Deutscher Gewerkschaftsbund

02.07.2015

Postler im Ausstand

Streikende

Streikende DGB Ufr.

Kitzingen. In der vierten Streikwoche befinden sich bundesweit 33 000 Kolleginnen und Kollegen der Deutschen Post AG. Etwa 300 Briefzusteller aus der Region trafen sich in Kitzingen zur Demo und zur Streikkundgebung. Sie sind zurecht aufgebracht über die Strategie des Konzerns, die Löhne dauerhaft gewaltig zu drücken, um die Rendite nach oben zu treiben.

Franz Zellner, stellv. Fachbereichsleiter Post, Spedition und Logistik von ver.di Bayern, beleuchtete in seiner aufrüttelnden Rede die wirtschaftlichen Ergebnisse der Post. Drei Milliarden Euro Gewinn habe das Unternehmen 2014 ausgewiesen, wovon 1,3 Milliarden im Inland erwirtschaftet wurden, was eine Rendite von satten 8,2 Prozent ergebe, so Zellner in seiner Analyse. Das reiche Vorstand und den Aktionären nicht. Ihr Plan sehe vor bis ins Jahr 2020 den Gewinn auf fünf Milliarden Euro zu steigern. Da dies alleine mit einer höheren Produktivität nicht gehe, sollen die Löhne und Gehälter der Beschäftigten massiv sinken. „Dazu hat die Post 49 regionale Gesellschaften mit dem Namen Delivery gegründet“, so Zellner, in denen schon heute rund 6000 Menschen angestellt seien. Etwa 20 000 sollen es werden. Und die dort beschäftigten sollen die gleiche Arbeit leisten, wie die Postzusteller bisher. Nur eben für viel weniger Geld. Die Post AG zahlt in diesen Gesellschaften nicht nach dem eigenen Haustarifvertrag, sondern nach den regionalen Logistiktarifverträgen. Der Unterschied betrage beim Berufsstart acht Prozent und wachse auf 20 Prozent nach 15 Dienstjahren, in anderen Bundesländern betrage der Lohnabstand bis zu 38 Prozent. Ein Unding, wie nicht nur Zellner meint.

Frank Firsching, DGB Regionsgeschäftsführer

Frank Frisching, DGB Regionsgeschäftsführer DGB Ufr.

DGB-Regionsgeschäftsführer Frank Firsching sprach von einer Notwehrmaßnahme der Beschäftigten, die einzig die Spaltung der Belegschaft verhindern wolle. Eben dieses Ziel verfolge der Vorstand der Post AG, der Lohndumping durch Ausgliederung umsetzen will, womit er Randbelegschaften bilde. Die gewerkschaftliche Grundphilosophie „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ solle damit im eigenen Unternehmen abgeschafft werden. „Das können wir nicht dulden“, rief Firsching unter großen Jubel den Streikenden zu.

Linken MdB Klaus Ernst wurde gewohnt deutlich. Er nahm sich die unrühmliche Rolle der Bundesregierung vor. Sie sei mit einem Anteil von 20 Prozent der größte Anteilseigner der Post AG und habe im Aufsichtsrat zwei Plätze zu besetzen. Ernst erinnerte die Bundesregierung in scharfen Worten an ihre Verpflichtung der Menschen beiseite zu stehen, was sie nicht tue, sie sei Getriebener der Hedgefonds und anderer Anteilseigner, denen es nur um Gewinnausschüttungen gehe. „Mit der Gewerkschaft ver.di hätte die Regierung im Aufsichtsrat die Mehrheit und könnte die Pläne des Vorstands kassieren. Sie tut es aber nicht. Und das ist eine Sauerei!“, sagte Ernst bei brütender Hitze auf dem Kitzinger Marktplatz vor den begeistert lärmenden Streikenden.

Wie geht es weiter? Die Stimmung bei den Streikenden ist nach wie vor gut. Man werde durchhalten, so Zellner am Rande der Veranstaltung. Jedoch sehe man die Probleme, die insbesondere Kleingewerbetreibende und selbstständige Handwerker mit der Nichtzustellung ihrer Post treffen. Im Sinne einer baldigen Lösung streben man seitens ver.di einen „schnellen und guten Kompromiss an“, so Zellner. Gelegenheit dazu besteht am Wochenende, wenn die Verhandlungen ihre Fortsetzung finden. Zur Einigung bedarf es insbesondere die Bereitschaft des Unternehmens eine Lösung des Konflikts anzustreben. An dieser Stelle ist es höchste Zeit, dass Angela Merkel und Sigmar Gabriel sich im Sinne der Beschäftigten einschalten!

Streikende

Streikende mit Banner DGB Ufr.


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