Deutscher Gewerkschaftsbund

02.10.2014
Band `Taake`:

Nazi-Rock oder Freizeitspaß?

Julia Gock, Frank Firsching, Birgit Röder und Matthias Burgard nahmen rechte Tendenzen in der Black Metal Szene unter die Lupe.

Julia Gock, Frank Firsching, Birgit Röder und Matthias Burgard nahmen rechte Tendenzen in der Black Metal Szene unter die Lupe. DGB Schweinfurt


Schweinfurt. Dieser Frage widmete sich im Schweinfurter Stattbahnhof Matthias Burgard, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Mainz. Der kurz bevorstehende Auftritt der norwegischen Black-Metal-Band Taake in der Stadthalle hat das Anti-Nazi-Bündnis `Schweinfurt ist bunt` bewogen den Experten Burgard einzuladen. Burgard selbst darf getrost als Kenner der Szene bezeichnet werden.

Jahrelang unterwegs als Drummer einer Death-Metal-Band hatte der studierte Kulturanthropologe die Nase voll, bei Auftritten mit anderen Metal-Bands immer häufiger auf Nazis und rechtsradikale Musiker zu treffen und beendete seine Bandtätigkeit. Schloss sich jedoch der Initiative „Metal-Fans gegen Nazis“ an, die aktiv recherchieren, um Bands wie `Taake` zu demaskieren. Beim Vortrag des Mainzers wird schnell klar, dass es ihm nicht um eine generelle Verurteilung der Black-Metal-Szene oder deren Zugehörigkeit zum rechtsradikalen Spektrum geht. Burgard argumentiert differenziert und schlüssig.

Er beginnt mit einer Beschreibung der Black-Metal-Szene, die mehr sei als nur Musik. Die Szene verstehe sich als unpolitisch, großzügig, satanistisch, nicht kommerziell. Sie pflegt ein Außenseiterimage. Aufgrund der Großzügigkeit gebe es wenig Abgrenzung innerhalb der Szene. Auch wenig Abgrenzung zu rechtsradikalen Bands wie Fans. Diese fehlende Abgrenzung wiederum führe zu Verquickungen bei Konzerten, wo die Nazi-Szene offen auftreten könne. Es entstehe eine Grauzone aus rassistischem Liedgut, dem geduldeten zur Schau stellen von Nazisymbolen und unpolitischen Musikkonsumenten, die ihr Lebensgefühl feiern. Eben diese Grauzone schaffe Akzeptanz.

Die norwegische Band ´Taake` (Nebel) ordnet Burgard zweifellos dem Spektrum zu, das als rechtsradikal gelte, oder zumindest als Brückenglied in den Rechtsradikalismus fungiere. Bandgründer ist der Norweger Ørjan Stedjeberg, Künstlername Hoest, geboren 1977. Songs wie „Rassenkrieg“ aus den Anfangsjahren hätten möglicherweise noch als „Jugendsünden“ eingestuft werden können. Der Auftritt von Hoest als Taake-Frontmann mit beim Essener Skandalkonzert im Jahr 2007 nicht mehr. Als Hoest dort mit einem aufgemalten Hakenkreuz auf der Brust auftrat, war der Sänger 29 Jahre alt und zuvor bereits dreimal wegen Gewaltdelikten eingesessen. Das Konzert wurde vom Veranstalter nach etwa 50 Minuten abgebrochen. Anschließend hatte es Taake schwer. Konzerte wurden reihenweise von Veranstaltern abgesagt, so beispielsweise Auftritte beim Ragnarök-Festival, dem Partysan-Open-Air und weitere in Österreich und der Schweiz. Aufgrund dieser Probleme sah Hoest es an der Zeit sich vom Nazi-Image zu distanzieren. Ein daraufhin erschienenes Interview im unkritischen Bertelsmann-Blatt „Metal-Hammer“ 2008 sorgte für Rehabilitation. Im Interview gab Hoest an, niemals etwas mit Rechtsradikalismus zu tun gewesen zu haben. Das verwendete Foto zeigte den Taake-Sänger auf einer grünen Wiese vor seinem Haus in Norwegen ein Kaninchen streichelnd.

Band `Taake`: Nazi-Rock oder Freizeitspaß? Eine Info-Veranstaltung im Schweinfurter Stattbahnhof klärte diese Frage.

Band `Taake`: Nazi-Rock oder Freizeitspaß? Eine Info-Veranstaltung im Schweinfurter Stattbahnhof klärte diese Frage. DGB Würzburg

Für Burgard wenig glaubwürdig. Denn sowohl vor, als auch nach dem Interview sang Hoest auch für andere Bands, deren rechtsradikale Einstellung unschwer an den rassistischen und islamfeindlichen Texten erkennbar wären. Auf der illustren Liste stehen u.a. Urgenal, Meads of Asphodel und Slavia. Das Album „Strengh and Vision“ (2007) von letzterer Band beginnt z.B. mit der Sportpalastrede von Joseph Goebbels (Wollt ihr den totalen Krieg?) als Liedeinstieg. 2010 tourte Taake mit den rechtsradikalen Bands Horna und Anantyr. Auch Taake blieb rassistischen und islamfeindlichen Texten treu. Im Jahr des Breivik-Attentats, das in Norwegen 77 Menschen das Leben kostete, textet Taake im Song Orkan. „Zur Hölle mit Mohammed und den Mohammedanern mit ihren unverzeihlichen Sitten“ und weiter „Norwegen erwache, Norwegen wird erwachen“. Viele Beispiele, die für den Experten Burgard klar belegten, dass die Distanzierung von Hoest und Taake nichts weiteres war als ein Lippenbekenntnis, um den eigenen kommerziellen Erfolg nicht weiter zu gefährden.

