Deutscher Gewerkschaftsbund

12.02.2021

Reges Interesse am Online-Zukunftsdialog „Reden wir über… Home-Office“

„Home-Office“ ist aktuell in aller Munde. Während sich die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung lange größtenteils auf den privaten und öffentlichen Bereich beschränkt haben, sollen nun auch Betriebe und Unternehmen in die Pflicht genommen werden. „Home-Office“ soll überall dort ermöglicht werden, wo es sich einrichten lässt. Es wurde also höchste Zeit, dass wir gemeinsam darüber diskutierten was das eigentlich bedeutet – heute und in Zukunft.

Aus diesem Grund wich der normalerweise analoge Zukunftsdialog ins Digitale aus. In einer Videokonferenz kamen am 11.02.2021 rund 30 Kolleginnen und Kollegen sowie Interessierte zusammen, um über das Thema zu diskutieren. Referent war unser Regionsgeschäftsführer Frank Firsching, der in einem Impulsreferat einen Überblick über die politische und wissenschaftliche Diskussion sowie die DGB-Positionen lieferte.

So gibt es beim Thema Home-Office natürlich Risiken für Beschäftigte und Gesellschaft, aber auch Chancen. Problematisch sind zum Beispiel die schwierige Trennung von Privatem und Beruflichem, die oft mangelnde technische und ergonomische Ausstattung, auch unbezahlte Mehrarbeit und ständige Erreichbarkeit kann für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum Problem werden. Auf der anderen Seite kann Home-Office auch zu mehr Arbeitszeitsouveränität führen, nerviges Pendeln erübrigen und eben auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Es kommt dabei also auf die individuelle Ausgestaltung und die Voraussetzungen an.

Genau hier setzt auch die gewerkschaftliche Position an. Das A und O ist hierbei die Freiwilligkeit. Niemand sollte in Home-Office gezwungen werden, niemandem sollte es auf der anderen Seite ohne Grund verwehrt werden dürfen – die prinzipielle, berufsbedingte Home-Office-Fähigkeit vorausgesetzt. Es braucht also ein Recht auf Home-Office bzw. auf mobiles Arbeiten. Doch es braucht ebenso eine gesetzliche Ausgestaltung, denn wichtige Fragen müssen geklärt und nicht auf die Beschäftigten abgewälzt werden. So z.B. die prinzipielle, ständige Erreichbarkeit bzw. daraus folgend das Recht auf Nicht-Erreichbarkeit, Arbeits- und Gesundheitsschutz durch entsprechende ergonomische Ausstattung durch den Arbeitgeber – schließlich soll niemand auf der Couch sitzen müssen, weil sich kein angemessener Bürostuhl geleistet werden kann, Datenschutzfragen, insbesondere wenn Arbeitnehmende angehalten werden ihre Privatgeräte zu nutzen, wobei aus unserer Sicht natürlich der Arbeitgeber die technische Ausstattung stellen sollte. Die Liste kann noch weitergeführt werden und zeigt, dass es Regelungsbedarf gibt, v.a. seit Millionen Beschäftigte im Home-Office sind. Die veraltete Regelung zur sogenannten Telearbeit reicht nicht mehr aus – und hier waren bereits weite Teile reguliert, allerdings muss dafür die Arbeit dauerhaft von zuhause erfolgen.

Daher befürwortet der DGB auch die Gesetzesinitiativen verschiedener Parteien und Teilen der Regierung einen Schritt hin zu mehr geregelter Bedingungen zu gehen. Gleichzeitig betonen wir jedoch auch, dass es einen gewerkschaftlichen Zugang geben muss, dass Betriebs- und Personalräte auch die Kolleginnen und Kollegen auch im Zuhause erreichen, beraten und unterstützen können müssen. Auch hier besteht also Regelungsbedarf, z.B. in einem Zugang zum Intranet der Unternehmen, so wie auch in der analogen Welt ein Anspruch der Interessenvertreter Beschäftigter auf Zugang zum Betrieb besteht.

In der wissenschaftlichen Diskussion ist man sich uneinig, ob Arbeitnehmende im Home-Office nun produktiver sind oder nicht. Es gibt Studien, die dies bejahen, andere sehen keine Verbesserung. Offenbar sinkt damit die Produktivität jedoch nicht, was dafür spricht diese „neue“ Form des mobilen Arbeitens überall dort zu ermöglichen, wo es geht. Ebenfalls festgestellt wurde ein Hierarchiegefälle. So arbeiteten einer Studie leitende Angestellte und höhere Beamte in den letzten Monaten zu 50% von zu Hause, von den einfachen Angestellten 35%, Facharbeiter lediglich zu 11% und von der Gruppe der einfachen Arbeiter niemand.

Nach dem Referat gab es zwei Diskussionsrunden mit den Teilnehmenden. Viele arbeiten selbst bereits seit langer Zeit (teilweise) im Home-Office. Auch hier betonten sehr viele das Prinzip der Freiwilligkeit, wobei das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf, z.B. durch Home-Schooling in Normalzeiten, also nicht in der Pandemie, viel einfacher sei. Es kamen Fragen zum Versicherungsschutz und der technischen Ausstattung auf, auch was eine zunehmende Home-Office-Kultur mit der Gesellschaft mache. Ebenfalls kamen die angesprochenen Punkte für die schwierige Beratung durch Betriebs- und Personalräte auf. Alles in allem sahen auch die Diskutanten die Vor- und Nachteile. Man müsse die Chance nutzen und gute Regelungen für die Beschäftigten finden, dann haben alle etwas davon – auch die Arbeitgeber.


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