ohnehin diejenigen, die ihre Politik an diesem Ziel orientierten. Dies der Belegschaft deutlich zu machen sei ebenso wichtig, um die Notwendigkeit einer starken Gewerkschaft im Betrieb zu unterstreichen. Denn erfolgreiche könne der Diskussionsprozess im Unternehmen nur verlaufen, wenn die IG Metall stark aufgestellt ist. Das umfasst zentral die Mitgliederstärke. Nur wenn diese in ernst zu nehmende Höhen angesiedelt ist, werde man von den Managern überhaupt wahr- und ernstgenommen.