Deutscher Gewerkschaftsbund

23.04.2014
NGG Unterfranken

NGG bestreikt Raststätte Rhön

Streikende der Raststätte Rhön

Streikende der Raststätte Rhön NGG Unterfranken

Schondra. Die Gewerkschaft NGG bestreitet mit der Belegschaft den ersten Arbeitskampf bei der Autogrill Deutschland GmbH. In Unterfranken wurde die Raststätte Rhön erfolgreich ganztägig bestreikt. Viele Kunden zeigten Verständnis für die Anliegen der Streikenden, tankten nur die nötigen Liter Benzin um bis zur nächsten Tankstelle zu gelangen oder verzichteten auf den Kauf von Speisen und Getränken.

In der Rhön arbeitet man teilweise noch für 7 € pro Stunde. Dies ist laut Gewerkschaftssekretär Frank Jauch (Gewerkschaft NGG) ein unmöglicher Zustand. Größtenteils arbeiten dort Frauen auf Teilzeitbasis. Darunter sind auch alleinerziehende Mütter, die mit ihrem Geld kaum über die Runden kommen. Durch die schlechte Bezahlung bekommt Autogrill kaum Personal. Durch die Personalunterdeckung fallen sehr viele Überstunden an.

Diese wird auf dem Rücken des Personals ausgetragen. 

Das möchte die Belegschaft bis auf kleine Ausnahmen nicht mehr hinnehmen. Nach fünf erfolgreichen Warnstreiks führte die Gewerkschaft NGG die Urabstimmung durch. 98 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder stimmten für einen unbefristeten Arbeitskampf. 

Die schlechte Bezahlung ist nach Ansicht der Beschäftigten eindeutig nicht mehr tragbar. "Wir fordern eine Entlohnung, die mit den Tarifverträgen in der Gastronomie vergleichbar ist", sagte Gewerkschaftssekretär Wilfried Maxim (NGG Verhandlungsführer). Zum Beispiel in Bayern liegt der Stundenlohn für diese Beschäftigung zwischen 10,50 Euro und knapp zwölf Euro, je nach der Qualifikation des Mitarbeiters. "Wir richten uns darauf ein, den Streik über den ganzen Sommer fortzusetzen", sagte Maxim weiter. 

 

streikende Kollegin an der Zufahrt zur Raststätte

streikende Kollegin an der Zufahrt zur Raststätte NGG Unterfranken

Betroffen von der Tarifauseinandersetzung sind laut Gewerkschaftsangaben diese Standorte in Bayern und Thüringen: Frankenhöhe Nord sowie Süd, Donautal Ost sowie West, Rhön Ost sowie West, Greding West sowie Ost, Agip München Airport sowie Eisenach und Hörselgau. An den Standorten sind je nach Größe zwischen 30 und 60 Mitarbeiter beschäftigt. Für die Bundesländer Bayern und Thüringen führt NGG zum ersten Mal Verhandlungen mit den Arbeitgebern über einen Lohn- und Manteltarifvertrag. 

Die Gewerkschaft NGG hat sich auf einen langen Arbeitskampf eingestellt. Wenn nötig über den Sommer hinaus. 

Um 14.00 Uhr sprach Frank Firsching, DGB-Regionsgeschäftsführer Unterfranken, zu den Streikenden. 

Der an der Mailänder Börse notierte Konzern Autogrill beschäftigt in Deutschland rund 1500 Mitarbeiter und ist Pächter von 36 Raststätten an Bundesautobahnen, Flughäfen oder Autohöfen. An den Autobahnen gehören neben den Restaurants auch Tankstellen dazu: Dort wird zwar Benzin und Diesel von Ölkonzernen oder freien Anbietern verkauft, der Betrieb liegt aber in den Händen von Autogrill. 

Der Konzern mit weltweit rund vier Milliarden Euro Umsatz hat die Rasthöfe vor neun Jahren im Rahmen von Ausschreibungen der Gesellschaft Tank & Rast bekommen. Die knappe Mehrheit der Anteile an Autogrill gehört der italienischen Unternehmerfamilie Benetton.

Der Streik ist für Arbeitsverhältnisse in Deutschland ungewöhnlich: Beschäftigte mit Niedriglohnjobs haben sich bislang nicht für einen unbefristeten Arbeitsausstand ausgesprochen. Angeblich versucht der Arbeitgeber Autogrill mit Prämien von 30 Euro am Tag dagegenzuhalten und die Betroffenen doch zur Arbeit zu bewegen.