Deutscher Gewerkschaftsbund

02.09.2016

Jüdisches Leben und Kultur in Urspringen

Jüdisches Leben und Kultur in Urspringen

Jüdisches Leben und Kultur in Urspringen Lena Werner

Urspringen. Zum Antikriegstag am 1. September 2016 lud der DGB Main-Spessart in die Synagoge Urspringen ein. Dr. Leonhard Scherg, der 1. Vorsitzende des Förderkreises Synagoge Urspringen e.V., erläuterte kompetent die Geschichte des ca. 1803 erbauten Hauses und führte die Besucher anschließend bei einem Rundgang durch Urspringen noch zu einigen ehemaligen "Judenhäusern".
Die Synagoge liegt in Urspringen in der Judengasse, die so heißt, weil es schon früher ein Zentrum der jüdischen Gemeinde im Ort war; nebenan lag beispielsweise die jüdische Schule.

Jüdisches Leben und Kultur in Urspringen

Jüdisches Leben und Kultur in Urspringen Lena Werner

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Veränderungen, zum größten Teil während des dritten Reichs verursacht, wurden hier sichtbar gelassen. Sie sollen dokumentieren, was mit der Synagoge geschah, und ihre Geschichte auch ohne Erklärung sichtbar machen. So sieht man an der Eingangstür den zeitweise vergrößerten Eingang, der durchgebrochen wurde, um die in der Reichspogromnacht geschändete Synagoge als Halle für landwirtschaftliche Geräte nutzbar zu machen. Im Innenraum fallen sofort der leere Tora-Schrein und Spuren von Axthieben an den Säulen auf.

Jüdisches Leben und Kultur in Urspringen

Jüdisches Leben und Kultur in Urspringen Lena Werner

Die bei der Sanierung in den 1990er Jahren neu eingebaute Eingangstür ist ein besonderer Blickfang. Auf ihr wird der Weg der aus Urspringen deportierten Juden sichtbar. 42 Bürger von Urspringen wurden 1942 noch in Vernichtungslager nach Polen gebracht - nur einem gelang die Flucht über Russland rechtzeitig vorher.

An den weiteren Ausstellungsobjekten in der Synagoge wird auch deutlich, dass es sich hier um eine Einrichtung des Landkreises handelt. Außer an die Urspringener Juden erinnert hier vieles an die jüdische Geschichte in ganz Main-Spessart. 26 jüdische Gemeinden gab es in Main-Spessart insgesamt. So ist zum Beispiel eine Esther-Rolle aus Lohr ausgestellt, zu der Dr. Scherg auch ihre Geschichte erzählen konnte.

Jüdisches Leben und Kultur in Urspringen

Jüdisches Leben und Kultur in Urspringen Lena Werner

Der Rundgang führte schließlich noch zum Kriegerdenkmal des 1. Weltkriegs, wo auch jüdische Namen zu lesen sind, an einigen ehemaligen "Judenhäusern" vorbei und zur ehemaligen Mikwe, dem rituellen Bad.

Um alle Ausstellungsstücke und Schautafeln gründlich zu besichtigen, reichte die Zeit nicht - jedoch steht die Synagoge in der Zeit von Mai bis September jeden Sonntag zwischen 15 Uhr und 17 Uhr für Besucher offen.

Jüdisches Leben und Kultur in Urspringen

Jüdisches Leben und Kultur in Urspringen Lena Werner


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