Deutscher Gewerkschaftsbund

02.05.2014
1. Mai in Würzburg

Jena: Arbeitgeber begehen Tarifflucht

1. Mai 2014 in Würzburg

1. Mai 2014 in Würzburg DGB Würzburg


Würzburg. Mehrere hundert Menschen sind am 1. Mai einem DGB Aufruf gefolgt und haben in Würzburg für „Gute Arbeit und ein soziales Europa“ demonstriert. Matthias Jena, DGB Vorsitzender in Bayern forderte in seiner Maiansprache am Unteren Markt die Arbeitgeber dazu auf „Tarifflucht zu beenden“.

Bei der Auftaktkundgebung am Hauptbahnhof erinnerte DGB Sekretär Norbert Zirnsak an das Geschehen rund um den 1. Mai des Vorjahres: „Im vergangenen Jahr haben Rechtsextremisten in Würzburg den Versuch unternommen, den 1. Mai im Sinne einer menschenverachtenden Ideologie umzudeuten. In einem gemeinsamen Bündnis vieler gesellschaftlicher Akteure gelang es uns, allen Umdeutungsversuchen eine Absage zu erteilen. Wir erklären von Würzburg aus unsere Solidarität mit allen Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern, die sich heute in Rostock, in Berlin, in Plauen, in Dortmund, in Essen und in Duisburg den Rechten in den Weg stellen. Der erste Mai ist international. Es ist der Tag der Gewerkschaften. Der erste Mai ist unser Tag“, sagte der Gewerkschafter.

Kollginnen und Kollegen von ver.di sorgten für einen bunten Unteren Markt bei der DGB Kundgebung am 1. Mai 2014 in Würzburg

Kollginnen und Kollegen von ver.di sorgten für einen bunten Unteren Markt bei der DGB Kundgebung am 1. Mai 2014 in Würzburg DGB Würzburg

Nach einem bunten und von der Gruppe „Samba Osenga“ begleiteten Demonstrationszug durch die Würzburger Innenstadt begrüßte die DGB Kreisvorsitzende Karin Dauer die Kundgebungsteilnehmer am Unteren Markt. Sie erinnerte an ein „europäisches Krisenmanagement aus Spardiktaten, Lohn-, Renten- und Sozialkürzungen“. Dies habe in vielen Ländern zu einer wirtschaftlichen Talfahrt geführt. „Was mit ungezügelten Finanzmarktspekulationen begonnen hat, ist zur sozialen Krise geworden. Sozialstandards wurden gesenkt, Arbeitnehmerrechte abgebaut. Die Schere zwischen arm und reich geht in Europa immer weiter auf“, sagte die DGB Kreisvorsitzende.

Der Vorsitzende des DGB Bayern, Matthias Jena, hat den Arbeitgeberverbänden während seiner gut 40minütigen Rede zum 1. Mai Doppelzüngigkeit vorgeworfen. Jena sagte wörtlich: „Die Arbeitgeber schimpfen, der Mindestlohn sei ein Eingriff in die Tarifautonomie. Aber gleichzeitig haben sich in manchen Branchen schon mehr als die Hälfte der Arbeitgeber aus den Tarifverträgen verabschiedet. Ihre Verbände fördern das, indem sie den Unternehmern Mitgliedschaften ohne Tarifvertrag anbieten. Die Arbeitgeber loben die Tarifautonomie, und gleichzeitig schlagen sie sich seitwärts in die Büsche. Mehr Doppelzüngigkeit geht nicht!“.

