Deutscher Gewerkschaftsbund

08.09.2016

DGB: Rente reicht oft zum Leben nicht - 17.704 unterfränkische Rentner in Mini-Jobs

DGB Ufr.

Immer mehr Rentner in Unterfranken müssen dazuverdienen, weil die Rente nicht ausreicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der DGB-Region Unterfranken über die Entwicklung der Erwerbstätigkeit der über 65jährigen im Regierungsbezirk. „Die Rentenkürzungsprogramme der vergangenen Jahre produzieren Altersarmut. Schon heute sind viele Rentnerinnen und Rentner gezwungen dazu zu verdienen. Die Frage ist, wie lange die Menschen das durchhalten. Bis 69, 73 oder 78 Jahren? Sicher ist, dass irgendwann Schluss ist mit dem Minijob und die Rente auf Niedrigniveau verbleibt.“, so DGB Regionschef Frank Firsching. Die Lösung der Rentenfrage kann folglich nicht im dauerhaften Hinzuverdienen von Ruheständlern liegen, die ihr Arbeitsleben hinter sich haben, heißt es in der DGB-Pressemeldung.

Der DGB-Untersuchung zufolge waren am 31.12.2015 in Unterfranken 17.704 Personen über 65 Jahren in Minijobs beschäftigt. Zum selben Stichtag drei Jahre zuvor waren es mit 15.722 exakt 1.982 weniger. „Eine Steigerung von 12,6 Prozent in nur drei Jahren ist besorgniserregend.“, so Firsching. Von den 17.704 Minijobbern waren 9.326 Männer und 8.378 Frauen, was den Schluss zulässt, dass beide Geschlechter betroffen sind, obwohl die aktuelle Rentenhöhe von Frauen auch in Unterfranken mit durchschnittlich 585 Euro/ Monat deutlich hinter der der Männer mit 1.102 Euro/ Monat zurücksteht.

Die Entwicklung der Rentner in Minijobs in Unterfranken verläuft in unterschiedlicher Dramatik. Die höchste Steigerung weist der Landkreis Rhön-Grabfeld mit einer Zunahme in nur drei Jahren von 21,2 Prozent auf, gefolgt vom Landkreis Bad Kissingen mit 18,1 Prozent und dem Landkreis Würzburg mit plus 16,2 Prozent. Die geringsten Steigerungen weisen der Landkreis Kitzingen mit plus 7,6 Prozent und die Stadt Schweinfurt mit 8,4 Prozent auf. Die meisten über 65jährigen in Minijobs sind in der Stadt Würzburg mit 2.360 (plus 15,2%) vor dem Landkreis Aschaffenburg mit 2.105 (plus 10,1%) registriert.

Verantwortlich für den rasanten Anstieg des Unruhestands von immer mehr Ruheständlern ist für den DGB die Rentengesetzgebung. Lag das Rentenniveau im Jahr 2000 noch bei 53% des Durchschnittslohns, beträgt es aktuell nur noch rund 47,5% und kann bis 2030 auf 43% absinken. „Eine Rente, die im Jahr 2000 beispielsweise 1.000 Euro betrug, ist im Jahr 2030 nur noch 800 Euro wert! Diese Politik erzeugt Altersarmut und muss umgekehrt werden.“, so Firsching.

 

Tabelle zur Entwicklung über 65jährige in Minijobs:

 

Gebietskörperschaft

31.12.2012

 

31.12.2015

Veränderung

Lkr. Rhön- Grabfeld

821

995

+ 174 (+ 21.2%)

Lkr. Haßberge

1167

1305

+ 138 (+ 11,8%)

Lkr. Bad Kissingen

1108

1309

+ 201 (+ 18,1%)

Lkr. Schweinfurt

912

1014

+ 102 (+ 11,8%)

Lkr. Main- Spessart

1578

1741

+ 163 (+ 10,3%)

Lkr. Miltenberg

1535

1681

+ 146 (+ 9,5%)

Lkr. Aschaffenburg

1912

2105

+ 193 (+ 10,1%)

Lkr. Würzburg

1539

1789

+ 250 (+ 16,2%)

Lkr. Kitzingen

1083

1172

+ 89 (+ 7,6%)

 

 

 

 

Stadt Würzburg

2048

2360

+ 312 (+ 15,2%)

Stadt Schweinfurt

819

888

+ 69 (+ 8,4%)

Stadt Aschaffenburg

1200

1345

+ 145 (+ 12,1%)

Quelle: Bundesagentur für Arbeit: unter https://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Themen/Beschaeftigung/Beschaeftigte/Beschaeftigte-Nav.html

 

Erläuterungen:

1) Abgebildet ist jeweils der Arbeitsplatzort, nicht der Wohnort der Rentnerin, bzw. des Rentners! So ergeben sich insbesondere an den Grenzen der Gebietskörperschaften Überscheidung, die für das Gesamtergebnis jedoch unerheblich sind.

2) Die angegebenen Rentenhöhen geben die durchschnittliche Rentenhöhe von Neurentnern inklusive Mütterrente im Jahr 2015 für Unterfranken an (Quelle: Deutsche Rentenversicherung).

 


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