Deutscher Gewerkschaftsbund

15.06.2022
DGB- Regionschef Firsching:

Gewinn-Preis-Spirale verteuert das Leben oder Plädoyer für satte Lohnerhöhungen

Frank Firsching, DGB Regionsgeschäftsführer Ufr.

Frank Firsching, DGB Regionsgeschäftsführer Ufr. Fotostudio Wacker

Mit einer Inflationsrate von aktuell 8,1 Prozent erleben die Menschen in Bayern wie in ganz Europa massive Verteuerungen zu ihren Lasten. Ob Energie, Mieten oder Lebensmittel. Die Preise für die täglichen Bedarfe steigen seit Herbst 2021 unaufhörlich, die Haushaltseinkommen stagnieren. Die Mehrzahl der betroffenen Verbrauchenden sind abhängig Beschäftigte, Rentner und Menschen die auf staatliche Hilfe angewiesen sind.

Nun warnen arbeitgebernahe Wissenschaftler, Politiker und Journalisten mit dem Gespenst der sogenannten „Lohn-Preis-Spirale“ vor Lohnerhöhungen, die in der Folge für Preissteigerungen verantwortlich seien. Da kratzt sich so manch denkender Mensch den Kopf, liegt doch die letzte dauerhafte Lohnerhöhung teils Jahre zurück. In den Pandemiejahren hielten sich die Gewerkschaften aus gutem Grund mit großen Lohnforderungen zurück, um die Unternehmen in schwieriger Zeit nicht über Gebühr zu fordern. Und nun ist sie da, die Inflation. Von übermäßigen Gehaltssteigerungen der arbeitenden Menschen kann sie nicht kommen. Vom Ausbau sozialer Leistungen auch nicht. Verantwortlich seien die weltweiten Preissprünge im Energiesektor, heißt es. Und der Putin – Ukrainekrieg. Dazu kämen noch Lieferengpässe für Vorprodukte, wie zum Beispiel am Halbleitermarkt. Alles in allem werden die Waren knapp. Ob Gas, Sonnenblumenöl oder Halbleiter. Angebotsverknappung wiederum führt zu Preissteigerungen. So ist das in der Marktwirtschaft. Das haben wir der Schule gelernt. Soweit ist wirtschaftstheoretisch alles in Ordnung solange die Löhne nicht steigen. Sagen die warnenden Stimmen.

Wie bitte? An wen werden denn die höheren Preise bezahlt? Ausschließlich an die Unternehmen und wenige freiberuflich Tätige. Unternehmen müssen auch höhere Preise für Energie oder so manche Vorprodukte zahlen. Ob es sich nun um Halbleiter für die Industrie oder ob es ums Sonnenblumenöl fürs Restaurant handelt. Das ist richtig. Jedoch zahlen die Unternehmen die höheren Preise an andere Unternehmen. Ob national oder international. Das mehr eingenommene Geld verbleibt im Kreis der Angebotsseite, also der Unternehmerschaft. So bleibt dem Verbraucher am Markt kaum anderes übrig als höhere Preise zu akzeptieren. Klar muss jedes Unternehmen an sich denken. Sie schlagen in dieser Zeit jeweils für sich noch etwas obenauf. Für die eigene finanzielle Absicherung. Für den eigenen Gewinn. Solange am Markt höhere Preise durchsetzbar sind wird zugegriffen. Dazu sind Unternehmen schließlich da. Um Geld zu verdienen, sehr gerne noch mehr Geld. Und das ist gerade ohne zusätzliche Leistung, ohne bessere Produkte oder Dienstleistungen möglich. Wir nennen diesen Effekt „Gewinn-Preis-Spirale“. Das ist es, was wir augenblicklich erleben. Darum stiegen die Preise. Die Verbrauchenden zahlen an die Produzierenden fürs gleiche Produkt weit mehr als bisher.

Warum sollen die Verbrauchenden, die größtenteils als Beschäftigte die angebotenen Produkte selbst herstellen auf inflationsausgleichende Lohnerhöhungen verzichten, während die Produzenten die gleichzeitig ihre Arbeitgeber sind mit satten Preiserhöhungen ihre Gewinne und Renditen auf Kosten ihrer Beschäftigten steigern?

Wer Lohnforderungen drosseln will, muss die Preisentwicklung stoppen, indem Unternehmen auf überhöhte Preise und Gewinne verzichten. Beschäftigte und ihre Gewerkschaften haben ihrerseits das Recht, nein die Pflicht, inflationsausgleichende Lohnerhöhungen zu fordern. Denn sie haben keine andere Möglichkeit den Preis für ihre Arbeitskraft am Markt zu erhöhen, um ihr Leben zu finanzieren. Nur so können sie die Umleitung des Geldes von den Verbrauchenden zu den Produzierenden stoppen. Ganz egal was arbeitgebertreue Politiker, Journalisten und Wissenschaftler erzählen.


Nach oben

Der DGB Schweinfurt beteiligt sich am Bündnis Schweinfurt ist bunt.

Der DGB Würzburg beteiligt sich am Bündnis Würzburg ist bunt.