Deutscher Gewerkschaftsbund

31.05.2017
IG Metall Schweinfurt

IG Metall-Befragung

Beschäftigte aus der Region fordern Sicherheit in der Arbeitswelt von morgen und Arbeitszeiten die zum Leben passen.

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IG Metall

Die Befragung der IG Metall „Politik für alle – sicher, gerecht und selbstbestimmt“ ist die bislang größte und umfangreichste in Deutschland. 680.000 Beschäftigte aus gut 7.000 Betrieben haben sich bundesweit daran beteiligt. Im Bereich der IG Metall Schweinfurt nahmen knapp 10.000 Beschäftigte aus 21 Betrieben an der Befragung teil. Diese hohe Beteiligung zeigt: Die Beschäftigten wollen ihre Wünsche und Bedürfnisse mitteilen und trauen ihrer IG Metall eine Menge zu.

Wie wollen wir arbeiten? Wie soll Arbeitszeit aussehen? Wie wollen wir leben? Was ist uns wichtig?

Auf diese Fragen wollte die IG Metall Antworten von den Beschäftigten. Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass die Menschen eine Politik wollen, die ihnen die Sicherheit gibt, um in einer sich wandelnden Arbeitswelt mithalten zu können. Sie wollen eine neue Arbeitsmarktpolitik, eine Wende in der Steuerpolitik, bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben und sichere Renten. Das sind die zentralen Ergebnisse und somit auch die Erwartungen der Beschäftigten an die Politik.

Ein Beispiel ist der Sprung ins digitale Zeitalter der die Menschen bewegt. Sie fragen sich, welchen Platz sie in der neuen Arbeitswelt einnehmen werden. Über 94 Prozent der Befragten in der IG Metall Schweinfurt finden es wichtig, den Weg in die Industrie 4.0 mitzugestalten. Die beruflichen Perspektiven, sowie die Qualifikationen der Beschäftigten, werden dabei eine große Rolle spielen.

Auch deshalb sagt die Mehrheit der Befragten, dass Bildungschancen nicht von der sozialen Herkunft abhängen dürfen. Für Fortbildung im Berufsleben ist ein Recht auf Qualifizierung und ein Mitbestimmungs-recht der Betriebsräte notwendig. Bildung sichert den Beschäftigten den Anschluss, wenn sich ihre Arbeit verändert. Die Menschen wünschen sich Sicherheit und wollen keine Angst vor der Zukunft haben müssen. Daher fordern 91 Prozent der Befragten auch die sachgrundlose Befristung, sowie prekäre Beschäftigung und Minijobs, abzuschaffen.

Für die Beschäftigten gehören ebenfalls soziale Sicherheit und eine verlässliche Aussicht auf ein würdevolles Leben im Alter dazu. Das solidarische Prinzip der Sozialversicherung wird seit Jahrzehnten aufgeweicht. Beispielsweise zahlen die Arbeitnehmer höhere Beiträge zur Krankenversicherung als die Arbeitgeber. Rund 95 Prozent sind hier für die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung. Beim Thema Rente spricht sich die Mehrheit der Teilnehmenden für eine Anhebung des Rentenniveaus und eine bessere Absicherung im Alter, durch eine mögliche arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersvorsorge, aus.

Bei der Arbeitszeitfrage ist erkennbar, dass die Menschen im „Großen und Ganzen“ mit ihrer Arbeitszeit zufrieden sind. Sie wollen aber auch Arbeitszeiten, die zu ihrem Leben passen. Sie sind zufriedener, wenn ihre tatsächliche Arbeitszeit in etwa ihrer Wunscharbeitszeit entspricht. Wenn ihre Arbeitszeit planbar ist, wenn sie kurzfristig frei nehmen können oder sie eine Zeit lang auch mal kürzer arbeiten können. Beschäftigte sind unzufrieden, wenn sie „überlange“ Arbeitsphasen haben, wenn ihre Arbeitszeit nicht planbar ist und wenn sie unter Zeitdruck stehen.
Die 35-Stunden-Woche ist deshalb für die große Mehrzahl der Beschäftigten im Bereich der IG Metall Schweinfurt die Wunscharbeitszeit.

Arbeitszeiten sind heute hochflexibel und weiten sie sich immer mehr aus. Die Realität - auch dies zeigt die Befragung – ist, dass die tatsächliche Arbeitszeit deutlich über der 35-Stunden-Woche liegt.
Auch wenn die Arbeitszeitrealität in den einzelnen Betrieben unterschiedlich ist, sind die Faktoren die über Zufriedenheit und Unzufriedenheit bestimmen, die gleichen. Jeder fünfte Befragte würde gerne weniger als 35 Stunden arbeiten. 84 Prozent finden es gut, wenn sie ihre Arbeitszeit für Kindererziehung, Pflege oder Weiterbildung vorübergehend absenken können und dafür einen finanziellen Ausgleich erhalten. Sie wollen außerdem, dass niemand durch eine Familienphase beruflich in einer Sackgasse landet. Sie fordern daher ein Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit.
97 Prozent der Befragten sprechen sich auch in Zukunft für ein Arbeitszeitgesetz aus, dass der Arbeitszeit Grenzen setzt.

Es braucht also eine Arbeitszeitgestaltung die eine neue Balance zwischen Fremd- und Selbstbestimmung schafft, die an den Interessen der Beschäftigten ausgerichtet ist, die Arbeitszeitvolumen begrenzt und Arbeit in der Industrie zukunftsfähig und attraktiv macht.

Die Beschäftigtenbefragung zeigt auch: Wo Tarifverträge gelten und Betriebsräte auf die Arbeitszeit achten, sind Beschäftigte deutlich zufriedener als in nichttarifgebunden Betrieben. Tarifverträge können jedoch nur dort helfen, wo sie gelten. Deshalb erwarten die Beschäftigten vom Gesetzgeber, dass er zum Schutz von Tarifverträgen beiträgt.

Denn Menschen wollen Arbeits- und Lebensbedingungen die sicher, gerecht und selbstbestimmt sind. Die Ergebnisse der Befragung sind ein klarer Auftrag an die Politik und sind Grundlage für die Arbeit der IG Metall in den Betrieben gemeinsam mit den Betriebsräten. Für die anstehende Tarifrunde wird Arbeitszeit eine Rolle spielen. Die IG Metall wird jetzt die Beschäftigten, die sich an der Befragung beteiligt haben, informieren, wird mit ihnen diskutieren und Interessen formulieren bzw. konkretisieren.


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