Matthias Jena am Unteren Markt in Würzburg

Matthias Jena am Unteren Markt in Würzburg DGB Bayern

Jena setzt darauf, dass die von der Bundesregierung angekündigten Verbesserungen beim Entsendegesetz und bei der Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen helfen, die Tarifflucht der Arbeitgeber einzudämmen. „Wenn das jetzt im Gesetzgebungsverfahren richtig umgesetzt wird, kann das auf Dauer noch wichtiger sein als der Mindestlohn. Denn wirklich gut leben kann man nicht von 8,50 Euro pro Stunde. Anständige Löhne und Gehälter gibt es nur mit Tarifvertrag“, so Jena. „Der Mindestlohn ist wirklich nur die allerunterste Haltelinie gegen Lohndumping. Unser Ziel bleibt die flächendeckende Tarifbindung.“

Bei der Haltelinie Mindestlohn dürfe es keine Ausnahmen geben, die nichts weiter als Schlupflöcher für eine Fortsetzung des Lohndumpings seien. Jena: „Der Mindestlohn soll etwas mehr die Würde der Arbeit, die Würde der Menschen garantieren. Aber Würde kennt keine Ausnahmen. Im Grundgesetz steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dort steht nicht: Die Würde des Menschen ist unantastbar - außer bei bestimmten Personengruppen." An die Adresse der Arbeitgeber, die über den Mindestlohn jammern, richtete Jena: „Geschäftsmodelle, die auf Lohndumping und Ausbeutung beruhen, haben keine Existenzberechtigung.“

Das zweite große Thema in der Mai-Rede des bayerischen DGB-Vorsitzenden war vor den Europawahlen am 25. Mai die Zukunft eines sozialen Europas. „Wenn es nicht gelingt, das Soziale in Europa zu stärken, dann wird Europa scheitern“, sagte Jena. Er warnte vor den Polemiken rechter und rechtspopulistischer Parteien gegen Zuwanderung, gegen den Euro und gegen Europa. Jena: „Die Abschaffung des Euro ist keine Alternative für Deutschland - und schon gar nicht für Bayern. Jede Stimme gegen den Euro ist eine Stimme für die Vernichtung bayerischer Arbeitsplätze. Die wirkliche Alternative ist ein soziales, gerechtes, gemeinsames Europa mit einer Politik für qualitatives Wachstum und Beschäftigung sowie für den Ausbau der Arbeitnehmerrechte.“

Die Cuba Solidarität Würzburg, Piratenpartei, Die Linke, SPD, IG BAU, Bündnis 90/Die Grünen, der DGB und ver.di hatten am Unteren Markt Infostände aufgebaut. Peter Schüllermann und Sonja Stöcklein umrahmten die Maikundgebung musikalisch.

 

Berichterstattung im Bayerischen Fernsehen:

http://br.de/s/1A42d8F

Berichterstattung auf TV Touring:

http://www.youtube.com/watch?v=hDguwt1xIEw

 

Fronttransparent: Mehrere Hundert Kolleginnen und Kollegen beteiligten sich an der Maidemonstration des DGB in Würzburg

Fronttransparent: Mehrere Hundert Kolleginnen und Kollegen beteiligten sich an der Maidemonstration des DGB in Würzburg IGM Schaeffler Vertrauensleute

1. Mai 2014. DGB Kundgebung am Unteren Markt in Würzburg

1. Mai 2014. DGB Kundgebung am Unteren Markt in Würzburg DGB Würzburg

Matthias Jena am 1. Mai 2014 beim DGB in Würzburg. Mit auf der Bühne die Vorstandsmitglieder des DGB Würzburg. Von links: Helmut Radler (GEW), Margit Schmidt (ver.di), Eckhard Beck (IG BAU), Evelyne Sachs (IGM), Ernst Valentin (NGG), Karin Dauer (DGB Kreisvorsitzende ver.di) und DGB Gewerkschaftssekretär Norbert Zirnsak.

Matthias Jena am 1. Mai 2014 beim DGB in Würzburg. Mit auf der Bühne die Vorstandsmitglieder des DGB Würzburg. Von links: Helmut Radler (GEW), Margit Schmidt (ver.di), Eckhard Beck (IG BAU), Evelyne Sachs (IGM), Ernst Valentin (NGG), Karin Dauer (DGB Kreisvorsitzende ver.di) und DGB Gewerkschaftssekretär Norbert Zirnsak. ver.di-Caritas blogsport

Retro: Gruß eines Kollegen von der DGB Maifeier in Würzburg 2014

Retro: Gruß eines Kollegen von der DGB Maifeier in Würzburg 2014 IGM Schaeffler Vertrauensleute