Deutscher Gewerkschaftsbund

02.05.2014
DGB Schweinfurt

Gewerkschafter trotzen dem Regen

Jörg Hofmann, zweiter Vorsitzender IGM

Jörg Hofmann, zweiter Vorsitzender IGM Johannes Geenen

Schweinfurt. Gut 400 Gewerkschafterinnen, Sympathisanten, sowie zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Gesellschaft zeigten dem Dauerregen die kalte Schulter und feierten den internationalen Tag der Arbeit. Erstmals geschah dies am Georg-Wichtermann-Platz im Herzen Schweinfurts.

Pünktlich zum Kundgebungsbeginn um 11 Uhr öffnete Petrus die Schleusen. Der satte Dauerregen begleitet die gesamte DGB-Maikundgebung und endete erste nach zwei Stunden. „Noch nie dagewesen“, so die Reaktion von Regionsgeschäftsführer Frank Firsching der die Zuhörer bei „Mistwetter“ begrüßte. Die Liste der versammelten Prominenz war dennoch lang. Von MdB Klaus Ernst über MdL Kathi Petersen bis zu OB Sebastian Remelé und Landrat Florian Töpper waren Politiker der verschiedenen Parteien vertreten. Vom ev. Dekan Oliver Bruckmann bis zur Kreishandwerksmeisterin Margit Rosentritt unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen vertreten.

„Der 1.Mai ist der internationale Tag der Arbeit, nicht der Feiertag für Fisch- oder Weinfeste“, sagte Frank Firsching, der in den Mittelpunkt seiner Begrüßungsrede die Entstehungsgeschichte des 1.Mai seit 1886 stellte. In den USA geboren, wurde der 1.Mai als „internationaler Tag der Arbeit“ in Europa erstmals 1890 begangen. Seither werden weltweit an diesem Tag die Forderungen der Arbeitnehmerschaft von den Gewerkschaften verkündet. Besonders kritisch würdigte Firsching die Vorgänge zur Betriebsratswahl beim Möbelhändler XXXL Neubert in Schweinfurt, wo die Initiatoren der Wahl davor mittels Aufhebungsverträgen aus dem Unternehmen entfernt wurden, sodass keine Wahl zustande kam. „Zustände wie im Kaiserreich“, so Firsching. Er verlangte eine gesellschaftliche Ächtung von Unternehmen, die ihren Beschäftigten elementare Grundrechte wie eine Betriebsratswahl verweigerten.

Jörg Hofmann, zweiter Vorsitzender IGM

Jörg Hofmann, zweiter Vorsitzender IGM Johannes Geenen

Jörg Hofmann: „Erfolgsmodell duale Ausbildung zukunftssicher machen“

Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, hat gefordert, die duale Ausbildung in Deutschland zu stärken. Sie drohe an Bedeutung zu verlieren, da zum einen die Zahlen der Schulabgänger zurückgingen und zum anderen der Trend zu Gymnasium und Hochschule immer stärker wachse. „Wir müssen das Erfolgsmodell dualer Ausbildung zukunftssicher machen“, sagte Hofmann. Die duale Ausbildung müsse „als besserer Einstieg zum Aufstieg für die, die es wollen“ neu gestaltet werden und damit die Möglichkeiten einer beruflichen Weiterqualifizierung verbessert werden. „Das scheitert heute an den Faktoren Zeit und Geld“, kritisierte Hofmann.

Die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben der Beschäftigten müsse gleichberechtigt neben flexiblen Einsatzmöglichkeiten im Betrieb gelten, betonte der Gewerkschafter. „Arbeit ist nach wie vor der zentrale Bezugspunkt des Lebens“, sagte Hofmann. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Ergebnisse der Beschäftigtenbefragung der IG Metall, wonach Arbeitszeit in Betrieben zum Teil einfach verfalle oder gekappt würde. Die Ausweitung von Schichtarbeit oder ausufernde Arbeitszeiten verstärke die Belastungen und den Leistungsdruck der Beschäftigten. „Die Anerkennung des Werts der Arbeit beginnt damit, dass sie erfasst und vergütet wird“, forderte Hofmann. 2

Der Gewerkschafter kritisierte die Ausweitung des Niedriglohnsektors, in dem ein Viertel aller Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten. Nicht nur für junge Menschen sei in Bezug auf ihre zukünftige Rentenerwartung die aktuelle Arbeitssituation entscheidend. Er rief die Bundesregierung dazu auf, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. „Wir brauchen eine gesetzliche Eingrenzung der Leiharbeit und des Werkvertragsunwesens“, forderte der Gewerkschafter. Sichere Arbeit, stabiles Einkommen, Chance auf berufliche Entwicklung und gesund in Rente gehen zu können, seien die Herausforderungen im Alltag, für die die Beschäftigten Lösungen erwarten.