Deutscher Gewerkschaftsbund

13.11.2015

Authentisch, würdig, einmalig! DGB feiert 70 Jahre Einheitsgewerkschaft in Aschaffenburg

DGB feiert 70 Jahre Einheitsgewerkschaft in Aschaffenburg

v.l.n.r. Björn Wortmann, Kurt Kunkel, Ferdinand Karpf, Angelika Frankl, Remo Schardt, Rudi Großmann DGB Unterfranken

Aschaffenburg. Was für ein gelungener Abend! 120 Gäste nahmen an der Festveranstaltung des DGB Kreisverbandes Aschaffenburg-Miltenberg zur Gründung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Aschaffenburg teil. Das Martinushaus war festlich geschmückt – Porträts der ehemaligen Kreisvorsitzenden, DGB Fahnen, eine Ausstellung mit Dokumenten, Fotos und Zitaten aus den Anfängen der Gewerkschaftsgründung in Aschaffenburg. Der Männerchor ACORDIS bot mit Liedern wie „Brüder zur Sonne zur Freiheit“ oder „Glück auf der Steiger kommt“ den passenden musikalischen Rahmen und brachte eine gehörige Portion Pathos in die Veranstaltung. Die Zeitzeugen Ferdinand Karpf, Kurt Kunkel und Remo Schardt sowie Angelika Frankl gaben einen tiefen Einblick in die Gewerkschaftsgeschichte Aschaffenburgs und Main-Spessarts. Frank Firsching rundete die Veranstaltung mit einer Festrede zur Bedeutung der Einheitsgewerkschaft ab. Kurzum ein gelungener, ein authentischer und einmaliger Abend in einem würdevollen Ambiente!

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120 Gäste nahmen an der Festveranstaltung des DGB KV AB-MIL im Martinushaus teil DGB Unterfranken

Der Festakt am Abend des 12. November war der Höhepunkt der Aktivitäten des DGB-Kreisverbandes Aschaffenburg-Miltenberg zur Gründung der ersten Gewerkschaft in Bayern nach Ende des zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren in Aschaffenburg. Am 31. Mai wurden Schaukästen in der Elisenstraße 7 mit Biografien und Gründungsdokumenten eröffnet. Anfang November folgte dann die Anbringung einer Gusstafel am Haus und am 12. November nun die Festveranstaltung mit Gesprächsrunden mit Zeitzeugen und Experten, Festreden und Grußworten.

DGB Regionssekretär Björn Wortmann moderierte die Veranstaltung und nahm die Gäste auf eine gewerkschaftliche Zeitreise von 1945 bis heute mit, die von einer Präsentation begleitet wurde. Er leitete mit einem Zitat von Hoffmann von Fallersleben ein, das er als Überschrift für die Abendveranstaltung verstanden wissen wollte:

 „Nicht betteln, nicht bitten, nur mutig gestritten,

es kämpft sich nicht schlecht, für Arbeit und Recht!“

„Auch wenn jedes Jahrzehnt andere Rahmenbedingungen hat, so zieht sich doch eines wie ein roter Faden durch die Geschichte: der unermüdliche Einsatz unserer Kolleginnen und Kollegen für Gerechtigkeit und bessere Arbeits- und Lebensbedingungen - und somit für Zukunftsperspektiven der Menschen in der Region Bayerischer Untermain und Main-Spessart“, sagte Wortmann.

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Gesprächsrunde 1: Angelika Frankl und Ferdinand Karpf im Gespräch mit Björn Wortmann DGB Unterfranken

Mit Angelika Frankl begann die erste Gesprächsrunde. Sie betonte, dass Gewerkschaften kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges als ausführendes Organ in der Stadt tätig waren. Sie unterstützten die Grundversorgung, boten soziale Dienstleistungen an und kümmerten sich um die Grundausstattung. Die gemeinsame Überzeugung zur Einheitsgewerkschaft einte Jean Stock und Hugo Karpf bei der Gründung des ADGB in Aschaffenburg. Doch 1947 kam bereits der erste  Rückschlag. Das Prinzip der Einheitsgewerkschaft ging den Amerikanern zu weit. Es sollten 10 autonome Einzelgewerkschaften unter einem gemeinsamen Dachverband gegründet werden.

