Deutscher Gewerkschaftsbund

11.02.2020

Jahrespressekonferenz – Das Tarifjahr 2020

Foto: Viktor Grauberger

Würzburg. In der vergangenen Woche am 6. Februar fand unsere alljährliche Pressekonferenz mit den Mitgliedsgewerkschaften zum diesjährigen Tarifjahr statt. Mehrere Medienvertreter waren kamen der Einladung nach und konnten den Ausführungen von Werner Flierl (IGM), Marietta Eder (ver.di), Lena Zimmermann (IG BAU), Ibo Ocak (NGG) und Harald Schmid (EVG) zu den diesjährigen und vergangenen Tarifrunden folgen. Für den DGB waren Regionsgeschäftsführer Frank Firsching und Regionssekretär Viktor Grauberger anwesend.

 

 

Foto: Viktor Grauberger

Zunächst leitete Frank Firsching mit einer allgemeinen, wirtschaftlichen Lagebeurteilung ein. Demnach gibt es keinen wirtschaftlichen Abschwung, jedoch auch keine gute Konjunktur. Das Wachstum wird wohl über einem Prozentpunkt liegen, die Situation in den verschiedenen Branchen ist dabei sehr unterschiedlich. Die sehr guten Tarifabschlüsse der vergangenen zehn Jahren haben zu Reallohnsteigerungen deutlich über dem Inflationsniveau geführt, was die Kaufkraft der Tarifbeschäftigten und damit auch die Volkswirtschaft insgesamt gestärkt hat. Ziel der Gewerkschaften ist es weiterhin die Tarifbindung wieder zu erhöhen, damit mehr Menschen davon profitieren können. Dafür haben die Gewerkschaften je nach Branche unterschiedliche Mittel, wie z.B. den Häuserkampf oder Allgemeinverbindlichkeitserklärungen (AvE).

 

Werner Flierl, Geschäftsführer der IG Metall Würzburg, begann seine Ausführungen mit einem Rückblick auf die Tarifrunde 2018, welche den Rückmeldungen nach sehr gut abgeschlossen wurde. Seit vergangenen Jahr gilt der damals vereinbarte sogenannte „T-Zug“, nach welchem den Beschäftigten 27,5% eines Monatsgehaltes plus 400€ zustehen. Alternativ können bestimmte beschäftigtengruppen – z.B. zur Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen – acht zusätzliche freie Tage im Jahr in Anspruch nehmen. Viele wollen dieses System ausweiten, die derzeitige Lage in der Automobilbranche ist jedoch ausnahmsweise einmal schlechter als die der Gesamtwirtschaft. Aus diesem Grund hat die IGM den Arbeitgebern das Angebot gemacht auf eine bezifferte Lohnforderung zu verzichten, wenn jene im Gegenzug Garantien zur Beschäftigungssicherung aussprechen. Stattdessen wäre es u.a. möglich die Quote für Altersteilzeit von derzeit 4% auf 6, 8 oder 10% zu erhöhen. Dies müsste dann in den Betrieben individuell ausgehandelt werden. Eine Bedingung für das Angebot ist jedoch, dass man sich bis zum Ende der Friedenspflicht am 28. April befriedigend einige. Andernfalls werde man normale Tarifverhandlungen inklusive Lohnforderungen forcieren. Man bereite sich auf alles vor

Foto: Viktor Grauberger

Foto: Viktor Grauberger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Harald Schmid, Geschäftsführer der EVG in Würzburg, erläuterte zunächst ebenfalls vergangene Tarifabschlüsse. Bereits 2016 vereinbarte man erstmals die Wahlfreiheit zwischen zusätzlichem Urlaub und mehr Lohn – sowie einer Verkürzung der Arbeitszeit, welche jedoch kaum gewählt wurde. 2018 folgte erneut eine solche Vereinbarung wodurch die Beschäftigten bei der Bahn nun bis zu 42 Tage Urlaub im Jahr haben können. Jeweils am 30. Juni ist der Stichtag für die Wahl für das Folgejahr, es können also null, sechs oder zwölf zusätzliche Tagebeantragt werden. Heute, am 11. Februar, starten außerdem die Verhandlungen mit allen Busunternehmen, die zur Deutschen Bahn gehören. Bisher lehnt man sich dort an den Tarifvertrag mit dem LBO an, was im Vergleich zum EVG-Tarif etwa 150€ weniger Lohn im Monat für die Busfahrer bedeutet. Große Sprünge sind hier aber wohl nicht zu erreichen, da aufgrund des in Bayern fehlenden Tariftreue- und Vergabegesetzes der Zuschlag für öffentliche Aufträge immer an den billigsten Anbieter geht.

Foto: VIktor Grauberger

Foto: Viktor Grauberger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ver.di führt aufgrund der vielseitigen Struktur auch in diesem Jahr sehr viele Tarifverhandlungen. Ein Schwerpunkt wird laut Marietta Eder, stellv. Geschäftsführerin von ver.di Schweinfurt, auf dem TVÖD für Bund & Kommunen liegen. Auch hier ist die Arbeitszeit laut einer Umfrage wichtigstes Thema, v.a. im Gesundheitsbereich, also auch in den kommunalen Krankenhäusern. Weiterhin ist auch die Digitalisierung wichtig, ob es nun um den Datenschutz oder Eingruppierungsfragen geht. Besonders im Bereich Gesundheit und Soziales – Eders Zuständigkeitsbereich – werden viele Verhandlungen mit Krankenhäusern und Einrichtungen geführt. Sie betonte, dass eine AvE besonders in der Pflege sehr wichtig ist, weil extrem viele Betriebe tariflos sind woraus allzu häufig sehr schlechte Arbeitsbedingungen folgen. Im Rhön-Klinikum konnte man jüngst teils 17% Lohnsteigerungen für die Beschäftigten abschließen – ein beeindruckender Wert, der auch die Gewerkschaftssekretärin Eder sehr freut

Zuletzt sprach ibo Ocak, Geschäftsführer der NGG Unterfranken. Die NGG führt fast monatlich Tarifverhandlungen, oft handelt es sich dabei um Häuserkämpfe. So konnte man so im vergangenen Jahr im Rhönpark-Hotel in Bad Kissingen einen Haustarifvertrag erkämpfen, der manchen Beschäftigten dort 800€ mehr Lohn brachte! Dabei gewann man auch viele Mitglieder in diesem ansonsten recht schwach Organisationsbereich. In der Systemgastronomie fordert man derzeit 12€/Stunde ab der untersten Lohngruppe – derzeit liegt der Lohn hier auf Mindestlohnniveau. Der Bäcker-Tarifvertrag wird gekündigt, hier werden neben der Übernahme von Azubis Mindeststeigerungen von 150€/Monat gefordert, was einem Lohnplus von deutlich über 6% entspräche. Weiterhin werden Tarifverhandlungen in der Erfrischungsgetränkebranche sowie in der bayerischen Milchindustrie geführt, wo auch die Wahlfreiheit zwischen mehr Geld oder Urlaub festgeschrieben werden.

 

 


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