Nachdem Matthias Burgard von den gut zwei Dutzend, vorwiegend jungen Zuhörern mit kräftigem Applaus bedacht wurde, ergab sich eine lebhafte Diskussion vor allem um die Frage, wie es denn möglich sei, dass Taake in der Stadthalle Schweinfurt spielen könne und die Stadt nur zuschaue. Bündnissprecher und Stadtrat Frank Firsching machte die fehlende Sensibilität der Stadt und die weitgehend unprofessionelle Vermarktung der Stadthalle durch den Betreiber der Stadthalle, dem Arbeitsförderungszentrum (afz) verantwortlich. Das könne sich künftig nur ändern, wenn sich der politische Wille durchsetze, derartige Veranstaltungen in Schweinfurt nicht haben zu wollen.


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Bündnispartner

 

 

Bündnispartner:

 

Aiki – Institut für Gesundheitsförderung und Selbstentwicklung

Aktionsgemeinschaft f. Arbeitnehmerfragen (afa) Schweinfurt

Alevitisches Kulturzentrum Schweinfurt e.V.

AltesLagerSanktPauli, Bastheim

Amnesty International Gruppe Schweinfurt

Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in Schweinfurt

AWO Kreisverband Schweinfurt

BA-BI e.V. für Umwelt und Lebensschutz – Bürgerinitiative gegen Atomanlagen

Bayerische Sportjugend im BLSV Kreis Schweinfurt

Bayernpartei Unterfranken

Beirat für Menschen mit Behinderung, Schweinfurt

Bund der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ) Stadtverband Schweinfurt

Bund für Geistesfreiheit Schweinfurt K.d.ö.R

Bund Naturschutz in Bayern e.V. Kreisgruppe Schweinfurt

Bündnis 90/ Die Grünen Kreisverband Schweinfurt

Caritasverband für Stadt und Landkreis Schweinfurt e.V.

Christlicher Vereine Junger Menschen Schweinfurt e.V.

CSU Kreisverband Schweinfurt

Deutsch Finnische Gesellschaft, Bezirksverein Schweinfurt

DFG VK Büro / SALI und ver.di Erwerbslosenausschuss

DGB Jugend Nordbayern

DGB Region Unterfranken

Diakonisches Werk Schweinfurt e.V.

Die Linke Kreisverband Schweinfurt

Disharmonie Kulturverein

DKP Schweinfurt

ERV Schweinfurt

Evang. Jugend im Dekanat Schweinfurt

Evang.-Luth. Dekanat Schweinfurt

Evang.-Luth. Kirchengemeinde Schweinfurt-Christuskirche

Frauen helfen Frauen e.V., Frauenhaus Schweinfurt

Frauenplenum Schweinfurt

Freundeskreis Châteaudun e.V.

FT Schweinfurt

Gesellschaft zu beruflichen Förderung Schweinfurt mbH, Betriebsrat

GEW Kreisverband Schweinfurt

„geo-net“ Netzwerk für Gerolzhofen

IG BAU Region Franken

IG Metall Schweinfurt

Initiative gegen das Vergessen, Schweinfurt

Integrationsbeirat der Stadt Schweinfurt

Kath. Arbeitnehmer Bewegung (KAB) Schweinfurt

Kath. Stadtkirche Schweinfurt

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA) Schweinfurt

Kolpingfamilie Schweinfurt

KulturPackt für Schweinfurt

Lebenshilfe f. Behinderte e.V. Schweinfurt

Mainfranken Motorsport Club Schweinfurt 1982 e.V

Männer contra Gewalt e.V.

MLPD Schweinfurt

MSV Gerolzhofen e.V. im ADAC

Musikergemeinschaft Tonquadrat

NaturFreunde Bezirk Unterfranken,

ödP Kreisverband Schweinfurt

Offene Behindertenarbeit des Diakonischen Werkes Schweinfurt

Ökomenische Notfallseelsorge für Stadt und Landkreis Schweinfurt im St. Josefs Krankenhaus

Ökosoziales Forum Schweinfurt

Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Bayern e.V.

Pfarrei Dreieinigkeit

Piratenpartei Schweinfurt

Rockverband Schweinfurt e.V.

Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft

Schweinfurter Autoren Gruppe

Schweinfurter Liste

Servicebetrieb Bau und Stadtgrün Schweinfurt, Personalrat

Sozialdienst katholischer Frauen, Schweinfurt

SPD Schweinfurt

Stadt Schweinfurt, Gesamtpersonalrat

Stadtjugendring Schweinfurt

Stattbahnhof

Stipgruppe SW-WÜ-BA Hans Böckler Stiftung

Türkisch Islamische Gemeinde zu Schweinfurt e.V.

TV 1862 Schweinfurt Oberndorf e.V.

VDK Kreisstelle Schweinfurt

ver.di Bezirk Schweinfurt

Walther Rathenau Schule, Personalrat