Deutscher Gewerkschaftsbund

09.04.2014
Würzburg liest ein Buch

Dokumentarische Lesung des DGB

Bronzebüste von Leonhard Frank

Die Bronzebüste von Leonhard Frank bot die Kulisse für die dokumentarische Lesung des DGB Würzburg DGB Würzburg


Würzburg. Mit einer dokumentarischen Lesung hat sich der DGB an der Veranstaltungsreihe „Würzburg liest ein Buch – Die Jünger Jesu, von Leonhard Frank“ beteiligt. In der Werkstattbühne stand dabei am Montag die Frage des Verhältnisses der Gewerkschaften am Anfang der 1960er Jahre mit dem Dichter Leonhard Frank im Mittelpunkt. Während der eineinhalbstündigen Lesung wurden Dokumente aus dem Würzburger DGB Archiv vorgetragen.

Unter anderem kamen Akten aus dem Zeitungsarchiv (gelesen von Margit Schmidt), Schriftstücke des früheren DGB Vorsitzenden in Würzburg, Oskar Albert (gelesen von Gert Söhnlein), Briefe der Frau von Leonhard Frank, Charlott Frank (gelesen von Karin Dauer) und Schreiben von Funktionären aus der ehemaligen DDR (gelesen von Norbert Zirnsak), zum Vortrag. Den zeitlichen Zusammenhang leitete jeweils Evelyne Sachs ein, musikalisch wurde die Lesung von Peter Schüllermann und Sonja Stöcklein mit Liedern der Arbeiterbewegung umrahmt.

Im Verlauf stellten die Akteure dar, wie der örtliche DGB als Antwort auf die städtische Missachtung des Dichters, Anfang der 1960er Jahre das damals neu zu errichtende Gewerkschaftshaus in der Prymstraße Leonhard Frank (1882-1961) widmen wollte. Leonhard Frank war Sozialist und seine Schriften legten rücksichtslos den Finger in die Wunde der feinen Gesellschaft. Es kam letztlich zu keiner Zeit dazu, dass das DGB Haus den Namen Leonhard Franks tatsächlich trug, obwohl die örtliche Gliederung alles dafür tat, das neue Haus nach dem Dichter zu benennen. Höhere Ebenen der Organisation legten ihr Veto ein. Es war die Zeit des kalten Krieges und Bedenken aus Düsseldorf richteten sich auch deshalb gegen Leonhard Frank, weil er in der DDR und in den damaligen Ländern des Ostblocks zu Ehren gelangt war.

Höhepunkt der Lesung war ein Scheiben von Charlott Frank an Oskar Albert, dem damaligen Vorsitzenden des DGB in Würzburg, indem sie schlagkräftig mit den bürgerlichen Vorwürfen gegen ihren Mann abrechnet. In den Gewerkschaften fand man nach einigem Hin und Her schließlich die Übereinkunft, dass das DGB Jugendheim in der Prymstraße den Namen des berühmten Kindes der Stadt tragen soll. So zierte also eine Büste Leonhard Franks die Räume der DGB Jugend und ein Schild am Eingang des Hauses verwies auf die Leonhard Frank Jugendräume. Die Büste des Dichters steht heute übrigens in der Stadtbücherei. Anlässlich der Lesung fand sie wieder einmal den Weg zu den Gewerkschaften und bot eine imposante Kulisse für die Lesung.

Am Ende zeigte sich ein besonderer Besucher von der Veranstaltung beeindruckt. Rainer Spitznagel, ehemaliger ÖTV Sekretär in Würzburg und Initiator des Antrages bei der Delegiertenkonferenz am 28. Juli 1962 auf Benennung des Gewerkschaftshauses nach Leonhard Frank, saß bei bester Gesundheit in der ersten Reihe der Veranstaltung. 

Einladung zur Veranstaltung

Einladung zur Veranstaltung DGB Würzburg