Deutscher Gewerkschaftsbund

03.06.2016

Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit

SchweinfurtRund 200 Zuhörer kamen am Donnerstag zur Informationsveranstaltung „Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit“ der Allianz „Fachkräfte für Mainfranken“ in die IHK-Geschäftsstelle in Schweinfurt. In einer Gesprächsrunde diskutierten die Allianzpartner, wie die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Fachvorträge behandelten rechtliche Rahmenbedingungen und Zuständigkeiten der Behörden, Vertreter aus Schule und Unternehmen berichteten über ihre Erfahrungen mit Flüchtlingen.

Eine schnelle Integration von Flüchtlingen kann nur gelingen, wenn die Menschen in Arbeit, Ausbildung oder in Qualifizierungsmaßnahmen gebracht werden. Darüber herrschte Konsens in der Gesprächsrunde der Partner der Allianz „Fachkräfte für Mainfranken“. Es diskutierten Michael Bischof, Geschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V., Bezirksgruppe Unterfranken, Max-Martin W. Deinhard, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Würzburg-Schweinfurt, Frank Firsching, Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbunds Region Unterfranken, Richard Paul, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit‚ Unterfranken, Åsa Petersson, Geschäftsführerin der Region Mainfranken GmbH, Andrea Sitzmann, Leiterin Geschäftsbereich Berufsausbildung der Handwerkskammer für Unterfranken und Thomas Stelzer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schweinfurt.

DGB Ufr.


 DGB will Rassismus entgegenwirken 

DGB-Regionschef Frank Firsching skizzierte die Aufgaben der Gewerkschaften bei der Integration von Flüchtlingen. Er stellte zunächst fest, dass es in der Gesellschaft viele gebe, die das Thema Geflüchtete mit teils diffusen und teils berechtigten Ängsten verknüpften. Darauf setzend agierten Rechtspopulisten wie Nazis mit rassistischer Hetze, die ihre Wirkung nicht verfehle. Der DGB wirke auf drei Ebenen gegen diese Ängste und gegen die Hetze. Auf der politischen Ebene setzten sich die Gewerkschaften dafür ein, Geflüchteten keine Arbeitnehmerrechte vorzuenthalten. So müsse beispielsweise der gesetzliche Mindestlohn auch weiterhin für diesen Personenkreis gelten. In zivilgesellschaftlichen Bündnisses arbeite der DGB mit vielen anderen Verbänden für eine demokratische, freiheitliche Grundordnung. Und betrieblich sorgten die Gewerkschaften für Aufklärung, damit die Integration am Arbeitsplatz auch praktisch gelingt.


Hinweise aus Recht und Verwaltung

Rechtsanwalt Christian Semmler, informierte über rechtliche Rahmenbedingen bei der Beschäftigung von Menschen mit Fluchthintergrund. So gelten grundsätzliche die gleichen gesetzlichen Bestimmungen für alle Beschäftigten, egal ob Geflüchtete oder Einheimische. Karin Jung, Teamleiterin Arbeitgeber Service der Agentur für Arbeit Schweinfurt, und Miriam Stäblein, stellvertretende Leiterin des Sachgebiets „Ausländerangelegenheiten“ der Stadt Schweinfurt, wiesen den Weg durch Zuständigkeitsbereiche und Prozesse der involvierten Behörden. Stäblein gewährte einen Einblick in die Arbeit und die Entscheidungswege der Ausländerbehörde. Jung stellte Maßnahmen und Förderprogramme der Agenturen für Arbeit und der Jobcenter vor und erklärte die unterschiedlichen Arbeitsmarktzugänge für Flüchtlinge.

 

Erfahrungsberichte aus der Praxis  

Von den rund 15.000 Flüchtlingen bei etwa 1,3 Mio. Einwohnern, die in Unterfranken leben, ist etwa die Hälfte jünger als 25 Jahre. Die meisten gehen in die Schule, besuchen Übergangsklassen an den allgemeinbildenden Schulen oder sogenannte Berufsintegrationsklassen an den mainfränkischen Berufsschulen. Davon gibt es mittlerweile mehr als sechzig. Sie bereiten junge Flüchtlinge zwischen 16 und 21 Jahren in zwei Jahren Vollzeitbeschulung auf den Übergang in den Arbeitsmarkt vor.

Uwe Tutschku, Schulleiter der Franz-Oberthür-Berufsschule Würzburg, verantwortet seit diesem Schuljahr acht solche Klassen: „Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf dem Spracherwerb.“, so der Schulleiter. „Das Wichtigste ist, dass die Schüler nach den zwei Jahren den Mittelschulabschluss erreichen und dann eine Anschlussbeschäftigung finden, sei es eine Ausbildung, der direkte Weg in den Arbeitsmarkt oder eine weiterführende Schule.“ Das sei aber nicht einfach, denn die Schüler bräuchten auch nach dem Abschluss weiterhin Unterstützung. Diese wollen zukünftig die Wirtschaftskammern in der Region verstärken. Mit Willkommenslotsen und Ausbildungsakquisiteuren für Flüchtlinge begleiten die Handwerkskammer für Unterfranken und die Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt den Matchingprozess zwischen Flüchtlingen und Betrieben.

Dr. Elisabeth Müller, Geschäftsführerin der Laboklin GmbH aus Bad Kissingen, die eine Biologielaborantin ausgebildet, und Bodo Ziegler, Geschäftsführender Gesellschafter der floor-concept GmbH in Höchberg, der seinen Azubi zum Parkettleger, Mohammad Haidari, mitbrachte, berichteten über ihre Erfahrungen mit der Ausbildung von Flüchtlingen. Die Auszubildenden besuchten im Vorfeld die Berufsintegrationsklassen an der Berufsschule und fanden dann den direkten Einstieg in die Ausbildung. „Der Weg zur Fachkraft ist nicht einfach.“, sagt Bodo Ziegler. „Obwohl mein Azubi sehr motiviert und engagiert ist, braucht er natürlich mehr Hilfe und muss mehr büffeln als andere Auszubildende. Das Ziel ist die erfolgreiche Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung.“ Mohammad Haidari ist seinem Ausbildungsbetrieb für die Unterstützung sehr dankbar und hofft auf eine Zukunft in Deutschland. Auch Dr. Müller würde die Entscheidung, Flüchtlinge zu beschäftigen, wieder treffen. Sie wünsche sich aber weniger bürokratische Hürden und einfachere Verfahren.

DGB Ufr.

Auf Initiative der IHK entstand 2012 die Allianz „Fachkräfte für Mainfranken“ bestehend aus der Agentur für Arbeit Würzburg, der Agentur für Arbeit Schweinfurt, der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt, der Handwerkskammer für Unterfranken, der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., Bezirksgruppe Unterfranken, dem Deutschen Gewerkschaftsbund Region Unterfranken sowie der Region Mainfranken GmbH. Die Akteure wollen gemeinsam die Region Mainfranken im Wettbewerb um Fachkräfte, Wachstumspotenzial und Innovationsfähigkeit voran bringen, sie unterstützen die regionalen Unternehmen bei der Fachkräftesicherung.

 


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