Deutscher Gewerkschaftsbund

18.07.2014
Zukunftskompass-Forum der IG Metall Aschaffenburg

Werkvertrag: Zählt nur das Ergebnis?

IGM Aschaffenburg setzt Themen für die Zukunft

Timmer_Körprich

Timmer_Körprich DGB Unterfranken

Aschaffenburg. Bereits zum vierten Mal hat die IG Metall Aschaffenburg zum Zukunftskompass eingeladen. Themenschwerpunkt war diesmal Werkvertrag: Zählt nur das Ergebnis? Als Referent konnte Holger Timmer gewonnen werden, der beim Vorstand der IG Metall für das Ressort Unternehmenspolitik, Werkverträge und Industrienahe Dienstleistungen tätig ist. Holger Timmer ging insbesondere auf die Veränderungen der Belegschaften in den Betrieben ein und den damit verbundenen Herausforderungen für Gewerkschaften, Betriebsräte und den Beschäftigten.

 

Durch das Verlagern ganzer Arbeitsbereiche und das Vergeben zentraler Aufgaben an Werkvertragsunternehmen sowie Outsourcing in ausgewählten Bereichen, werden die Belegschaften zunehmend in eine Kernbelegschaft und in Beschäftigte, die an den Rand gedrängt werden, gespalten. Oft ohne Tarifvertrag, ohne Sicherheit, ohne Mitbestimmung und mit geringem Einkommen. Früher galt das Prinzip ein Betrieb eine Belegschaft. „Heute gibt es in ein und demselben Betrieb viele Belegschaften“, meint Timmer und macht das an der Zunahme atypischer Beschäftigungsformen wie Werkverträgen fest: „Im Kern geht es um Outsourcing von Dienstleistungen und eine Reorganisation von Wertschöpfungsketten und der Frage: Müssen wir diese Tätigkeit als Unternehmen noch selbst mach oder können das andere billiger und besser?“ Wenn heute neue Produktionsstandorte geplant und gebaut werden, werden die Büro- und Werkstätten der Industrienahen Dienstleister und Werkvertragspartner direkt auf dem Werksgelände untergebracht, um die Effizienz zu steigern.

Durch die Verlagerungen wird Druck auf alle Beschäftigten massiv erhöht und die Belegschaftsstruktur verändert. Werkvertragsbeschäftigte haben in der Regel schlechtere Arbeitsbedingungen und verdienen weniger, da nur wenige Betriebe in den industrienahen Dienstleistungen gültige Tarifverträge haben. Die Belegschaft wird in Stamm- und Randbelegschaft gespalten. Die Stammbelegschaft wird systematisch verkleinert und das Erpressungspotenzial steigt, was eine Solidarisierung aller Kolleginnen und Kollegen erschwert.

 

Um diesen Wandel von Arbeit zu gestalten, müssen inner- und außerbetrieblicher Handlungsfelder erschlossen werden. Der 1. Bevollmächtigte der IGM Aschaffenburg, Percy Scheidler, ging in seiner Begrüßung darauf ein, dass Werkverträge auch in anderen Branchen wie dem Handel, der Bau- oder Fleischwirtschaft präsent sind und somit ein Querschnittsthema für alle Gewerkschaften innerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbundes sind. Beteiligungs- und Mitbestimmungsrechte müssen durch den Gesetzgeber und durch Tarifverträge angepasst und ausgeweitet werden. Timmer forderte eine offensive Erschließungsstrategie im Interesse aller Beschäftigten, um gemeinsames Handeln zu organisieren.

 

Weitere Informationen zum Zukunftskompass:

http://igmetall-ab.de/aktuell/a/140-Der-Zukunftskompass-der-IG-Metall-Aschaffenburg.html

 

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