Deutscher Gewerkschaftsbund

26.05.2017

Ausstellung „Asyl ist ein Menschenrecht“ im Rathaus Burgsinn

Burgsinn. Der DGB Kreisverband Main-Spessart zeigte in der Zeit vom 11.-18.05.2017 in der Verwaltungsgemeinschaft Burgsinn eine Ausstellung von Pro Asyl zum Thema Asyl ist Menschenrecht. Die Ausstellung schildert die Lage der gegenwärtig rund 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Den Hauptanteil der 60 anwesenden Gäste zur Eröffnungsveranstaltung am 15.05.2017 um 14:00 Uhr bildeten Flüchtlinge aus dem Sinngrund. Norbert Ball vom DGB-Kreisvorstand Main-Spessart freute sich, dass eine solch wichtige Ausstellung auch im kleinen Sinngrund stattfindet. Denn dort hätten Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer hervorragende Unterstützung gefunden.

Ausstellung „Asyl ist ein Menschenrecht“ im Rathaus Burgsinn

Ausstellung „Asyl ist ein Menschenrecht“ im Rathaus Burgsinn DGB Unterfranken

Bildung, Arbeit und bezahlbare Wohnungen sind auch für unsere Flüchtlinge eine aktuelle Aufgabe. Die ehrenamtlichen Sprachkurse, Kindergärten, Sinngrundschule, Berufsschule Main-Spessart in Lohr und Karlstadt und die Kolpingschule haben gute Sprachkenntnisse vermittelt. Norbert Ball bedauerte, dass nach einerVerordnung vom 01.09.2016 des bayerischen Innenministeriums, aufenthaltsbeendende Maßnahmen vor Ausbildung und Arbeit gehen. Im Sinngrund leben große Familienverbände. Die einzelnen Familien sind gemeinsam geflüchtet, haben vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge aber unterschiedliche Bescheide erhalten. Die Mutter darf bleiben, der Vater muss innerhalb von 30 Tagen ausreisen. Die Bescheide für die Kinder und Großeltern sind auch unterschiedlich. Es ist für die Flüchtlinge eine psychische Folter, nach Sprachförderung und Integration im Dorf, Kindergarten und Sportvereinen in der Unterkunft auf eine unbekannte Zukunft zu warten.

Ausstellung „Asyl ist ein Menschenrecht“ im Rathaus Burgsinn

Ausstellung „Asyl ist ein Menschenrecht“ im Rathaus Burgsinn DGB Untefranken

Günther Felbinger, MdL, würdigte die Arbeit der Flüchtlingshelfer, ohne deren ehrenamtliches Engagement Chaos herrsche. Er überzeuge sich immer wieder vor Ort, ob die Gesetze  der Flüchtlingshilfe umgesetzt würden. Wir sind auf Handwerks- und Industriebetriebe angewiesen, die Flüchtlinge  als Chance sehen. Der Abgeordnete bot an, sich bei Problemen  an den Innenminister zu wenden. Maßnahmen zur Unterstützung von Firmen, die Flüchtlinge einstellen, zeigte Johannes Röder von der IHK Würzburg/Schweinfurt auf. So setzt sein Verband auf berufsbezogene Sprachkurse, auf Weiterbildung der Personalverantwortlichen und legte einen Leitfaden für Unternehmen vor. Netzwerke wie „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ helfen Austauschtreffen zu ermöglichen. Die Erstberatungsstelle für ausländische Berufsausbildungen untersuche, wie Flüchtlinge und Unternehmen für die Ausbildung zusammenzubringen seien. Im Bereich der Kammer Würzburg/Schweinfurt sind 44 Ausbildungsverträge mit Flüchtlingen registriert und die IHK betreut 2000 Schüler in den Integrationsklassen.

Yasemin Roth vom „FairMietenteam“ des Caritasverbandes Main-Spessart stellte die ersten drei Monate junge soziale Wohnungsbörse für Empfänger von Sozialleistungen vor. Deren Ziel ist eine langfristige Vermietung, der Kontakt geht ausschließlich über das Portal der Caritas. Derzeit liegen 55 Wohnungsgesuche vor, derzeit laufen drei Vermittlungen.

Björn Wortmann vom DGB-Unterfranken, bedankte sich bei Norbert Ball für dessen Engagement. Ziel der Ausstellung ist, miteinander zu reden und zum Nachdenken anzuregen. Ohne die deutsche Sprache zu sprechen, ist es sehr schwierig, einen Job zu finden. Eine ordentliche Ausbildung zu machen, auch wenn es sechs bis sieben Jahre dauere, empfahl Björn Wortmann den Flüchtlingen.

