Deutscher Gewerkschaftsbund

27.10.2015
25, 40, 50, gar 60 Jahre Mitgliedschaft: Verdi Main-Spessart ehrt verdiente Mitglieder

„Ihr habt das erkämpft, was die junge Generation verteidigen muss!“

DGB Regionssekretär Björn Wortmann hält Festrede

Jubilarehrung verdi msp

Jubilarehrung von Ver.di Main-Spessart DGB Unterfranken

Lohr. Es ist etwas Besonderes, wenn Gewerkschaften zur Jubilarehrung einladen und ihre Kolleginnen und Kollegen für ihre langjährige Mitgliedschaft ehren. Der Ver.di Ortsverein Main-Spessart hat zur Ehrung in die Räumlichkeiten des Klinikums Main-Spessart in Lohr eingeladen. Personalratsvorsitzender des Klinikums und gleichzeitig Verdi-Ortvereinsvorsitzender Albrecht Christ konnte neben den zahlreichen Jubilarinnen und Jubilaren auch Ver.di Gewerkschaftssekretärin Birgit Stein und DGB-Regionssekretär Björn Wortmann als Gäste begrüßen.

Wie stark der Wandel war, zeigen die Blitzlichter auf die jeweiligen Jahreszahlen, in denen die Kolleginnen und Kollegen der Gewerkschaft beigetreten sind. Die Ältesten der Geehrten sind bereits 1955 eingetreten. 1955 lief im Volkswagen-Werk der millionste VW-Käfer vom Band. 1965 war die Zahl der registrierten Arbeitslosen dem bisher niedrigsten Stand mit 0,7 Prozent. Hunderte tausende offene Stellen waren verfügbar. Anfang der 70er sieht unsere Welt grundlegend anders als in den 50iger Jahren aus. In diesem Jahrzehnt ist die erste Sozialliberale Koalition unter Willy Brandt im Amt. 1975 stiegen die Arbeitslosenzahlen erstmals auf über eine Millionen Arbeitssuchende an. Seit 1990 sind wir wiedervereinigt. Alle begrüßen das Ende der Spaltung. Damit beginnt jedoch auch ein Prozess radikaler Veränderungen, zuerst insbesondere für unsere Kolleginnen und Kollegen im Osten. Seit 25 Jahren setzen sich die Gewerkschaften beharrlich für die Angleichung Ost an West ein.

"Es gibt ein gemeinsames Interesse, sei es Bosch-Rexrothler, sei es Klinikmitarbeiter, sei es IG Metaller, sei es Verdianer: Wir haben gemeinsam ein Interesse: eine gute öffentliche Daseinsvorsorge und Industrie mit Perspektive - gute und sichere Arbeit über Branchen hinweg - eine gesicherte Zukunftsperspektive für die Region und somit für die Menschen!“

Jubilarehrung verdi msp

Verdi Kollege und Mitglied im DGB Kreisvorstand Main-Spessart Norbert Ball wird für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt DGB Unterfranken

Insbesondere die Verantwortung der jungen Generation, das Erreichte zu verteidigen, unterstrich Wortmann in seiner Ansprache:

„Ihr habt in den letzten Jahrzehnten erstritten, erkämpft, wovon viele heute profitieren –  auch die Trittbrettfahrer, die sich nicht in Gewerkschaften organisieren, die Tarifabschlüsse mitnehmen, aber nichts dafür machen! Die heutige junge Generation muss das Erkämpfte verteidigen und noch einen Drauf setzen. Denn anständige Löhne, vernünftige Arbeitsbedingungen sind heute nicht mehr selbstverständlich.“

AM 31. Mai 2015 jährte sich die Gründung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Aschaffenburg als erste hiesige Gewerkschaft in Bayern nach Ende des zweiten Weltkrieges zum 70. Mal. Drei Wochen nach offiziellem Kriegsende haben sich in Aschaffenburg engagierte Gewerkschafter getroffen, um im Sinne der Einheitsgewerkschaft den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund zu gründen - frei zugänglich für jeden Betriebsangehörigen, Arbeiter oder Angestellter, ohne Rücksicht auf Religionszugehörigkeit und Abstammung oder Parteizugehörigkeit. Dabei sprach Wortmann die Einladung aus, am 12. November im Aschaffenburger Martinushaus zu feiern. „Den die Geschichte lehrt: nur als Einheit sind wir erfolgreich und zukunftsfähig. Nur Solidarität schafft Einheit. Einigkeit schafft gegenseitige Unterstützung, schafft Verbesserungen in Arbeits- und Lebensbedingungen!“

Jubilarehrung verdi msp

Albrecht Christ, Personalratsvorsitzender des Klinkums MSP und Verdi Ortsvereinsvorsitzender DGB Unterfranken

Dabei muss über Branchengrenzen hinweg geschaut werden. Auch in der Region Main-Spessart. Dabei führte Wortmann zwei regionale Beispiele an: die betriebliche Situation bei Bosch-Rexroth und dem Klinikum Main-Spessart. Beim Klinikum wird die Standortfrage Lohr, Karlstadt und Marktheidenfeld diskutiert und welcher möglicherweise geschlossen wird. Auch bei Bosch-Rexroth sollen Einsparungen in Millionenhöhe erfolgen. Es geht um zukunftsfähige Konzepte. Der springende Punkt muss sein, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräte von Anfang an den Debatten und Prozessen involviert werden. Denn sie sind es, die die Beschäftigten und das Unternehmen von innen kennen und nachhaltige Perspektiven entwickeln können. Unter großem Applaus schloss Wortmann: „Es kann nicht sein, dass Profitinteressen höher bewertet werden als die Interessen der Menschen und Beschäftigten. Zahlen und Bilanzen stehen auf dem Papier, die Menschen und Beschäftigten stehen im Leben und das muss dem Management und den Politikern klar gemacht werden! An dieser Stelle gibt es ein gemeinsames Interesse, sei es Bosch-Rexrothler, sei es Klinikmitarbeiter, sei es IG Metaller, sei es Verdianer: Wir haben gemeinsam ein Interesse: eine gute öffentliche Daseinsvorsorge und Industrie mit Perspektive - gute und sichere Arbeit über Branchen hinweg - eine gesicherte Zukunftsperspektive für die Region und somit für die Menschen!“ Bei typisch fränkischem Essen klang der Abend bei interessanten Gesprächen aus.


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