Deutscher Gewerkschaftsbund

23.03.2014
DGB Würzburg

Erinnerung an das ehemalige Gewerkschaftshaus

Gedenkstein in der Augustinerstraße 6

Gedenkstein in der Augustinerstraße 6 DGB Würzburg

Würzburg. Der DGB in Würzburg hat mit der Niederlegung eines Gedenksteines an das ehemalige Haus des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) in der Augustinerstraße 6 erinnert. 81 Jahre nach der illegalen Enteignung am 10. März 1933 durch örtliche SS- und SA Banden, haben die Gewerkschaften damit einen Ort geschaffen, um das Andenken an die Zerschlagung der Arbeiterbewegung in Würzburg wach zu halten.

Karin Dauer, die Vorsitzende des DGB Kreisverbandes Würzburg erinnerte an die Geschichte des 10. März 1933. In den Morgenstunden zerschlugen SS- und SA-Männer die Fenster des Gewerkschaftshauses in der Augustinerstraße 6, durchsuchten das Haus, beschlagnahmten Flugblätter, Zeitungen, Plakate und hissten auf dem Dach die Hakenkreuzfahne. Die Gewerkschaftssekretäre wurden verhaftet und in das Konzentrationslager nach Dachau verschleppt. Unter ihnen der ADGB Arbeitersekretär Franz Wirsching, der aus dem Konzentrationslager nie wieder zurückkehrte. Das durch die Nazis enteignete Gewerkschaftshaus in der Augustinerstraße erhielt nach der Enteignung die Bezeichnung „Dr.-Otto-Hellmuth-Haus“. Helmuth war Gauleiter der NSDAP und Regierungspräsident von Mainfranken während der faschistsichen Diktatur in Deutschland.

Unterfrankens DGB Regionsgeschäftsführer Frank Firsching ordnete die Besetzung des Würzburger ADGB-Hauses in geschichtliche Zusammenhänge ein. Als tragische Fehlleistungen erwiesen sich die Machtübertragung durch Hindenburg an Hitler und die Zustimmung der konservativen und katholischen Parteien zum Ermächtigungsgesetz. Frank Firsching ging zudem kritisch mit der gewerkschaftlichen Anpassungspolitik um, deren fataler Höhepunkt sich im Aufruf zum 1. Mai 1933 wiederspiegelte, als Hitler den internationalen Tag der Arbeit zum „nationalen Tag der Arbeit“ umdeutete.

Am Gedenkstein, der am Morgen des 10. März 2014 von IG BAU Kollegen des Würzburger Bauhofes verlegt wurde, legten am Ende unter anderem Karin Dauer und Frank Firsching, der Würzburger DGB Sekretär Norbert Zirnsak, der eheamlige Vorsitzende des DGB Kreisverbandes, Walter Feineis, Würzburgs Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake, SPD Landtagsabgeordneter Georg Rosenthal und die Stadträtin der Partei Die Linke, Belinda Brechbilder, rote Nelken nieder. Karin Dauer würdigte insbesondere das Engagement des ehemaligen DGB Kreisvorsitzenden Walter Feineis und des Kollegen Hans Fischer von der IG BAU. "Ihr herausragender Einsatz machte es möglich, daß wir heute diesen Gedenkstein verlegen", sagte die Würzburger DGB Vorsitzende.

Am Abend diskutierten Gewerkschafter und Interessierte anschließend im Falkenhaus mit dem KZ-Überlebenden Ernst Grube, über Lehren aus dem 10. März 1933. Ernst Grube appelierte an die rund 40 Zuhörerinnen und Zuhörer das Erbe, welches gewerkschaftliche Vorfahren hinterlassen hätten zu übernehmen und bezeichnete die Erinnerungsarbeit als wichtige Konsequenz. DGB-Sekretär Norbert Zirnsak, erinnerte an einen Satz von Max Horkheimer. „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.“ Klaus Franz, DGB Rechtssekretär in Würzburg, interpretierte Max Horkheimer: Der Faschismus sei der „Rettungsanker des Großkapitals". Ernst Grube erinnerte: "In der Weimarer Republik war ein großer Teil des Bürgertums auf Seiten der Nazis“.

 

Kollegen der IG BAU beim städtischen Bauhof verlegen den Stein

Kollegen der IG BAU beim städtischen Bauhof verlegen den Stein DGB Unterfranken