Deutscher Gewerkschaftsbund

05.05.2015
DGB Schweinfurt

Schweinfurt feiert 1.Mai

Frank Firsching, DGB Regionsgeschäftsführer

Frank Firsching, DGB Regionsgeschäftsführer DGB Ufr.

Schweinfurt. Es war kalt aber trocken. Anders als im letzten Jahr als kurz vor Kundgebungsbeginn ein zweistündiger Dauerregen einsetzte und die Gäste praktisch wegspülte. DGB Kreisvorsitzender Frank Firsching durfte deshalb auch zufrieden sein: „Mit knapp 600 Kundgebungsteilnehmer haben sich unsere Erwartungen erfüllt. Und der Wichtermann-Platz ist im Herzen Schweinfurts tatsächlich ideal für unsere Maikundgebung geeignet.“

Zum Motto des diesjährigen 1.Mai „Die Zukunft der Arbeit gestalten wir“ sprach Bayerns IG Metall Bezirksleiter Jürgen Wechsler. Im Mittelpunkt seiner halbstündigen Rede stand die Neuordnung der Arbeit. So erteilte Wechsler Leiharbeit und Werkverträgen eine klare Absage. Er forderte dagegen ein Vetorecht für Betriebsräte: „Nur durch mehr Mitbestimmung wird dem Missbrauch und der Willkür Einhalt geboten.“ Im Freihandelsabkommen TTIP sieht Wechsler die Gefahr einer Entdemokratisierung durch das Kapital, wenn anonyme Schiedsgerichte über Investorenklagen gegen Staaten agieren dürfen. Zudem sei nicht auszuschließen, dass Arbeitnehmerrechte, Verbraucher- und Umweltschutz unter die Räder kämen. Die Gewerkschaften treten dafür ein, dass zwischen der USA und der EU jeweils die besseren Standards transferiert werden.

Jürgen Wechsler, Bezirksleiter der IGM Bayern

Jürgen Wechsler, Bezirksleiter der IGM Bayern DGB Ufr.

Der oberste bayrische Metaller ließ es sich nicht nehmen auch außenpolitische Akzente zu setzen. So nannte es die europäische Flüchtlingspolitik „eine Schande“. Mit seinem Satz „Die Solidarität hört nicht an Staatsgrenzen auf“, spielte Wechsler auch auf die Lage der Menschen in Griechenland an. Die massiven Sparprogramme hätten dort zu einer sozialen Krise geführt, in der 57 Prozent der Jugendliche arbeitslos seien und freie Tarifverhandlungen begrenzt würden. Diese Politik müsse man ächten. Innenpolitische sprach der Mairedner der gesetzlichen Mindestlohn an, der erfolgreich eingeführt jetzt schon wieder gegen die Mindestlohngegner in Union und im Arbeitgeberlager vereidigt werde müsse. Richtig sei die Rente mit 63, denn nach 45 Arbeitsjahren sei sie verdient und gerecht.

550 Teilnehmer

550 Teilnehmer DGB Ufr.

Unter den Kundgebungsteilnehmern durfte Frank Firsching mit MdB Klaus Ernst, MdL Kathi Petersen, Landrat Florian Töpper und Bürgermeisterin Sorya Lippert Politiker aus unterschiedlichen Lagern begrüßen, was dem Anspruch des DGB als Einheitsgewerkschaft gerecht wurde. Der DGB Kreisvorsitzende freute sich aber auch über die Anwesenheit der vielen Bündnispartner, die zum großen Teil mit Info-Ständen vertreten waren. Von Amnesty International über das Anti-Atom-Bündnis, von der Linken bis zur SPD, der Arbeitsloseninitiative bis Ver.di war alles da. Dazu kamen namhafte Personen aus den Kirchen und ihren Arbeitnehmerorganisationen, wie der evangelische Dekan Oliver Bruckmann und der bayrische ACA-Chef Dieter Wagner. Den Focus seiner Begrüßungsrede legte Firsching auf die Bedrohung durch die neonazistische Kleinpartei „Die Rechte“, die ihre Parteizentrale in Stammheim, Landkreis Schweinfurt, einrichten wird. In der Kombination mit den entstehenden Flüchtlingsunterkünften in Stadt und Landkreis Schweinfurt seien Aktionen und Kampagnen gegen Flüchtlinge zu erwarten. Man stehe als DGB im Bündnis Schweinfurt ist bunt ganz klar gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und für Demokratie und Toleranz ein und werde den Nazis entgegentreten, so Firsching unter großem Applaus.

Das anschließende Maifest gestaltete sich störungsfrei gemütlich. Bratwürste und Döner, Bier, Kaffee und Kuchen dazu eine wunderbare musikalische Umrahmung durch das Trio „Sie, Ich und Er“ ergaben einen unterhaltsamen Nachmittag. Der Spielbus-Team Max kümmerte sich um die Kinderbetreuung, sodass sich die Eltern über etwas Entlastung freuen durften und die Kinder ihren Spaß hatten. Bereichert wurde der Nachmittag noch von einem Sketch der Schweinfurter Arbeitsloseninitiative, der das Hartz IV-System anprangerte.


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