Deutscher Gewerkschaftsbund

24.10.2014
DGB Kreisverband Hassberge

Rententipps hoch im Kurs

Rosl Pflaum

Rosl Pflaum DGB Ufr.

Sand am Main. Ein volles Nebenzimmer bescherte dem DGB Kreisverband Haßberge die Änderungen in der Rentengesetzgebung. Etwa 30 Interessierte kamen in den Gasthof Goger zur Veranstaltung „Rentenpaket: Was ändert sich?“. DGB Regionsgeschäftsführer Frank Firsching und Rentenberaterin Rosl Pflaum standen Rede und Antwort.

Dass es dabei nicht blieb, sondern auch die politische Seite der Rentengesetzgebung beleuchtet wurde, ist von einer DGB-Veranstaltung zu erwarten. So kritisierte Regionschef Firsching die Rentengesetzgebung der letzten 15 Jahre massiv. Zwei Richtungsentscheidungen sind es, die den Referenten noch heute erzürnen. Da ist zum einen der so genannte Paradigmenwechsel aus dem Jahr 2001, als ausgerechnet unter dem Gewerkschafter Walter Riester die Beitragsstabilität höher bewertet wurde als die Lebensstandardsicherung, die als Ziel der gesetzlichen Rentenversicherung aufgegeben wurde. Die Folge: Ein stetig sinkendes Rentenniveau, das von einst durchschnittlich 57% des Nettoeinkommens über aktuell etwa 50% des Nettoeinkommens auf bis zu 43% im Jahre 2030 sinken wird. Alles, um möglichst niedrige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zu garantieren. Wer seinen Lebensstandard auch im Alter halten will, der muss privat vorsorgen. So wollte es rot-grün Anfang des neuen Jahrtausends. 4% des Bruttolohns sollen die Versicherten dafür aufwenden. Steuerlich gefördert zwar, jedoch ohne die Arbeitgeber in die Pflicht zu nehmen. Sie seien fein raus, so Firsching. Ihr Beitrag sinkt. Die Versicherten dagegen müssen tiefer in die Tasche greifen.

Frank Firsching

Frank Firsching DGB Ufr.

Der nächste Sündenfall sei die Rente ab 67 gewesen, die von Franz Müntefering erdacht und mit Angela Merkel 2007 durchgesetzt wurde. Sie sorgt dafür, dass ab dem Jahrgang 1947 die Regelaltersrente pro Jahrgang vom 65.Lebensjahren um einen Monat, später um zwei Monate steigt, um ab dem Jahrgang 1964 bei 67 Jahren zu liegen. Firsching kritisierte diese Entscheidung als klares Rentenkürzungsprogramm, da heute nur 11% der 64jährigen einer Vollzeitarbeit nachgehen. Für alle die vorher in Rente gehen hieße das Rentenabzüge, die pro Monat, die man vorzeitig in Rente geht 0,3% ausmachen. Das ist möglich wenn man 35 Versicherungsjahre zusammen hat. Dann ist schon bisher eine Rente ab 63 Jahren möglich – allerdings mit kräftigen Abzügen, die lebenslänglich tragen. Diese Rentenart nennt sich Altersrente für langjährig Versicherte.

Die neue Rentenart heißt nun „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“ und setzt 45 Versicherungsjahre voraus. Anekdotenreich erläuterte Rosl Pflaum die Systematik dieser Versicherungsart, die Mütterrente und die Verbesserungen in der Erwerbsminderungsrente. Ganz wichtig sei, so die DGB-Rentenexpertin, sich bei der Rentenbeantragung an Fachleute zu wenden, um keine Fehler zu machen, die sich nachteilig auswirken. Deshalb rät sie sich frühzeitig zu informieren. Diesen Rat nahmen viele der rentenjahrgangsnahen Teilnehmenden an und ließen sich gleich bei der Rosl einen Termin geben.

Teilnehmer

Teilnehmer der Veranstaltung DGB Ufr.