Deutscher Gewerkschaftsbund

20.01.2020
Presseinformation GEW Bezirk Unterfranken

Bildungsgewerkschaft: "Wut und Enttäuschung sind groß"

GEW hat großen Zulauf zu Protestkundgebung

Viktor Grauberger, DGB Büro Würzburg

Auf Initiative der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Unterfranken haben sich 750 Betroffene, Kollegen und Eltern in Würzburg auf einer Kundgebung mit dem Motto "Es reicht. Rote Karte für's Kultusministerium!" gewehrt. Kultusminister Piazolo hatte zehn Tage zuvor an Grund- Mittel- und Förderschulen die Arbeitszeit (GS) erhöht, allen Lehrkräften (GS, MS, FöS) eine längere Lebensarbeitszeit verordnet, Erholungszeiten gestrichen und Teilzeitarbeit eingeschränkt. Mit den Aktionen in Fürth am Vortag und dieser Kundgebung hat die Bildungsgewerkschaft schneller als alle anderen der Wut und Enttäuschung der Betroffenen Gehör verschafft: "Es reicht!".

"Die Zumutungen des Piazolo-Pakets hat die Menschen auf die Straße getrieben," sagte der unterfränkische GEW-Vorsitzende Martin Heilig. Besonders freut ihn, dass erstmals die Lehrerverbände ULLV und KEG der Einladung der Bildungsgewerkschaft gefolgt sind, die Proteste mitzutragen.

Seit vier Jahren mahnt die GEW das Kultusministerium und den Finanzminister, ausreichende Stellen zu schaffen. Stattdessen wurden bis heute junge, gut ausgebildete Lehrkräfte durch die schlechte Bezahlung und familienzerreißende Versetzungen in benachbarte Bundesländer abgedrängt, Lehrkräfte anderer Schularten aufwändig nachqualifizert und Überstunden ohne Ende geschoben. "Der Hammer ist aber, dass es auf den Mangelberuf Grundschullehrkraft bis heute einen nummerus clausus gibt," weiß Heilig. Das ist ein Steuerinstrument, dass die Zahl der Studierenden beschränkt, die als Lehrkräfte jetzt dringend benötigt werden.

Er versicherte allen GEW-Mitgliedern gewerkschaftlichen Rechtsschutz und kündigte die Prüfung rechtlicher Schritte gegen die Maßnahmen des Ministeriums an.

GEW Bezirk Unterfranken, Jörge Nellen

Hintergrund

Der "Markt" für Lehrkräfte besonders an Grund- und Mittelschulen ist leergefegt. In Unterfranken fehlen – entgegen den Beteuerungen der Staatsregierung – mindestens 500 Lehrkräfte, weiteres pädagogisches Personal und Fachkräfte der Förderung. "Eine Fachkraft pro Schule fehlt," sagt Heilig. Der Mangel drücke auf die Arbeitsbedingungen und unwillkürlich auch auf die Schulkinder: "Unsere Kolleginnen und Kollegen melden uns, dass sie seit Jahren Klassen-Doppelführungen haben, Überstunden machen oder sich krank in den Dienst schleppen, weil Vertretungen fehlen", sagt der Bezirksvorsitzende Martin Heilig.

 

Mobile Reserve am Schuljahresbeginn aufgebraucht

Kolleginnen und Kollegen in der Mobilen Reserve, die Ausfälle (Schwangerschaft, Fortbildungen, Krankheiten) kurzzeitig auffangen sollen, sind schon am Schuljahresbeginn so umfassend eingesetzt, dass es keinen Spielraum mehr gibt, z.B. wenn eine winterliche Erkältungswelle einsetzt. "Der Ausfall mit Ansage trifft vor allem aus guten Gründen teilzeitarbeitende Lehrerinnen hart, aber noch schlimmer Schülerinnen und Schüler, die Bedarf an individueller Förderung haben, das Recht auf Unterricht und auf kontinuierliche Betreuung", so Heilig.

 

Viktor Grauberger, DGB Büro Würzburg

 

Der Lehrkräftemangel ist hausgemacht. Daher schlägt die GEW konkrete kurz- und mittelfristige Maßnahmen vor, um den Druck auf Kolleginnen, Kollegen und Kinder zu mildern:

•Arbeitsreduzierung statt weiterere Arbeitsbelastung!

•A13 als Einstiegsbesoldung und gleiche Aufstiegsmöglichkeiten für alle Lehrkräfte. Höhergruppierung der Fach- und Förderlehrkräfte und der angestellten Lehrkräfte, um den Beruf für alle attraktiver zu machen.

•Erneute Aussetzung der externen Evaluation.

•eine Reform der Lehrkräfteausbildung, um der Realität der Bildungslandschaft gerecht zu werden und Kolleg*innen in allen Schularten einsetzen zu können.

 

Viktor Grauberger, DGB Büro Würzburg

Viktor Gauberger, DGB Büro Würzburg


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