Deutscher Gewerkschaftsbund

27.10.2017
Pressemitteilung der GEW, Bezirksverband Unterfranken

Jetzt schlägt's A13 - Gleiches Einstiegsgehalt schafft Gerechtigkeit bei Lehrerinnen

Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen verdienen nicht, was sie verdienen. Ihre Aufgaben sind zwar nicht gleichartig, aber durchaus gleichwertig wie die anderen Lehrämter. "Wir arbeiten professionell viel im erzieherischen und pädagogischen Bereich, " sagt eine Grundschullehrerin aus Würzburg. "Das führt zu vielen Gesprächen, Familien- und Ämterkontakten und Aktendokumentationen". Dennoch bekommt eine Lehrkraft an Grund- und Mittelschulen mit der Gehaltsstufe A12 lebenslang deutlich weniger als ihre Kolleg*innen an Gymnasien, die auch noch zwei Gehaltsstufen aufsteigen können.

 "Die unfaire Bezahlung an den Schulen benachteiligt besonders Frauen," sagt der GEW-Bezirksvorsitzende Martin Heilig. 90% der Grundschullehrkräfte in Unterfranken seien Frauen. Diese arbeiteten auch oft in Teilzeit, könnten nicht aufsteigen und beenden ihre Karriere nach 40 Jahren Erziehung der Kleinsten in der niedrigsten Gehaltsufe. "Wir brauchen mehr Wertschätzung der Bildungsberufe. Wir fordern ein gleiches Einstiegsgehalt für alle Lehrkräfte: Ja, jetzt schlägt's A13!", so der Bildungsgewerkschafter.

Die Bildungsgewerkschaft GEW fordert am bayernweiten Aktionstag "Ja – A13!"gerechte Bezahlung besonders von Frauen in den Schulen. Hier eine Aktion im April 2017.

 Stimmen zur Arbeit und Gehalt an Grund- und Mittelschulen aus Unterfranken:

- "Die GEW hat vor einigen Jahren eine Pilotstudie von Andrea Jochmann-Döll und Karin Tondorf durchführen lassen, um die Lehrtätigkeiten in der Primarstufe und der Sekundarstufe II vergleichen zu können. Die Anforderungsanalyse und -bewertung zeigte keine nennenswerten Unterschiede im Niveau der intellektuellen Anforderungen bei den untersuchten Lehrtätigkeiten. Unterschiede zeigten sich bei psycho-sozialen Belastungen: Lehrtätigkeiten an Grundschulen stellen durch erschwerte Interaktion und persönliche und unmittelbare Konfrontation mit Problemen von Kindern und ihren Familien höhere Anforderungen.
Ruth Brenner, GEW-Hauptpersonalrätin

- "Meine Kinder hatten eine russische Mathelehrerin, die fachlich ungeheuer kompetent war, aber kaum zu verstehen. Diesen Luxus kann ich mir weder in der Grund-, noch in der Mittelschule leisten. Da muss ich alle Fächer so gut können, dass ich sie unterrichten kann. Ich benötige also eine großzügig erweiterte Allgemeinbildung. Damit nicht genug brauche ich auch in allen Fächern wenigstens die wichtigsten didaktischen Grundlagen. Die können fachspezifisch ganz schön anspruchsvoll sein. Dann mal Sozialkompetenz. Eigentlich sollten Lehrer an Grund- und Mittelschulen über ähnliches Fachwissen verfügen wie studierte Sozialpädagogen, denn sie müssen es ständig anwenden. Krisenintervention, z.B. wegen Streitigkeiten in der Pause, aktives Zuhören, Führen (!) von Elterngesprächen, Steuern der gruppendynamischen Prozesse, Sozialkompetenztraining, z.B. bei Mobbing in der Klasse und noch viel mehr."
A. S., Landkreis Würzburg

- "Damit nicht genug soll auf jeden Fall der Grundschullehrer auch noch versierter Psychologe sein. Es wird selbstverständlich von ihm erwartet, dass er Störungen und Defekte zielsicher erkennt und entsprechende Maßnahmen einleitet. Ich soll etwa unterscheiden können, ob sich jemand einfach die Rechtschreibregeln nicht angeeignet hat oder ob er diesbezüglich eine Fehlfunktion hat und zum Schulpsychologen muss. Wenn jemand Richtung Delinquenz driftet, wird vom Mittelschullehrer erwartet, dass er das erkennt und Gegenmaßnahmen anzettelt. Dasselbe gilt für die Themenbereiche Drogensucht, Kindesmissbrauch, Kindesmisshandlung, Vernachlässigung etc."
T.F., Untermain

- " A13 bekommst du in der Grund- und Mittelschule erst bei einer guten Beurteilung und nach langer Zeit. Da die Bewertungen vom Schulleiter abhängen, ist das natürlich eine schwierige und nicht immer gerechte Angelegenheit. Ein Schulleiter im Landkreis hat z.B. viele Jahre keine guten Beurteilungen gegeben, d.h. vor allem Kolleginnen sind eindeutig benachteiligt worden. Das ganze System, wer wann A13 erhält, ist wenig transparent."
Gabriele Neumann, Personalrätin

- "50 Quereinsteiger aus Gymnasium und Realschule in Unterfranken können sich in Grund- und Mittelschulen nachqualifizieren. Den enormen Einarbeitungsaufwand tragen die Lehrerinnen mit der niedrigsten Gehaltstufe. Die Betroffenen werden später nicht so bezahlt, wie sie ausgebildet wurden, sondern wo sie arbeiten: an Grund- und Mittelschulen. Im Gespräch sagte ein Gymnasiallehrer im Grundschuldienst: 'Meine Kollegin in der Grundschule arbeitet auf jeden Fall so viel, dass sie A13 bekommen müsste.' "

 

Hier die vollständige Pressemeldung zum Download:


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