Deutscher Gewerkschaftsbund

19.06.2018

Leviten lesen: Wer sind Einheimische?

Bildungsgewerkschaft GEW fordert Nächstenliebe ernst zu nehmen.

Der nicht vom Souverän, dem Wahlvolk, gewählte Ministerpräsident Bayerns fordert zusammen mit dem CSU-Innenminister ultimativ Maßnahmen gegen Flüchtlinge (Abschiebung, Abweisung an der Grenze). Er begründet das in den Tagesthemen mit „Wir müssen auch an die einheimische Bevölkerung denken“. Wer sind denn diese Einheimischen? Bin ich das, Sohn eines Ehepaares, das aus DDR-Dresden geflüchtet ist? Ist es meine Frau, deren Eltern aus Schlesien vertrieben wurden? Ist das mein Schwiegersohn, dessen Eltern aus Kroatien kommend den Reichtum dieser Republik gemehrt haben? Sind es meine Nichten und Neffen, deren Großeltern als türkische Arbeitsmigranten den Facharbeitskräftemangel der frühen sechziger Jahre überbrücken halfen? Sind es meine Schülerinnen und Schüler, deren Eltern aus Deutschland, Polen, der ehemaligen Sowjetunion, Syrien, und weiteren 26 Ländern kommen, und die mit ihrem Abitur die akademischen Arbeitsplätze dieser Republik zum Gewinn der Gemeinschaft Aller ausfüllen werden?

Die Partei, die das Christentum im Namen und die christlich-jüdische Tradition im Munde führt, möge sich die Leviten lesen lassen: Liebe deinen Nächsten, heißt nicht, den nächsten Einheimischen, es heißt der Nächste in Not. Der Souverän, das Volk, hat es angesichts der Landtagswahl in Bayern in der Hand, die in der absoluten Mehrheit Irrenden zurück auf den rechten Weg zu leiten.

 

Jörg Nellen


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