 

Ausstellung „Asyl ist ein Menschenrecht“ im Rathaus Burgsinn

Ausstellung „Asyl ist ein Menschenrecht“ im Rathaus Burgsinn DGB Unterfranken

Nach der lebensgefährlichen Flucht droht nun die Abschiebung

Flüchtlinge aus dem Sinngrund berichten von ihren Schicksalen

Bei der Eröffnung der Ausstellung „Asyl ist ein Menschenrecht“ im Rathausfoyer Burgsinn am 15.05.2017 bat Norbert Ball vom DGB Kreisvorstand Main-Spessart, einige Flüchtlinge um authentische Erlebnisse von ihrer teils lebensgefährlichen Flucht, von ihren Zukunftsperspektiven in Deutschland und von der Angst vor Abschiebung. Der 15-jährige Ali Reza wurde 2016 in der Sinngrundschule Burgsinn eingeschult und spricht heute bemerkennswert gut Deutsch. Seine Familie floh 2010 mit ihm in den Iran, um eine gute Zukunft zu haben und ihm einen Schulbesuch zu ermöglichen. Leider war ihm dies weder in seinem Heimatland noch in seinem neuen Gastland möglich. Umso mehr freut es ihn, dass er in Burgsinn die Schule besuchen darf. „Ich hatte im Iran nie das Gefühl, richtig zu leben und nie verstanden, warum das Leben so grausam sein kann.“ Er wurde im Iran auf der Straße geschlagen, mit dem Messer bedroht und Geld und Handy wurden ihm gestohlen. Seine Familie floh 2015 auf der Ostroute über das Mittelmeer von der Türkei nach Griechenland in einem Plastikboot. Der Preis der Schlepper für drei Erwachsene und zwei Kinder: 9000 EUR. „Wir hatten keine andere Wahl sagte Ali Reza. In Deutschland fühlen er und seine Familie sich endlich sicher und frei. Trotzdem ist die Angst vor der Abschiebung geblieben.“

Über das Kolping-Bildungswerk lernte der 25-jährige Tawab, der mit Ehefrau und drei kleinen Kindern in Mittelsinn lebt, die deutsche Sprache. Leider konnte seine Frau keinen Deutschkurs in einer Schule besuchen. Sein Sohn, der in den Mittelsinner Kindergarten geht, hat bereits deutsche Freunde und kann sich verständigen. Am Abend nach der Eröffnungsveranstaltung war die Familie sehr traurig, weil der Onkel in Afghanistan bei einem Bombenanschlag um`s Leben kam. Der Fluchtweg ist identisch mit seinem Bruder Ali Reza.

 

Ausstellung „Asyl ist ein Menschenrecht“ im Rathaus Burgsinn

Ausstellung „Asyl ist ein Menschenrecht“ im Rathaus Burgsinn DGB Unterfranken

Goul Mohammad ist mit seinen Eltern und den vier Geschwistern aus Afghanistan geflohen.

Auch er besucht seit sechs Monaten die Integrationsklasse mit hörbarem Erfolg. Er möchte eine Weiter- oder Ausbildung machen. Leider haben er und sein Bruder den Abschiebestatus erhalten, während die gesamte Familie eine vorläufige Anerkennung von einem bis drei Jahren bekam. „Mit dem Abschiebestatus habe ich keine Chance mehr, die Zukunft ist ungewiss“ sagte er. Bewegt spricht er über die dreimonatige Flucht der Familie, die den Tod mit eigenen Augen gesehen habe. „ Zum Schluss kamen wir in einem neun Meter langen Schlauchboot mit 52 Flüchtlingen an Bord von der Türkei  nach Griechenland. Wir hatten in Afghanistan alles verkauft, um für die 15 köpfige Familie den Schlepperpreis von 30000 Dollarzahlen zu können“. Seit sieben Monaten besucht Mohammad Jamali die Berufsintegrationsklasse der Berufsschule in Karlstadt. Derzeit freut er sich über ein Praktikum als Kfz-Mechaniker, doch sein eigentliches Ziel ist Krankenpfleger. Die 22-jährige Sarah Wafai lebt mit ihren zwei kleinen Kindern in Mittelsinn und bedankte sich zu Tränen gerührt für die entgegen gebrachte Hilfe der Mittelsinner Bevölkerung. Sie wollte in die Berufsschule, um Deutsch zu lernen. Wegen ihres Abschiebestatuses  wurde sie jedoch abgelehnt. „Eine Rückkehr nach Afghanistan bedeutet für uns den sicheren Tod; bitte helfen sie uns“, so ihr Appell. Der 31-jährige Abdul Atai sucht eine Arbeit als Schweißer oder Maurer. Der 19-jährige Parviz Muhammadi hat in Afghanistan für die Bundeswehr als Lkw-Fahrer gearbeitet und ist von der Taliban verhaftet worden. Es gelang ihm die Flucht nach Deutschland. Er soll innerhalb von 30-Tagen ausreisen. Die Enttäuschung ist riesengroß.

Ausstellung „Asyl ist ein Menschenrecht“ im Rathaus Burgsinn

Ausstellung „Asyl ist ein Menschenrecht“ im Rathaus Burgsinn DGB Unterfranken


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