Deutscher Gewerkschaftsbund

19.03.2014
IG Metall Würzburg

Gewerkschaftliche Herausforderungen 2014

Irene Schulz und Walther Mann

Irene Schulz und Walther Mann DGB Unterfranken

Eibelstadt. Hoher Besuch bei der Delegiertenversammlung der IG Metall Würzburg. Irene Schulz, frisch gebackenes geschäftsführendes Vorstandmitglied der IGM sprach zum Thema „Gewerkschaftliche Herausforderungen 2014“ und stellte sich anschließend der kritischen Diskussion.

Irene Schulz begann mit der Analyse der eigenen Organisation. Und die fiel positiv aus. So gehe die Mitgliederentwicklung seit einigen Jahren leicht nach oben. Insbesondere bei Frauen, jungen Beschäftigten und höher Qualifizierten stiegen die Eintrittszahlen überdurchschnittlich. Das mache Mut für die Herausforderungen, die ins Haus stünden. So stehe ein Generationenwechsel bei den Betriebsräten ins Haus. Von 55 000 gewählten IG Metall-Betriebsräten würden altersbedingt 25 000 bis zum Jahr 2018, also in der nächsten Amtsperiode, ausscheiden. Die große Aufgabe bestünde darin, den Generationenwechsel auch qualitativ positiv zu gestalten. Dazu gehöre die Bereitschaft, sich als Betriebsrat zu bilden und weiter zu bilden. Mit Blick auf die anwesende Bildungsberaterin der bayrischen „IG Metall-Betriebsräteakademie“, Kerstin Reichert, rief Schulz dazu auf, die Seminarangebote der Betriebsräteakademie zu nutzen. Die „noch-nicht-Mitglieder“ unter den Betriebsrätinnen und Betriebsräten gelte es für die IG Metall zu gewinnen.

Kerstin Reichert

Kerstin Reichert DGB Unterfranken

Tarif-politisch wurde es dann auch. Irene Schulz plädierte dafür die Kampagne für die Regulierung von Werkverträgen und Leiharbeit „Arbeit sicher und fair“ fortzusetzen, weil sie erfolgreich sei. So wurden nicht nur Leiharbeiter über die Tarifarbeit besser gestellt, sondern auch gesetzgeberische Maßnahmen der großen Koalition im Koalitionsvertrag angekündigt. Nach neun Monaten im gleichen Betrieb soll demnach ein Leiharbeiter auch den gleichen Lohn erhalten wie ein Stammbeschäftigter und nach 18 Monaten ununterbrochener Tätigkeit in einem Betrieb soll eine Übernahmeverpflichtung ins entleihende Unternehmen entstehen. Ziel der IG Metall sei es eine Tarifbindung an den Tarifvertrag der M-und E.-Industrie „entlang der Wertschöpfungskette“ durchzusetzen. Werkvertragliche Ausgliederungen und andere Lohndrückertricks der Arbeitgeber könnten so wirksam unterbunden werden. Für die kommenden Tarifrunden würden weitere qualitative Forderungen in der Organisation zu debattieren sein. Kollegin Schulz nannte dabei die Themenbereiche „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, „junge Generation“, „Weiterbildung“ und „flexibler Übergang in die Rente“.

Mit Lob für die Rentenpolitik der großen Koalition geizte die IG Metall-Vorstandsfrau nicht. Die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren für langjährig Versicherte sei wie die Verbesserung der Erwerbsminderungsrente richtig und ein großer Erfolg der Hartnäckigkeit von IG Metall und dem DGB. Umfragen zufolge sähen dies über 80% der Bevölkerung so, weshalb in der Sache nicht nachgelassen werden dürfe. Gleiches gelte auch für den Mindestlohn von 8,50 Euro in der Stunde, der keine Ausnahmen vertrage!

Anmeldung Delegiertenversammlung

Anmeldung Delegiertenversammlung DGB Unterfranken

Erfrischend kritisch entwickelte sich die anschließende Diskussion. Werner Flierl, 2.Bevollmächtigter der IGM Würzburg, schüttete mächtig Wasser in den rentenpolitischen Wein der Großkoalitionäre. So rücke die Politik eben nicht von der Rente mit 67 ab und die abschlagsfreie Rente mit 63 gebe es auch nur vorübergehend, da sie parallel zur Rente mit 67 auf die abschlagsfreie Rente mit 65 nach 45 Versicherungsjahren steige. Kein Deut hätte sich auch an der Rentenkürzungspolitik verändert. Das alles focht Irene Schulz nicht an, plädierte aber dafür, das Erreichte als Erfolg zu betrachten.

Matthias Knöpflein und Gottfried Weippert fragten sich vehement, ob es auf Dauer erfolgreich sein könne, wenn man Tarifpolitik als Reparaturbetrieb falscher politischer Entscheidung begreife. Sinnvoller sei es, die falsche Politik zu bekämpfen. An Beispielen mangelte es den Kritikern nicht. Egal ob es um Entlohnungsfragen der Leiharbeit oder die „Metall-Rente“ als selbstfinanzierten Ersatz für die Rentenkürzungspolitik der Regierung ginge: Die tarifliche Lösung gelte nur für wenige Branchen und Bereiche und erreiche nie das angestrebte und notwendige Niveau.

So gab es für Irene Schulz nicht nur den obligatorischen Boxbeutel aus den Händen des 1.Bevollmächtigten Walther Mann, sondern auch inhaltliche Denkanstöße für ihre Vorstandstätigkeit.