Deutscher Gewerkschaftsbund

29.09.2015

Amirul Haque Amin beeindruckt in Schweinfurt

Frank Firsching und Amirul Haque Amin

Frank Firsching und Amirul Haque Amin Sandra Bernadett Grätsch

Schweinfurt. Da ist dem DGB Kreisverband Schweinfurt tatsächlich eine Veranstaltung gelungen, die den mehr als 130 Gästen in der Schweinfurter Rathausdiele unter die Haut ging. Verantwortlich dafür war kein Geringerer als der Präsident der Textilarbeitergewerkschaft von Bangladesch, Kollege Amirul Haque Amin, der tags zuvor mit dem internationalen Menschenrechtspreis der Stadt Nürnberg ausgezeichnet wurde.

Der 54jährige Gewerkschafter aus Südasien war der Ehrengast und Hauptredner des schon traditionellen DGB-Empfangs zum Welttag für Menschenwürdige Arbeit in Schweinfurt. Er besuchte die mainfränkische Industriestadt auf Einladung von DGB Kreisvorsitzenden Frank Firsching während seines Besuches in Nürnberg. Und er zeigte auf, warum er den Nürnberger Menschenrechtspreis völlig zurecht entgegennehmen durfte. Obwohl seine, auf Englisch gehaltene Rede durch die unfallfreien Übersetzungsdienste von Dr. Heiner Köhnen aus Frankfurt mit den dazugehörigen Unterbrechungen nicht fließend erfolgen konnte, brandete immer wieder kräftiger Applaus aus den Publikum in der voll besetzten guten Stube der Stadt auf. Denn was Kollege Amin zu berichten hatte war erschreckend und ergreifend zugleich.



Von Amirul Haque Amin erfuhren wir, dass Bangladesch ein sehr kleines Land ist. Nur etwa halb so groß wie Bayern, leben dort aber über 160 Mio. Menschen! Die beherrschende Industrie ist die Textilindustrie. Mit 4,2 Mio. Beschäftigten werden über 80% der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes erbracht. Die Arbeitsbedingungen jedoch seien erbärmlich. Einer Arbeitszeit von 12 bis 14 Stunden am Tag, oft sieben Tage in der Woche, stehe ein Lohn von 60 bis 80 Euro gegenüber. Und brandgefährlich ist die Arbeit ohnehin. Bis vor kurzen existierten in den, teils illegal errichteten Fabriken, weder Brandschutz noch Unfallverhütungsmaßnahmen. So stürzte 2013 in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka ein Fabrikgebäude ein. 1100 Menschen kamen ums Leben, 2500 wurden schwer verletzt. Zustände wie zu Beginn der Industrialisierung in Deutschland. Darauf wies Kreisvorsitzender Frank Firsching schon in seiner Begrüßung hin.

Gäste der Veranstaltung

Gäste der Veranstaltung Sandra Bernadett Grätsch

Im Jahr 1984 gründete Kollege Amin die Textilarbeitergewerkschaft von Bangladesch. In drei Jahrzehnten konnte die Bewegung kleinere und auch größere Erfolge feiern. So wurde eine Mutterschutzzeit von 4 Monaten ebenso erkämpft, wie die Arbeitsbefreiung an großen religiösen Festen und am 1.Mai. Zuvor waren die Textilarbeiterinnen von diesen Feiertagen per Gesetz ausgenommen. Was womöglich daran lag, dass viele Fabrikbesitzer gleichzeitig als Parlamentsangehörige und Minister die Gesetze machen. Zudem wurden Entschädigungszahlungen für die Familien der Opfer der Katastrophe von Sabhar erstritten, an denen sich auch die weltweit tätigen Textilkonzerne beteiligen. Eindringlich wies der Präsident darauf hin, dass damit noch lange nicht alles gut sei. Mit einem flammenden Appell bat Kollege Amin uns alle als Kunden dafür zu sorgen Billigware nicht zu kaufen. „Ein T-Shirt für zwei Euro kann nicht unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt worden sein!“, so Amin. Recht hat er. Geiz ist eben gar nicht geil. 

Ein umfassend würdiger Rahmen betonte die Bedeutung der Rede des Gastes aus Südasien. Schon vor dem Empfang wurde Kollegen Amin die Ehre zu teil sich ins Goldene Buch der Stadt Schweinfurt einzutragen. Der Oberbürgermeister Remelé hatte geladen. Dieser unterstrich in seinem Grußwort die enorme Bedeutung von funktionierender Gewerkschaftsarbeit für die Entwicklung einer Gesellschaft. Ulrich Philipp machte in seinem Grußwort als Sprecher der Amnesty International Gruppe Schweinfurt am Beispiel des Teheraner Gewerkschafters Mansour Ossanlu deutlich, wie Menschenrechte in totalitären Regimen missachtet werden.

Optisch wurde das Bild durch den Verkaufsstand des Weltladens Schweinfurt für fair gehandelte Produkte abgerundet. Außerdem sammelten die ver.di- und IG Metall Frauen für einen gewerkschaftlichen Fonds zur Unterstützung der Textilarbeiterinnen in Pakistan und Bangladesch. Immerhin 350.- Euro kamen zusammen. Musikalisch gekonnt umrahmt wurde der Empfang von der „Online-Jazzband“.

Frank Firsching und Amirul Haque Amin

Frank Firsching und Amirul Haque Amin Sandra Bernadett Grätsch


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