Deutscher Gewerkschaftsbund

20.03.2014
ver.di Bezirk Schweinfurt

Gelungener Tarifauftakt

Streikleiter, Sinan Öztürk

Streikleiter, Sinan Öztürk DGB Unterfranken

Schweinfurt. Gelungener Auftakt in der Tarifrunde des Öffentlichen Dienstes bei Bund und Kommunen in Schweinfurt. Über 300 Beschäftigte des Wasser- und Schifffahrtsamtes, der Stadtverwaltung und des Leopoldina Krankenhauses folgten dem Warnstreikaufruf von ver.di.

Streikleiter Sinan Öztürk zeigte sich mit der Streikbeteiligung sehr zufrieden und betonte bewusst „zurückhaltend“ angefangen zu haben. Dass es genügend Steigerungspotential gibt, zeigten etwa 25 Beschäftigte des Bauhofes, die zwar nicht zum Streik aufgerufen waren, sich aber dennoch solidarisch beteiligten, indem sie „ausgestochen“ haben und in ihrer Freizeit am Warnstreik teilnahmen. Ver.id fordert für die Beschäftigten von Bund und Kommunen eine Lohnsteigerung von 100 Euro Sockelsteigerung pro Monat plus 3,5% auf das jeweilige Gehalt. Die Arbeitgeber haben noch kein Angebot vorgelegt.

Die Stimmung ist durchaus kämpferisch als der DGB-Regionsgeschäftsführer Frank Firsching deutliche Worte fand, um die Lage der Arbeitnehmer hierzulande zu beschreiben. Firsching hinterfragte die schlechte Lohnentwicklung in der Bundesrepublik seit 12 Jahren, die sich im Gegensatz zu den Gewinnen nicht nach oben entwickle. Insbesondere diejenigen seien „angeschmiert“, die nicht unter den Schutz eines Tarifvertrages fallen würden. Ihr Reallohn sinke von Jahr zu Jahr. Positiv entwickelten sich die Löhne innerhalb der Tarifvertragssysteme, weil dort Gewerkschaften gemeinsam für bessere Löhne eintreten. Besonders erfolgreich geschehe dies in den großen Industriebranchen Chemie und Metall. Nicht weil dort die Arbeitgeber so sozial eingestellt seien, sondern weil sich die Kollegen dort ihre Lohnerhöhungen durch kontinuierliche Tarifauseinandersetzung erkämpften. Gleiches geschehe hier in diesem Moment und sei allen Arbeitnehmern dringend zu empfehlen.

Streikende mit Banner

Streikende mit Banner DGB Unterfranken

Firsching beschrieb die ver.di-Tarifrunde als wegweisend für das Jahr 2014 und deshalb auch als so wichtig für die gesamte Lohnentwicklung im Land. Er wünscht „größtmöglichen Erfolg“ auch weil die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst im letzten Jahrzehnt Lohnzurückhaltung übten, wenn die Staatskassen nicht so üppig gefüllt waren. Dies gelte bei Rekordsteuerreinnahmen und gleichzeitiger Steuerzurückhaltung eben nicht, weshalb die Forderungen mehr als berechtigt seien.

Ins gleiche Horn bliesen die weiteren Kundgebungsredner, die vor allen die satte Diätenerhöhung der Bundestagsabgeordneten von mehr als 10% kritisierten. Reiner Reichert, Betriebsratsvorsitzender Leopoldina Krankenhaus, erinnerte an den Personalabbau von mehr als 1 Million Stellen in den letzten zwei Jahrzehnten im öffentlichen Dienst, darunter mindestens 50 000 Stellen in den Krankenhäusern. Der Personalratsvorsitzende der Stadt Schweinfurt, Alexander Siegl, beschrieb die Lohndifferenz zur Industrie mit „mindestens 10%“ und forderte eine Annäherung. Die WSA-Personalräte Wilfried Seger und Günther Ruf nahmen die Geldverschwendung der Regierungsverantwortlichen ins Visier. So würden durch Fremdvergaben von Aufträgen an die Privatwirtschaft wesentlich höhere Kosten verursacht, als wenn die Auftragserledigung vom eigenen Personal durchgeführt werde.

Die gute Stimmung setzte sich auch im Demonstrationszug in die Stadthalle fort, wo die Streikerfassung und eine Brotzeit warteten.