Deutscher Gewerkschaftsbund

09.09.2019
Pressemeldung der GEW Unterfranken

Bildungsgewerkschaft: "Junge Lehrkräfte werden in Unterfranken gebraucht!"

Bildungsgewerkschaft: "Junge Lehrkräfte werden in Unterfranken gebraucht!"
Bildungsgewerkschaft wendet sichgegen "Wutaktion" des Kultusministeriums

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Unterfranken warnt seit 1970 vor dem Lehrkräftemangel an Bayerns Schulen[1]. Wie es scheint, 50 Jahre vergebens: Der "Markt" für Lehrkräfte besonders an Grund- und Mittelschulen ist leergefegt, in Unterfranken fehlen – entgegen den Beteuerungen der Staatsregierung – mindestens 500 Lehrkräfte, weiteres pädagogisches Personal und Fachkräfte der Förderung. Der Mangel drückt auf die Arbeitsbedingungen und unwillkürlich auch auf die Schulkinder: "Unsere Kolleginnen und Kollegen melden uns, dass sie Doppelführungen haben, sich nicht trauen auf Fortbildungen zu gehen oder gar krank zu sein", sagt der Bezirksvorsitzende Martin Heilig zu Schuljahresbeginn.

Mobile Reserve am Schuljahresbeginn aufgebraucht
Kolleginnen und Kollegen in der Mobilen Reserve, die Ausfälle (Schwangerschaft, Fortbildungen, Krankheiten) kurzzeitig auffangen sollen, sind schon am Schuljahresbeginn so umfassend eingesetzt, dass es keinen Spielraum mehr gibt, z.B. wenn die herbstliche Erkältungswelle einsetzt. Die Folge sind Doppelführungen von zwei Klassen durch eine Lehrkraft, das Zusammenlegen von aus pädagogisch Gründen getrennten Lerngruppen, Über- und Vertretungsstunden, fachfremder Unterricht. "Das trifft vor allem aus guten Gründen teilzeitarbeitende Lehrerinnen hart, aber noch schlimmer Schülerinnen und Schüler, die Bedarf an individueller Förderung haben, das Recht auf Unterricht und auf kontinuierliche Betreuung", so Heilig.

In privaten Gymnasien und Realschulen werden Lehrkräfte über Facebook gesucht.[2]

Wutreaktion des Kultusministeriums
Seit Jahren werden unverheiratete Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen, die das Referendariat absolviert haben, mit einer Planstelle nach Oberbayern abgezogen. Viele dieser Kolleginnen und Kollegen haben immer wieder aus privaten Gründen (Familie, Pflege, Ehrenamt, Vereinsarbeit, etc.) eine Anstellung in Unterfranken der Planstelle in der Ferne vorgezogen. Das hat das Kultusministerium bisher mit Nichtanstellung bestraft. Vor dem Hintergrund des Lehrkräftemangels (die jungen Kolleginnen und Kollegen werden überall dringend benötigt) fühlt sich das Kultusministerium nun veranlasst, doch Angestelltenverträge in Unterfranken abzuschließen. Doch nicht ohne Strafe: Obwohl die Kolleginnen und Kollegen vom ersten Tag benötigt werden und eingeplant sind, dürfen sie erst zum 01. Oktober antreten. Die Schulen müssen die ersten drei Wochen des Schuljahres überbrücken, die jungen Kolleginnen und Kollegen müssen sich diese drei Wochen versichern, arbeitslos melden und für ihren Unterhalt selber sorgen. Wenigstens bekommen sie die folgenden Sommerferien bezahlt. "Das ist eine kindische Wutreaktion des Kultusministeriums, die an den Menschen und der Bedarfslage vorbei geht", meint der GEW-Bezirkschef.

Der Lehrkräftemangel ist hausgemacht. Daher schlägt die GEW konkrete kurz- und mittelfristige Maßnahmen vor[3], um den Druck auf Kolleginnen, Kollegen und Kinder zu mildern:
- gleiche Bezahlung von allen Lehrkräften (Einstiegsgehalt A13 für alle)
- vorübergehende Kürzung der Stundentafel, um die Unterrichtsqualität trotz Lehrkräftemangel aufrecht zu erhalten
- Reform der Lehrkräfteausbildung (Grundstudium für alle, Aufbaustudium nach Schularten), und Erhöhung der Zahl der Studienplätze

Mit freundlichen Grüßen

Jörg Nellen (Stellv. Vorsitzender der GEW Bezirksverband Unterfranken)



[1] https://www.gew-bayern.de/index.php?eID=dumpFile&t=f&f=50495&token=bc4bfe95d0e2beedc59b3acf14e2fa7b3913e844&sdownload=&n=GT_17_16_Gegen_den_Lehrkraeftemangel.pdf
[2] https://www.facebook.com/groups/Lehrerstelleninbayern/: Allein 105 neue Mitglieder zu den fast 19000 in den letzten 30 Tagen

https://www.facebook.com/maristengymnasiumfurth;
[3] https://www.gew-bayern.de/presse/detailseite/neuigkeiten/fuer-unterrichtsqualitaet-und-lehrergesundheit-ist-eine-ganze-reihe-von-sofortmassnahmen-notwendig/

 

Vollständige Pressemeldung zum Download:


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