Deutscher Gewerkschaftsbund

03.09.2021

Antikriegstag in Schweinfurt

Foto: Hendrik Torner

Schweinfurt: Mit dem altbekannten Partisanenlied „Bella Ciao“ leitete die DGB-Songgruppe den diesjährigen Antikriegstag am 1. September ein. Circa 50 Menschen, pandemiebedingt etwas weniger als in den vorangegangenen Jahren, versammelten sich für Frieden, Abrüstung und Antimilitarismus auf dem Wichtermannplatz, aufgerufen hatte der Friedensratschlag Schweinfurt.

Nachdem Josef Bernhardt die Veranstaltung eröffnete, sprach Jugendsekretär Hendrik Torner für den DGB-Kreisverband Schweinfurt, besonders am Herzen lagen ihm dabei die Interessen der Gewerkschaftsjugend. Er bedankte sich für den jahrelangen Einsatz der Unterstützer*innen der Friedensbewegung, betonte aber die Aktualität dieser Thematik durch die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan. Der Jugendsekretär rief die Bundesregierung auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen und die Ortskräfte schnellstens zu evakuieren. Bestürzt zeigte er sich darüber, dass vor Menschen Biervorräte ausgeflogen worden sind und adressierte den Kanzlerkandidaten der Unionsparteien, Armin Laschet, der zu dieser humanitären Katastrophe sagte, 2015 dürfe sich nicht wiederholen: „Herr Laschet, wir haben nicht nur genug Platz, sondern auch die moralische Pflicht die hilfsbedürftigen Afghan*innen aufzunehmen! Und wissen Sie, was sich an 2015 nicht wiederholen darf? Dass menschenverachtende Parolen bei PEGIDA und Co. auf der Straße gebrüllt werden und die Gewalt gegen Menschen mit Migrationshintergrund zunimmt!“

Hendrik Torner

Hendrik Torner Foto: Martin Schmidl

Torner zeigte sich außerdem wenig begeistert von Gruppierungen, die die Machtübernahme der Taliban als einen Sieg gegen die „amerikanische Besatzung“ feiern. Es sei wichtig, die Rolle der USA in diesem Desaster zu kritisieren, doch „zu glauben, dass allerdings ohne einige dieser Bemühungen, die ja auch von den Afghan*innen selbst kamen, der Barbarei der Taliban Einhalt hätte geboten werden können, ist mehr als naiv.“ Der Gewerkschaftsjugend stelle sich da die Frage, welcher Frieden herrscht, wenn sich gegen Faschist*innen nicht gewehrt wird, betont er. Zum Ende machte der junge Gewerkschafter auf die weiterhin wichtige Abrüstungsforderung aufmerksam und schlug vor, lieber Geld in das Bildungssystem zu investieren. Er erhielt viel Applaus für die Bemerkung, dass die Schulen mindestens genauso innovationsbedürftig seien wie das Material der Bundeswehr.

Mit weiteren aktuellen Krisen knüpfte eine Sprecherin der Würzburger DFG-VK an die Ausführungen an: Sie zeigte die missliche Lage in der Ukraine auf, wo Friedensgegner*innen starke Repressionen erleiden und sich eine militärische Offensive abzeichnet. „Der Waffenstillstand ist in Gefahr, da die Medien, auch in Deutschland, zu sehr ein Schwarz-Weiß-Bild der Lage zeichnen“, mahnte sie an.

Aufbauend auf dem Thema atomarer Abrüstung informierte Babs Günther vom Bündnis gegen Atomkraft über die Gefährlichkeit von nuklearer Stromgewinnung. Die Atomlobby versuche durch sogenanntes „Greenwashing“ Atomkraft als nachhaltig und klimaneutral zu verkaufen, das sei aber ein Trugschluss: „Vom Uranabbau bis zur Atommüllverwahrung – es ist ein Verschärfer der Klimakrise und stets mit militärischer Nutzung verbunden.“ Sie forderte nukleare Abrüstung und eine sichere Verwahrung des Atommülls.

Foto: Hendrik Torner

Foto: Hendrik Torner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zuletzt sprach ein Vertreter der christlichen Friedensbewegung pax christi. Für ihn beschreibe die Phrase „quod erad demonstrandum“ (lateinisch für „was zu beweisen war“) die Lage in Afghanistan sehr treffend. Denn viele Warnungen seien überhört worden und nun habe die Barbarei gesiegt. Er kritisierte, auf Torners Ausführungen aufbauend, den gescheiterten Auftrag der USA am Hindukusch: „Mit Bomben kann keine neue Kultur überstülpen.“ Als Angehöriger der Kirche sprach er sich aus Solidarität mit den Geflüchteten dafür aus Asyl zu gewähren und sprach am Ende ein Gebet.

Der Antikriegstag am 1. September, dem Tag des Überfalls des Deutschen Reiches auf Polen 1939, gedenkt seit 1957 jährlich den Schrecken der beiden Weltkriege und ist für den DGB von großer Bedeutung. Er ist für den Gewerkschaftsbund ein Tag des Erinnerns daran, dass Deutschland angesichts der Menschheitsverbrechen der Nazis besondere Verantwortung für den Frieden trägt. Um für die Bundestagswahl ein deutliches Zeichen zu setzen, führte der DGB am 1. September im Rahmen des Friedensbündnisses „Abrüsten statt Aufrüsten“ in mehreren Städten zahlreiche Aktionen durch, wie in Schweinfurt die Kundgebung.


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Der DGB Schweinfurt beteiligt sich am Bündnis Schweinfurt ist bunt.

Der DGB Würzburg beteiligt sich am Bündnis Würzburg ist bunt.