Deutscher Gewerkschaftsbund

17.06.2016

Chinesische Gewerkschaftsdelegation zu Gast beim DGB Unterfranken

DGB Ufr.

Aschaffenburg. Voneinander lernen, kulturelle Unterschiede respektieren, Gemeinsamkeiten erkennen. Nachträglich könnte man den Besuch der Delegation des Dachverbandes der Gewerkschaften aus der chinesischen Provinz Hunan beim DGB Unterfranken unter dieser Überschrift fassen. Der Begriff „chinesische Provinz“ führt jedoch in die Irre, wie sich während des Tages heraus stellte.

Denn während in Deutschland mit Provinz kleinteilige, ländlich geprägte Räume gemeint sind, ist unter einer chinesischen Provinz im übertragenen Wortsinn ein Bundesland gemeint. So steht die Provinz Hunan dem Freistaat Bayern gegenüber. Allerdings in einer völlig anderen Dimension. Zählt Bayern knapp 13 Mio. Einwohner, kommt Hunan auf mehr als 64 Millionen. In der Fläche ist Hunan zudem dreimal so groß wie der Freistaat. Gegenüber der Provinzhauptstadt Changsha mit mehr als 7 Mio. Einwohnern ist München ein größerer Vorort.

So stand das Besuchsprogramm ganz im Zeichen des Kennenlernens völlig unterschiedlicher Systeme. Auf Vermittlung vom DGB Regionssekretär, Björn Wortmann, besuchte die fünfköpfige Delegation vormittags den Betriebsrat von Linde Hydraulik. Die Firma ist seit einiger Zeit in der Hand des chinesischen Konzerns Weichai Power, der gerade in Aschaffenburg ein neues Werk baut, also kräftig investiert. Der Firmenchef in Deutschland Herr Dr. Sun,  ließ es sich nicht nehmen im Anschluss des Gesprächs die Delegation persönlich durch das neue Werk zu führen – in der Landessprache versteht sich.

DGB Ufr.

Betriebsratsvorsitzender Oliver Polomsky erklärte am eigenen Beispiel anhand einiger Folien was ein Betriebsrat in Deutschland so macht, wie er gewählt wird, welchen Status er hat und wie sich die Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft gestaltet. Umgekehrt erfuhren wir vom stellvertretenden Vorsitzenden des Gewerkschaftsdachverbandes von Hunan, Kollegen Huang Xinmin, dass die Betriebsräte in China den Geschäftsführern an Entscheidungskompetenzen, an Stellung und Gehalt in nichts nachstehen. Eine sehr interessante Erkenntnis. Und da viele deutsche Konzerne in China investieren, scheint diese Tatsache zumindest kein Investitionshemmnis zu sein. Im Betrieb selbst respektiere und schätze man sich gegenseitig, so der Metaller Polomsky und der Firmenchef Sun einhellig.

Nach einem Mittagessen im Aschaffenburger Schloss Johannisburg fand der inhaltliche Austausch in den Räumen des DGB seine Fortsetzung. DGB Regionssekretär, Björn Wortmann, und DGB Regionsgeschäftsführer, Frank Firschinhg, gaben einen Überblick über die Geschichte, den Aufbau, die Aufgaben des DGB, sowie über die Aufgabenteilung zwischen DGB und seinen acht Mitgliedsgewerkschaften. Von höchstem chinesischem Interesse waren die Funktion unseres Rechtsschutzes für Mitglieder, das duale Ausbildungssystem und die Lohnfindung durch Tarifverhandlungen. So gerne wir Auskunft gegeben haben überraschte uns auch die Offenheit unserer Chinesischen Kollegen. So erfuhren wir, dass in der Provinz Hunan 11 Mio. Beschäftigte über ihre Arbeitgeber organisiert sind und ihr Beitrag in Höhe von 2% der gesamten Lohn- und Gehaltssumme vom Unternehmen (!) an die Gewerkschaft bezahlt wird. Außerdem genießen die Gewerkschaften in China die Stellung von Ministerien, da ihnen staatliche Aufgaben übertragen sind, zum Beispiel die Unterstützung von Arbeitslosen.

Zur Verabschiedung wurden nicht nur freundliche Worte und Gastgeschenke zwischen Huang Xinmin und Frank Firsching ausgetauscht, sondern auch eine Einladung für einen Gegenbesuch ausgesprochen. Mal sehen, ob wir den zustande bringen.

DGB Ufr.


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