Deutscher Gewerkschaftsbund

11.05.2016
Leidenschaftlicher Appell an die Solidarität:

1. Mai in Bad Neustadt

Etwa 70 Kolleginnen und Kollegen kamen zum 1. Mai in das Alte Amtshaus nach Bad Neustadt.

Etwa 70 Kolleginnen und Kollegen kamen zum 1. Mai in das Alte Amtshaus nach Bad Neustadt. DGB Rhön-Grabfeld

Bad Neustadt. Mit einem leidenschaftlichen Appell an die Solidarität bei der Gestaltung der Arbeitswelt eröffnete DGB-Kreisvorsitzender Thorsten Raschert  vor knapp 70 Kolleginnen und Kollegen die Mai-Kundgebung im Alten Amtshaus. Was Solidarität bewirken könne, habe das Beispiel Siemens im Jahr 2010 gezeigt, als der geplante Stellenabbau durch das Engagement aller Kräfte verhindert werden konnte. In der aktuellen Situation könnten sich die Kollegen erneut auf Unterstützung verlassen.

Vergessen möchte Raschert aber nicht auch mal die kleinen Betriebe zu nennen, wo Kolleginnen und Kollegen ihre Arbeit wegen Arbeitsplatz Reduzierung verloren oder noch schlimmer wegen Insolvenz Verloren haben.

Das größte Negativ Beispiel in letzter Zeit die Firma AIO Werkzeugbau in Mellrichstadt, ehemals Weißenberger. Wo knapp 100 Kolleginnen und Kollegen Ihre Arbeit verloren haben ohne ihr Verschulden.

Mit einem leidenschaftlichen Appell an die Solidarität bei der Gestaltung der Arbeitswelt eröffnete DGB-Kreisvorsitzender Thorsten Raschert  die Maikundgebung in Bad Neustadt.

Mit einem leidenschaftlichen Appell an die Solidarität bei der Gestaltung der Arbeitswelt eröffnete DGB-Kreisvorsitzender Thorsten Raschert die Maikundgebung in Bad Neustadt. DGB Rhön-Grabfeld

Zur Errungenschaft des Mindestlohns nannte Raschert Zahlen für den Landkreis Rhön-Grabfeld. Hier hätten 1.462 Vollzeitbeschäftigte, darunter 1.013 Frauen, durch einen Mindestlohn in ihrer Lohntüte von einem Plus profitiert. Mit Blick auf die Flüchtlingssituation unterstrich Raschert die Bedeutung des Mindestlohns, durch den die Integration in Arbeit und Gesellschaft erfolgen könne. Wir stehen vor einer großen Aufgabe: Hunderttausende sind vom Krieg und Terror zu uns geflüchtet. Sie treffen hier viel zu oft auf Hass und Menschenfeindlichkeit. Dagegen wenden wir uns entschieden. Unsere Geschichte verpflichtet uns zum Handeln gegen Krieg und Intoleranz, Rassismus und Antisemitismus. Der 1. Mai ist unser Tag der Solidarität und kein Ort für Nazis und Rechtspopulisten.

Als Erfolg wertete auch Festredner Frank Jauch, Gewerkschaftssekretär der NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) Unterfranken, den Mindestlohn. Aus verschiedenen Gründen sei allerdings unbedingt noch eine Nachbesserung erforderlich. Beispielsweise sei bei 8,50 Euro mit dem Renteneintritt die Altersarmut nicht zu umgehen. In Würde in Rente gehen könne man nur mit einem Verdienst von 10,50 Euro. Flexibler gestaltet werden müsse das Renteneintrittsalter ohne größere Einbußen.

Kritik übte Jauch auch an den vielen Überstunden, in die Mindestlohn-Empfänger gedrängt würden, im Hotel- und Gaststättenbereich und bei den Bäckereien sei das extrem ausgeprägt und müsse bekämpft werden.

Als Erfolg wertete Festredner Frank Jauch, Gewerkschaftssekretär der NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) Unterfranken, den Mindestlohn.

Als Erfolg wertete Festredner Frank Jauch, Gewerkschaftssekretär der NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) Unterfranken, den Mindestlohn. DGB Rhön-Grabfeld

Klar Stellung bezog Jauch ebenso wie Raschert gegen Leiharbeit und Werksverträge, sie müssten so schnell wie möglich eingegrenzt werden, damit es keine Zwei-Klassen-Entlohnung mehr gebe. Erleichtert werden müsste die Möglichkeit, nach einer Stundenreduzierung schneller wieder zurück zur Vollzeit zu gelangen. Im Koalitionsvertrag wurde zugesagt, dass der Missbrauch von Leiharbeit und Werksverträgen endlich verhindert wird. Wir sind gegen Lohndumping, keine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Wir fordern ein Gesetz, das Missbrauch wirksam verhindert. Wir fordern die CSU/CDU auf, ihre Blockade hier aufzugeben so Raschert. Zudem muss die gesetzliche Rente gestärkt werden. Auch eine Rentenerhöhung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Millionen von Menschen eine Altersarmut droht.

Im Sinne eines sozialen Miteinanders sei es unausweichlich, dass die Reichen mehr Steuern zahlen müssten. Entschieden wandte sich Jauch gegen TTIP, auf dessen Gefahren man umso mehr aufmerksam machen müsse, als in undemokratischer Weise hinter verschlossenen Türen verhandelt werde. In Anbetracht der Tarifflucht bei vielen Bäckereien sei der Manteltarifvertrag, den die NGG ausgehandelt hat, ein wichtiger Erfolg. Das Bewusstsein für die Errungenschaften, die den Gewerkschaften zu verdanken seien, sei Motivation und Verpflichtung zur Solidarität bei den Problemen der Gegenwart, forderte Jauch zum gemeinsamen Kampf unter anderem bei Siemens auf.


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