Deutscher Gewerkschaftsbund

22.05.2015

„Wir sind das ganze Jahr für eure Kinder da!“

DGB Ufr.

Würzburg. Damit hatten die Aufrufenden nicht gerechnet. Mehr als 500 Erzieherinnen und Erzieher aus der gesamten Region von Münnerstadt bis Aschaffenburg kamen nach Würzburg um an der Streikaktion von ver.di und der GEW teilzunehmen. Es geht um Anerkennung, Wertschätzung und eine angemessene Entlohnung der anspruchsvollen Tätigkeit.

Dabei waren die Demonstration und die Kundgebung bunt, laut, kreativ, jung und weiblich. Immer wieder stimmten die Streikenden Sprechchöre wie „Wir sind das ganze Jahr für eure Kinder da“ an. Viele selbst gemalte Schilder mit Aufforderungen zur Aufwertung der Erziehungsberufe, dazu Fahnen der DGB-Gewerkschaften ver.di und GEW, trugen zum bunten Spektakel bei, das auf dem unteren Markt bei der dortigen Kundgebung ihren Höhepunkt fand.

Nach der Begrüßung durch ver.di Geschäftsführer Gerald Burkard und dem aufmunternden Grußwort von DGB-Regionsgeschäftsführer Frank Firsching sprach das zuständige ver.di-Bundesvorstandsmitglied Achim Meerkamp zu den Kundgebungsteilnehmern.

DGB Ufr.

Meerkamp begründete die Forderung nach einer Aufwertung der sozialen Berufe stichhaltig. Denn die gezahlten Löhne seien mehr als bescheiden. Die Einstiegsgehälter liegen bei knapp über 1.800 Euro brutto und enden bei knapp 3.100 brutto im Bereich der Kinderbetreuung. Da sehr viele Erzieherinnen – meist ungewollt – in Teilzeit arbeiten, ist ihr tatsächliches Einkommen deutlich geringer. Was ist uns die Arbeit der Erzieher/innen unserer Kinder also wert? Oder die der Pflegekräfte unserer Eltern oder derjenigen Pflegekraft, die uns selbst mitversorgt, weil wir uns nicht gänzlich allein versorgen können? Oder die Arbeit der Jugendhelferin, die unser Kind vor dem totalen Absturz bewahrt?

Auch das Argument der Arbeitgeber, eine generelle Aufwertung der Sozial- und Erziehungsdienste sei nicht finanzierbar, ließ Meerkamp nicht gelten. „Wir fordern für die Beschäftigten eine bessere Eingruppierung, die im Durchschnitt zu zehn Prozent höheren Einkommen führt. Der Sozial- und Erziehungsdienst umfasst rund zehn Prozent aller Beschäftigten in den Kommunen. Es geht also bei der überfälligen Aufwertung um eine Personalkostensteigerung von rund einem Prozent.“

 

Bund, Länder und Gemeinden werden bis zum Jahr 2019 insgesamt 38 Milliarden Euro mehr einnehmen als bisher eingeplant, etwa acht Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr, so die aktuelle Steuerschätzung. Es seien also Spielräume für die Kommunen zur Finanzierung der Tarifforderung vorhanden, so Merkamp weiter. Da es sich bei den Sozial- und Erziehungsberufen aber um gesellschaftlich dringend notwendige Tätigkeiten handelt, müssten notfalls auch die Länder und der Bund die Kommunen bei der Finanzierung unterstützen. Dies habe Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zu Recht bereits angesprochen und den Kommunen finanzielle Hilfen des Bundes in Aussicht gestellt.


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