Deutscher Gewerkschaftsbund

09.07.2015
DGB-Regionssekretär Björn Wortmann sprach mit Manfred Höfler über die Auszeichnung

Manfred Höfler mit der Hans-Böckler-Medaille ausgezeichnet

Manfred Höfler

Manfred Höfler bei der Verleihung Manfred Höfler

Aschaffenburg. Manfred Höfler hat die Hans-Böckler-Medaille verliehen bekommen, die höchste Auszeichnung, die ein Gewerkschafter in der Bundesrepublik Deutschland erhalten kann. Kollege Manfred Höfler ist Mitglied der IGBCE, Betriebsratsvorsitzender der Firma Transfertex und stellvertretender DGB-Kreisvorsitzender. Was für ihn diese Auszeichnung bedeutet und welche Herausforderungen er für Gewerkschaften in Zukunft sieht, darüber sprach mit ihm DGB-Regionssekretär Björn Wortmann im Betriebsratsbüro in der Firma Transfertex.

Manfred Höfler ist seit 1972 Gewerkschaftsmitglied  erst in der Gewerkschaft Druck und Papier, dann der Papier, Chemie und Keramik und nun in der der IG Bergbau, Chemie, Energie. Seit 1982 ist er Betriebsratsvorsitzender und seit 25 Jahren Arbeitsrichter. Er hat 4 Bezirksleiter (Fritz Roppelt, Hermut Hafner, Fritz Weber und aktuell Holger Kempf) sowie drei Landesbezirksleiter (Oskar Würth, Helmut Beer und aktuell Seppel Kraus) erlebt. Zudem ist er stellvertretender DGB-Kreisverbandsvorsitzender Aschaffenburg-Miltenberg.

Björn Wortmann: Lieber Manfred, ich gratuliere Dir herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung: Hans Böckler Medaille – Wie fühlt sich das an?

Manfred Höfler: Es fühlt sich super an. Ich habe mich unglaublich gefreut und war sehr überrascht, dass ich diese Auszeichnung bekommen habe. Ich bin sehr stolz darauf und frage mich, ob ich das überhaupt verdient habe. Die Medaille hat einen sehr hohen Wert.

Björn Wortmann: Wie bist du zur Gewerkschaft gekommen?

Manfred Höfler: Schon in meiner Jugend hatte ich eine positive Einstellung zu Gewerkschaften. Nicht zuletzt meine Eltern und Großeltern haben mich sozial und gewerkschaftlich geprägt. Wir haben viel in der Familie über Arbeits- und Sozialverhältnisse diskutiert wie bspw. die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Damals kannte ich nicht das Organigramm der Gewerkschaftsorganisationen. Für mich war ein Gewerkschafter ein Gewerkschafter egal bei welcher Organisation oder in welchem Betrieb. Alles war eins bzw. ein gemeinsames Interesse und das soll auch in Zukunft so bleiben. Ich bin gelernter Buchdrucker, habe im Offset-Druck und im Tiefdruck gearbeitet und 1972 bin ich dann der Gewerkschaft beigetreten.

Manfred Höfler

Björn Wortmann: Was bedeutet für Dich Gewerkschaft?

Manfred Höfler: Gewerkschaft bedeutet für mich ALLES. Gerechtigkeit, Gleichbehandlung für Alle, egal welchen Glaubens, Hautfarbe oder Parteienzugehörigkeit. Es geht um Fairness bei der Arbeit und darum die Möglichkeit zu haben, auf Augenhöhe mit dem Arbeitgeber zu verhandeln und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Björn Wortmann: Was war für Dich ein wichtiges Erlebnis im Betrieb, im Betriebsrat, in der Gewerkschaft?

Manfred Höfler: Ich habe auch Negatives erlebet. Ich musste 2004, 2006 und 2008 drei Sozialpläne verhandeln, die mich sehr geprägt haben, da es um Schicksale von Einzelnen und Familien ging. Als Betriebsratsvorsitzender wurde mir die Schuld für die Sozialpläne gegeben und weniger das Positive, das auch erreicht werden konnte, gesehen. Das hat mich sehr berührt.

Der Verkauf des Gewerkschaftshauses in Aschaffenburg hat mich auch sehr bewegt. Ich bin der festen Überzeugung, dass alle DGB Gewerkschaften wie eine Familie in einem Haus sein und gemeinsam arbeiten müssen.

Ich habe aber auch sehr viel Positives erlebt. Jeden Tag mit den Kolleginnen und Kollegen in Freundschaft zusammenzuarbeiten – Anerkennung für seine Betriebsratstätigkeit zu erfahren, Hilfestellungen den Kolleginnen und Kollegen zu geben, ein Hallo unter Kollegen auf dem Gang  - das macht einen schon zufrieden und glücklich!

Björn Wortmann: Weißt Du noch welche Funktionen Du innehattest und welche war für Dich besonders prägend?

Manfred Höfler: Funktionen sind nicht so wichtig, sondern es ist wichtig den Menschen, die schwach sind, zu helfen. Man sollte Ämter nicht ausfüllen, um des Besetzens wegen, sondern das Amt mit Leben und Inhalt füllen. Neben meinen gewerkschaftlichen Ämtern bin ich Vereinsvorsitzender der HSG Aschafftal, Gemeinderat in Hösbach und SPD Mitglied, auch wenn die Partei nicht alles so macht, wie ich es gerne hätte.

Björn Wortmann: Wenn Du letzten Jahrzehnte zurückblickst, Wie hat sich Arbeit gewandelt?

Manfred Höfler: Die Arbeit ist in allen Bereichen ob kaufmännisch oder in der Produktion stressiger geworden. Es ist eine zunehmende Arbeitsverdichtung festzustellen. Neue Medien, die ständige Erreichbarkeit, E-Mails, höhere Anforderungen der Kunden an die Produkte…usw. es werden Anforderungen formuliert, die fast nicht zu erfüllen sind. Das ist insgesamt eine eher negative Entwicklung.

Björn Wortmann: Welche Aufgaben hat der DGB deiner Ansicht nach zu übernehmen?

Manfred Höfler: Das Projekt „Gute Arbeit“ des DGB hat auch viele Nicht-Mitglieder erreicht. Das Projekt war nachhaltig und überzeugend. Die Arbeitswelt wird sich wieder verändern bzw. befindet sich schon Mitten im Wandel. Industrie 4.0. als Stichwort. Der DGB muss mit seinen 8 Mitgliedern diesen Wandel begleiten. Das geht nur über eine Stärkung der Dachorganisation DGB durch seine Mitglieder, damit die Gewerkschaften wieder enger zusammenrücken.

Björn Wortmann: Welche Herausforderungen siehst Du für die Gewerkschaften?

Manfred Höfler: Wir müssen die Menschen erreichen, die nicht wissen, was eine Gewerkschaft ist und was sie Gutes für die Beschäftigten tut. Wir müssen die Nicht-Mitglieder erreichen und die Kolleginnen und Kollegen überzeugen, Mitglied zu werden, Werte vermitteln und als Betriebsräte gewerkschaftlichen Ideen an die Menschen weitergeben und den DGB stärken!

 

Manfred Höfler

Manfred Höfler DGB Ufr.


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