Deutscher Gewerkschaftsbund

03.07.2017
DGB Kreisverband Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und ver.di Schweinfurt

Gesundheit als Ware

Diskussion über gute Gesundheitsvorsorge und Arbeitsbedingungen

Gerhard Klamet

Bad Kissingen: Eine klare Antwort auf die Frage ist Gesundheit eine Ware, lieferte die Diskussionsveranstaltung von DGB Bad Kissingen, DGB Rhön-Grabfeld und ver.di Schweinfurt. Gesundheitspolitik geht uns alle an und deshalb muss die Gesundheitsvorsorge wieder Teil der Daseinsvorsorge werden. Bei seiner Begrüßung machte der örtliche DGB-Kreisvorsitzende Gerhard Klamet deutlich: wir sind die Gesundheitsregion und deshalb wollen wir hier vor Ort die beste Versorgung und die besten Arbeitsbedingungen für die Kolleginnen und Kollegen. Er freute sich viele Kollegen und Bürger begrüßen zu können, unter anderem Frank Hertel, Bundestagskandidat.

Ein kalter Schauer lief den Besuchern über den Rücken als Kathrin Weidenfelder von ver.di Bayern über die Arbeitsbedingungen von Kolleginnen und Kollegen berichtete. Hier in der Region habe ihr eine Kollegin erzählt, warum sie sich für mehr Personal in den Krankenhäusern und Altenheimen einsetze. „Mama du bist immer eingesprungen, wenn die Klinik anrief. Du hast mich immer weggebracht. Nicht ich, sondern das Krankenhaus und der Dienstplan standen immer an erster Stelle.“ Die Gesundheitsexpertin betonte, dass es in allen Bereichen an Personal und damit an verlässlichen Arbeitszeiten mangele. „Das ist eine extreme Belastung für die Beschäftigten, die auch häufig krank mache,“ so Weidenfelder.

 

Gerhard Klamet

Wie wichtig ausreichend Personal für die Bürgerinnen und Bürger sei, wurde durch die zweite Schilderung deutlich. „Ein Kollege ist sich sicher, dass auch Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern aufgrund des Personalmangels sterben,“ so Kathrin Weidenfelder. Daher sei die Forderung - mehr von uns ist besser für alle! -  so wichtig und richtig für alle Bürgerinnen und Bürger.

Der Beruf habe sich auch extrem verändert. Harald Hannwacker musste Anfang der 80er Jahre noch auf einen freien Ausbildungsplatz warten. „Jetzt gehen die Ausbildungszahlen zurück, obwohl viele Fachkräfte gebraucht werden“, so der Gesundheits- und Krankenpfleger. Der Beruf sei wenig attraktiv bei jungen Menschen. „Nicht nur die Arbeitszeiten, sondern vor allem die Arbeitsverdichtung führt dazu, dass viele die Ausbildung nicht beginnen oder nach kurzer Zeit in andere Berufe wechseln.“

Dem stimmte auch Markus Oppel zu. Der Mitinitiator von „Pflege am Boden“ ist viel in Deutschland unterwegs. Überall höre er die gleichen Geschichten. „Die Beschäftigten wollen mit den Patienten sprechen, ihnen in schwierigen Situationen auch Trost spenden. Dafür fehlt es aber an Zeit“, beschreibt Oppel. Er verwies darauf, dass das Programm der Bundesregierung Fachkräfte aus dem europäischen Ausland anzuwerben gescheitert sei. „Spannische Kollegen haben mir gesagt: ihr spinnt doch. Spanien ist ärmer als Deutschland, aber bei uns gibt es mehr Personal in Krankenhäusern. Ich gehe wieder zurück!“.

 

Gerhard Klamet

Kritisch setzte sich die Runde auch mit dem Stand der wohnortnahen Versorgung auseinander. Johann Treubert vom DGB Rhön-Grabfeld erlebte in seiner Zeit als Kreisrat, wie zwei Krankenhäuser geschlossen wurde. „Auch die Kommunalpolitik steht permanent unter Kostendruck. Viele Kreisräte hätte für die Schließung gestimmt, um so die drohenden Erhöhung der Kreisumlage zu verhindern,“ berichtet Treubert. Für ihn sei dies aber die falsche Fragestellung. „Die Frage muss doch lauten, welche Gesundheitsvorsorge brauchen und wollen wir. Diese muss dann finanziert werden. Jetzt sei die Frage, was können wir uns leisten.“

Auf diese Frage suchten auch viele Besucher der Veranstaltung Lösungen. Eine Besucherin wollte wissen, wer für die Finanzierung der Krankenhäuser eigentlich verantwortlich sei. „Wir haben einen riesigen Investitionsstau. Für die Häuser und die technischen Geräte seien eigentlich die Bundesländer verantwortlich. Da diese jedoch zu wenig Haushaltsmittel zur Verfügung stellten, werden unter anderem Sanierungen aus dem Personaltopf finanziert. Dieser fülle sich über die Krankenkassen,“ so Weidenfelder. Markus Oppel betonte, dass es endlich wieder die paritätische Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen geben müsse. „Aktuell müssen die Arbeitnehmer deutlich mehr bezahlen.“ Johann Treubert ergänzte, dass sich der DGB die Einführung einer Bürgerversicherung einsetzt. Alle müssen in eine Kasse einzahlen, damit werden die Verwaltungskosten geringer und das System gerechter.“

„Die Arbeitsbedingungen und die Löhne regeln wir über Tarifverträge“, so die Moderatorin des Abends Marietta Eder von ver.di Schweinfurt. Aber es brauche auch politische Unterstützung. Daher forderte Marietta Eder: geht bitte alle am 24. September zur Bundestagswahl wählen und gebt nur denjenigen Kandidatinnen und Kandidaten eure Stimme, die unsere Forderungen unterstützen!“

 


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