Deutscher Gewerkschaftsbund

22.12.2014

Jugendberufsagenturen und Integrationspolitik im Landkreis Miltenberg

Landrat Jens Marco Scherf im Gespräch mit dem DGB

v.l.n.r. Wortmann, Großmann, Scherf

v.l.n.r. Wortmann, Großmann, Scherf Landratsamt Miltenberg_Winfried Zang

Miltenberg. Der neu gewählte Landrat Jens-Marco Scherf hat die beiden Gewerkschafter Rudi Großmann und Björn Wortmann im Landratsamt Miltenberg zu einem Gespräch empfangen. Neben einer aktiven Integrationspolitik wurden der Fachkräftebedarf, Jugendberufsagenturen und das Gesundheitswesen in dem rund 90 minütigen Gespräch thematisiert.

Mit 50,05% setzte sich Jens-Marco Scherf in der Stichwahl um das Amt des Landrates in Miltenberg im Frühjahr 2014 durch. Seit Mai 2014 leitet Jens-Marco Scherf die Geschicke im Landratsamt Miltenberg.  DGB-Kreisverbandsvorsitzender Rudi Großmann und Gewerkschaftssekretär Björn Wortmann trafen sich mit dem neu gewählten Landrat, um sich über regionale Themen auszutauschen. Rund 400 Asylbewerber hat der Landkreis Miltenberg zugewiesen bekommen und entsprechende Unterkünfte geschaffen. Die Integration der Asylbewerber ist eine gesellschaftliche Herausforderung, der sich alle stellen müssen. Ängste und Vorurteile müssen ernstgenommen, Populismus und Rassismus entschieden widersprochen werden. Deshalb muss aus Sicht des DGB eine Willkommenskultur geschaffen werden, die Vielfalt als Bereicherung vorlebt. Der Zugang zum Arbeitsmarkt müsse erleichtert und mehr Sprachkurse angeboten werden. Insbesondere Jugendliche müssen die Möglichkeit erhalten, eine Berufsausbildung unter sicheren Rahmenbedingungen beginnen zu können. Der Landrat hob positiv das große zivilgesellschaftliche Engagement im Landkreis und die Bemühungen des Landratsamtes, die Asylbewerber zu unterstützen und aktiv zu begleiten, hervor.

Auf dem Ausbildungsstellenmarkt im Landkreis Miltenberg sehen die Gewerkschafter großen Handlungsbedarf. So kamen im Berichtszeitraum 2013/14 laut der Agentur für Arbeit auf 1213 Bewerber nur 716 Ausbildungsplätze. Das bedeutet, dass einem Bewerber rein rechnerisch nur 0,59 Stellen zur Verfügung stehen. Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist ein wichtiger Grundstein für die künftige Erwerbsbiografie eines jeden Jugendlichen. Daher müssen weitere Anstrengungen unternommen werden, um das Angebot zu vergrößern.

Jugendberufsagenturen sollen alle Leistungen, die Jugendliche mit Förderbedarf brauchen, in einer Anlaufstelle zusammenführen. Nach einzelnen Pilotprojekten will die Große Koalition diese Agenturen jetzt laut Koalitionsvertrag flächendeckend einführen. Ziel ist es, Unterstützungsleistungen für Jugendliche nach den Sozialgesetzbüchern  II, III und VIII (Hartz IV, Arbeitslosenversicherung sowie Kinder- und Jugendhilfe) zu bündeln, um keine Jugendlichen im „Übergangsystem“ auf dem Weg in die Berufsausbildung zu verlieren. Landrat Scherf zeigte sich für eine Debatte zu Jugendberufsagenturen offen und möchte das Gespräch im kommenden Jahr vertiefen.

Auch das Gesundheitswesen im Landkreis Miltenberg wurde von den Gewerkschaftern angesprochen. Die Menschen benötigen eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung. Dabei dürfe der private Betreiber Helios keine Arbeitsplätze abbauen, sondern müsse Personal aufbauen. Der Landrat Jens Marco Scherf hat bereits zu einem runden Tisch eingeladen, an dem rund 20 Vertreter aus dem Bereich der Gesundheitsversorgung teilgenommen haben, um die Zukunft der Gesundheitsversorgung in der Region zu diskutieren.


Nach oben