Ferdinand Karpf begeisterte die Zuhörer mit einem sehr persönlichen Blick auf die Geschehnisse nach Ende des zweiten Weltkrieges. Sein Vater war ein unermüdlicher Kämpfer für Gerechtigkeit: „Alles musste sich der Gewerkschaft unterordnen“, sagte Karpf. Insbesondere für die Heimarbeiterinnen bzw. –schneiderinnen setzte sich Hugo Karpf ein und stritt für eine gesetzlich verankerte Tarifregelungen und für eine Krankenversicherung. Der künftigen Generation schrieb Ferdinand Karpf ins Stammbuch: Nehmt die Menschen vor Ort mit und setzt Euch für Generationengerechtigkeit ein!

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Gesprächsrunde 2: Kurt Kunkel und Remo Schardt antworteten auf die Fragen von Björn Wortmann DGB Unterfranken

1949 wurde in der Region Main-Spessart ein eigener DGB Kreisverband gegründet. Kurt Kunkel war Gewerkschaftssekretär des DGB Kreises Aschaffenburg und leitete von 1965-1979 die Nebenstelle Lohr und war bis 1984 Vorsitzender des Kreisverbandes. Er berichtete detailliert von seinen Erfahrungen und Erlebnissen in der Zeit. Er ist gelernter Maschinenschlosser und arbeitete lange Jahre im Bergbau. Der wirtschaftliche Strukturwandel machte auch in Main-Spessart nicht Halt und im Laufe der Jahre verlor der Bergbau an wirtschaftlicher Bedeutung und Bosch wurde zum größten Unternehmen in der Region. Früh erkannte Kunkel für sich die Kommunalpolitik. „Ohne Politik geht es nicht!“, lautet sein Credo. AlsGemeinde- und Kreisrat und später als hauptamtlicher Bürgermeister von Partenstein prägte er maßgeblich die Kommunalpolitik in der Region.

Mit Remo Schardt endeten die Gesprächsrunden. Kollege Schardt begann 1981 als Organisationssekretär in Aschaffenburg und wurde 1984 zum Vorsitzenden gewählt. 2010 schied er aus und verabschiedete sich in den sogenannten Unruhestand. Schardt prägte lange Jahre die Region gewerkschaftlich und berichtete von großen Demonstrationen, dem Beginn der Maidemonstrationen in Aschaffenburg und der gewerkschaftsübergreifenden Zusammenarbeit in der Region. Das Publikum hörte aufmerksam zu, auch als es um die Auseinandersetzung zwischen der SPD unter Gerhard Schröder und den Gewerkschaften in den 90er und 2000er Jahren ging: Hartz4, Rente – die gesamte sogenannte Agenda2010-Politik. Auch ein bisschen mit Wehmut schilderte er die Umstände, die zum Abriss des DGB-Hauses im Aschaffenburger Stadtteil Leider führten. Die Wege in einem Gewerkschaftshaus waren kurz und die Zusammenarbeit sehr intensiv.

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Frank Firsching DGB Unterfranken

DGB-Regionsgeschäftsführer Frank Firsching hob in seiner Festrede die Bedeutung der Einheitsgewerkschaft hervor und beschrieb präzise die Herausforderungen für den DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften in den kommenden Jahren: Technischer Wandel, neue familiäre Rollenbilder, Einwanderung und atypische Beschäftigung. Kooperation statt Konfrontation ist die richtige Antwort unserer Zeit. „Weil die Geltungsbereiche von Tarifverträgen kleiner geworden sind, wird die politische Handlungsfähigkeit des DGB immer wichtiger“, sagte Firsching unter Applaus.

DGB Kreisverbandsvorsitzender Rudi Großmann dankte für die zahlreiche Teilnahme und freute sich auch über das Grußwort der Aschaffenburger Bürgermeisterin Jessica Euler, die die regionale Bedeutung des DGB über Jahre hinweg hervorhob und die Leistungen für die Region dankend anerkannte. Zum Schluss lud Großmann alle Gäste zur Begegnung im Foyer ein, die für zahlreiche interessante Gespräche genutzt wurde.

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Rudi Großmann und ACORDIS Männerchor DGB Unterfranken


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