Deutscher Gewerkschaftsbund

02.09.2015

Krieg als Fluchtursache Thema am Antikriegstag

Flyer

Flyer DGB Ufr.

Schweinfurt. Das Thema der letzten Wochen sind die hier ankommenden Flüchtlinge. Täglich wird medial berichtet. Die Bevölkerung spaltet sich zwischen großer Hilfsbereitschaft und gnadenlosem Hass. Kein Wunder, dass das Thema Flucht auch auf der Schweinfurter Antikriegstagskundgebung im Mittelpunkt stand.

Organisator Jürgen Wilk durfte am Georg-Wichtermann-Platz im Herzen Schweinfurts mehr als 100 Friedensbewegte begrüßen. Darunter eine stattliche Anzahl von vorwiegend jungen Kurden, Gewerkschafter, das linke Parteienspektrum Schweinfurts, darunter Stadt- und Kreisräte der Linken und der Grünen. Wilk als Sprecher des hiesigen Friedensratschlags, einem Bündnis aus Einzelpersonen und Verbänden, setzte gleich das erste Schwerpunktthema der Kundgebung: „Hilfe für Kobane – Kobane muss leben“, rief er in die Zuhörerschaft. Und gleichzeitig ging eine Spendenbox durch die Reihen, weil der Kulturverein Solidarität e.V. und das Kurdistan-Komitee Schweinfurt aktuell eine Spendensammlung für die geblieben Menschen in der nordsyrischen Stadt Kobane durchführen. Die Stadt, die zu 80 Prozent zerstört wurde, als die Terrormilizen des Islamischen Staates (IS) in die selbstverwaltete kurdische Region Rojava eindrangen, deren Zentrum die Stadt Kobane ist. Wochenlang hielt die Welt im letzten Jahr den Atem an, als die Kurden die Stadt gegen die Invasoren verteidigten .Der Historiker und Buchautor Michael Knapp, extra aus Berlin angereist, unterstrich die Notwendigkeit der Unterstützung hautnah durch Berichte aus seinen Erlebnissen im Nahen Osten. Er forderte dort die sofortige Waffenruhe, sowie Frieden und Selbstbestimmung für das Gebiet Rojava.

Frank Firsching

Frank Firsching, DGB Regionsgeschäftsführer DGB Ufr.

Ganz im Zeichen der Resultate von Kriegen stand die Ree von DGB Kreisvorsitzenden Frank Firsching. Unter Hinweis auf die eigene Geschichte, die im letzten Jahrhundert selbst Millionen Flüchtlinge produzierte, dankte der DGB Kreischef den vielen ehrenamtlichen Helfern, die sich den Flüchtlingen zuwenden. Dezidiert nahm sich Firsching diejenigen vor, die durch Parolen gegen Flüchtlinge hetzen, oder noch schlimmer, die nicht vor Gewaltaktionen gegen Asylbewerber zurückschrecken. Als aktuelles Beispiel kommentierte der Gewerkschafter die Gewaltexzesse im sächsischen Heidenau. Dabei kritisierte Firsching Polizei und Behörden, die sich zwei Nächte lang Straßenschlachten mit Neonazis lieferten ohne einen einzigen rechtsextremen Gewalttäter festzunehmen.

Dazu stellte der mit fester Stimme Sprechende sich die Frage, ob derartiges auch in Schweinfurt möglich wäre. Im Hinblick auf die Aktivitäten der Partei „Die Rechte“ im Landkreis Schweinfurt sei dies nicht per se auszuschließen. Er forderte die Bevölkerung auf täglich gegen den latenten Rassismus aufzustehen. Bei Gesprächen im Kollegenkreis oder in Onlineforen. Die Bayerische Staatsregierung fordert Firsching auf, endlich zivilgesellschaftliche Strukturen wie die Anti-Nazi-Bündnisse auch finanziell zu fördern. „Im Großen brauchen wir eine Sicherheitspolitik, die Kriege nicht schürt oder führt, sondern verhindert. Wir brauchen eine Handelspolitik, die nicht frei, sondern fair ist und den Menschen in den Entwicklungsländern Perspektiven bietet“, so Frank Firsching. Schließlich brauche es eine gesellschaftliche Übereinkunft in Europe, den Flüchtlingen tatsächlich helfen zu wollen.

Unter großem Applaus schloss Firsching seine Rede mit den Worten: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

Kulturell bereichert wurde die Kundgebung mit einer Performance gegen den Krieg von Babs Günther und Rezitationen von Wolfgang Günther.

DGB Ufr.

DGB Ufr.


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