Deutscher Gewerkschaftsbund

15.11.2018
Ausstellung und Buch zu 100 Jahre Revolution in Aschaffenburg

„Aschaffenburg war da offenbar vernünftiger…“

Ausstellung und Buch zu 100 Jahre Revolution in Aschaffenburg

Ausstellung und Buch zu 100 Jahre Revolution in Aschaffenburg DGB Unterfranken

Aschaffenburg. „Revolution und Räterepublik: Aschaffenburg und die bayerische Räterepublik“ heißt das Buch, das im Rahmen des Gedenkens an die Revolution in Bayern vor 100 Jahren, in zweiter Auflage veröffentlicht wurde. Historiker Carsten Pollnick sowie der ehemalige IG Metall Sekretär Johannes Büttner sind die Herausgeber des Buches. Den Druck des Buches hat der DGB Kreisverband Aschaffenburg-Miltenberg finanziell gefördert. Im Stadt- und Stiftsarchiv im Schönborner Hof ist zudem eine Ausstellung „100 Jahre Revolution“ zu sehen.

„Aschaffenburg war da offenbar vernünftiger…“, lautete ein Satz, den Frank Jacob, Professor für Globalgeschichte an einer norwegischen Universität, in seinem Vortrag über die Revolution 1918 äußerte. Warum? Wurde die Revolution in München, Schweinfurt oder Würzburg meist von blutigen Auseinandersetzungen  begleitet, blieben diese in Aschaffenburg weitestgehend aus. Ein Grund mag die räumliche Distanz zu München sein, ein anderer das besonnene Interagieren zwischen der Stadtverwaltung und dem Arbeiter- und Soldatenrat. In seinem Vortrag schlug Jacob den Bogen zwischen dem Ende des ersten Weltkrieges, dem Handeln von Kurt Eisner, dem ersten bayerischen Ministerpräsidenten und dem Beginn der Weimarer Republik.

Ausstellung und Buch zu 100 Jahre Revolution in Aschaffenburg

Ausstellung und Buch zu 100 Jahre Revolution in Aschaffenburg DGB Unterfranken

Über das Wirken und die Rolle Kurt Eisners im Rahmen der Revolution referierte der Professor ausführlich. Er ist ausgewiesener Experte und arbeitet derzeit an einer dreibändigen Eisnerbiografie.  Die Enkel Kurt Eisners sind extra nach Aschaffenburg gereist, um den Ausführungen des Professors zu lauschen und sich die Ausstellung anzuschauen. Kurt Eisner war der erste bayerische Ministerpräsident und ein Mensch, der den Mut hatte, die bestehenden Verhältnisse offen zu kritisieren, sich gegen den ersten Weltkrieg zu positionieren und sich für direkte Demokratie einzusetzen. Sein Mittel für die Umwälzung der bestehenden Verhältnisse war die Bildung. Über Bildung sollten die Menschen in die Lage versetzt werden, zu reflektieren und die Politik zu hinterfragen, um sich als mündiger Bürger eine eigene Meinung zu bilden. Allerdings braucht es dafür viel Zeit. Zeit, die Kurt Eisner in den stürmischen revolutionären Zeiten nicht blieb, wurde er doch durch ein Attentat reaktionärer Kräfte so schwer verletzt, dass er eine Woche an den Folgen des Attentats verstarb. Kurt Eisner wurde zuvor mit Hetzflugblättern verunglimpft, beschimpft und Morddrohungen ausgesprochen. Herr Jakob zitierte aus einem der vielen hundert Schmähbriefe, die Eisner zugesandt wurden. Die Briefe sind vergleichbar mit den heutigen Shitstorms, die in den neuen sozialen Medien häufig vorkommen. Antisemitische Anfeindungen wurden in den Briefen und Hetzflugblättern niedergeschrieben und Oberbürgermeister Klaus Herzog wies zurecht darauf hin, dass der Antisemitismus nicht erst 1933 in Bayern Einzug gehalten hatte, sondern schon 1918 in einigen Teilen der Bevölkerung tief verwurzelt war, was die Briefe deutlich belegten.

Jedem sei das Buch von Carsten Pollnick und Johannes Büttner ans Herz gelegt, das sich intensiv mit der Revolution und der Räterepublik auseinandersetzt. Einer Zeit, über die es Professor Jacob zufolge  noch viel zu erforschen gibt, um die Entwicklungen in der Weimarer Republik und der Naziherrschaft besser beschreiben zu können.

Die Ausstellung im Schönborner Hof ist noch bis zum 12. Dezember zu sehen. Das Buch kann unter der ISBN- Nummer 978-3-86569-221-4 erworben werden.

Ausstellung und Buch zu 100 Jahre Revolution in Aschaffenburg

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