Deutscher Gewerkschaftsbund

10.12.2015
IG Metall Jugend organisiert Podiumsdiskussion mit Vertretern des vbm, der IHK, des DGB und der Betriebe

Zukunft der Ausbildung am bayerischen Untermain

Zukunft der Ausbildung am bayerischen Untermain

Auf dem Podium von li.n.re.: Christoph Curs (IGM AB), Thomas Hoferichter (vbm), Dr. Maria Bausback (IHK AB), Benno Soder (Linde Material Handling), Björn Wortmann (DGB), Maria Werner (BR Bosch Rexroth), Thilo Hartmann JAV Bosch Rexroth) und Elena Bauer (JAV WIKA) IGM Aschaffenburg

Aschaffenburg. Am 8.12.2015 fand auf Initiative der IG Metall Jugend Aschaffenburg eine Podiumsdiskussion zum Thema „Zukunft der Berufsausbildung in der Metall- und Elektroindustrie am bayerischen Untermain“ statt. Rund 40 Teilnehmer im Publikum diskutierten mit Thomas Hoferichter (vbm), Dr. Maria Bausback (IHK Aschaffenburg), Benno Soder (Ausbildungsleitung Linde Material Handling), Björn Wortmann (DGB Unterfranken), Maria Werner (Betriebsrat Bosch Rexroth AG), Thilo Hartmann (Jugend- und Auszubildendenvertretung Bosch Rexroth AG) und Elena Bauer (Jugend- und Auszubildendenvertretung WIKA) über die aktuelle Situation und die Zukunftsperspektiven der beruflichen Ausbildung. In ihren Eingangsstatements erläuterten alle Diskutanten den hohen Stellenwert der dualen Berufsausbildung und das an diesem Erfolgsmodell unbedingt festgehalten werden muss. Herr Hoferichter sprach davon, dass „das Gold in den Köpfen gehoben werden muss“.

DGB-Regionssekretär Björn Wortmann formulierte für die Region bayerischer Untermain vier Herausforderungen:

1.)     Die Zahl der Ausbildungsplätze erhöhen! Über 1200 Ausbildungsplätze fehlen in der Region Aschaffenburg-Miltenberg und Main-Spessart. Nur 28% der Betriebe bilden aus!

2.)     Die Einmündungsquote der Bewerber in die duale Ausbildung erhöhen. Nur knapp 54% der Bewerber münden in eine duale Ausbildung!

3.)     Jugendlichen mit Startschwierigkeiten den Weg in eine duale Ausbildung mit Unterstützungsmaßnahmen ebnen. Jugendberufsagenturen gründen und Assistierte Ausbildung stärken!

4.)     Ausbildungsbedingungen- und -qualität verbessern, um langfristige Perspektiven aufzubauen. 44% der bayerischen Azubis machen regelmäßig Überstunden und über 10% Ausbildungsfremde Tätigkeiten!

Der größte Streitpunkt in der Diskussion drehte sich um die Frage der 2-jährigen Berufsausbildung. Während die Vertreter von Wirtschaft und Kammern die 2-jährigen Berufe als Chance zum Berufseinstieg sehen, empfinden die Arbeitnehmervertreter diese Form der Ausbildung als fehlerhaft. Thilo Hartmann erläuterte anhand des Berufs „Fachkraft für Metalltechnik“ die Probleme, den Lernstoff auf 2 Jahre zu komprimieren und so einen größeren Druck auf die Auszubildenden aufzubauen. Stimmen aus dem Publikum verwiesen auch darauf, dass in der 2-jährigen Ausbildung zu wenig Platz für die individuelle Förderung und Entwicklung der Auszubildenden sei.

Auch die Frage nach der Wirksamkeit der Regelungen des Tarifvertrags zur Beschäftigungsentwicklung aus dem Jahr 2012 zur Steigerung der Ausbildungszahlen sowie der unbefristeten Regelübernahme nach der Ausbildung führte zu einer hitzigen Diskussion. Während Herr Hoferichter anführte, dass die Willenserklärung durch die bayernweiten Zahlen als erfüllt anzusehen sei und ca. 87% der Jungfacharbeiter, laut einer Umfrage des vbm, unbefristet übernommen wurden, führten sowohl die Diskutanten im Podium, als auch einige Wortmeldungen aus dem Publikum aus, dass dies für unsere Region nicht zutreffe. Die angebotenen Ausbildungsplätze in der Region sinken, die unbefristete Übernahme ist nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme, die Interessensvertretungen müssen hier um jede Übernahme kämpfen.

Zum Abschluss der ca. 2,5 stündigen Diskussion konnte immerhin in der Frage der Asylpolitik ein Konsens erzielt werden. IHK und vbm erläuterten ihre Programme zur Integration in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Wesentlich sei die Kernkompetenz „Sprache“, welche zu vermitteln gilt und wozu umfassende Angebote, auch von der Politik geschaffen werden müssen. Insbesondere in der Frage der Behandlung von Bewerbungen geflüchteter Menschen herrschte die einhellige Meinung, dass eine Benachteiligung nicht stattfinden darf. Björn Wortmann machte deutlich, was er von dem Vorschlag des ifo-Instituts,Flüchtlinge nur in "teilqualifizierenden Ausbildungen" auszubilden, hält: Flüchtlinge dürfen keine Auszubildenden zweiter Klasse werden. Echte Perspektiven entstehen für Flüchtlinge über eine vollwertige Ausbildung.“


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