Deutscher Gewerkschaftsbund

30.09.2014
Scheil geht es nicht um Wahrheit, sondern um Ideologie

Kronauer-Stiftung demaskiert

Großes Interesse: Zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer fanden den Weg in die alte Rathausdiele nach Schweinfurt

Großes Interesse: Zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer fanden den Weg in die alte Rathausdiele nach Schweinfurt DGB Schweinfurt


Schweinfurt. Es war schon beeindruckend mit welch argumentativer Sprachgewandtheit der Berliner Historiker Prof. em. Dr. Wolfgang Benz die Preisverleihung der Schweinfurter Kronauer-Stiftung an den Geschichtsrevisionisten Dr. Stefan Scheil auseinander nahm. Etwa 200 Interessierte spendeten am Ende der Bündnisveranstaltung „Schweinfurt gegen Geschichtsverfälschung – kein Preis für Ewiggestrige“ in der Rathausdiele der Stadt überschwänglichen Applaus.

Und diesen hatten sich die drei Referenten auch redlich verdient. Insbesondere der schon erwähnte Prof. Benz sezierte in 45 spannenden Minuten die Arbeit von Stefan Scheil, der sich in seinen Schriften mit der Entstehung des 2.Weltkriegs beschäftigt, wofür er von der besagten Stiftung am Samstag, den 04.Oktober an gleicher Stelle ausgezeichnet werden soll. Das Urteil von Prof. Benz über den Preisträger konnte vernichtender nicht ausfallen. In seiner, mit Belegen und Zitaten gespickten Rede, wies Benz nach, dass die Thesen von Dr. Scheil, wonach Hitler von den hegemonialen Bestrebungen der USA und Russlands in den Zweiten Weltkrieg gezwungen wurde, einer wissenschaftlichen Analyse nicht ansatzweise standhält. Im Gegenteil: Scheil gehe es nicht um die Wahrheit, sondern um Ideologie. Er stehe mit seinen Deutungen, die sich nicht aus belegten Erkenntnissen, sondern aus dreisten Behauptungen speisten, in der Tradition der Geschichtsrevisionisten seit den 1950er Jahren, die aus national-emotionellen Gründen die deutsche Schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs klein reden und verharmlosen wollten. Mit Wissenschaft habe diese Herangehensweise nichts zu tun.

Ebenso klug demaskierte Benz das Wirken der Kronauer-Stiftung. Zunächst zitierte er den Stiftungszweck, in dem es heißt: „Die Stiftung will vor allem Arbeiten auf dem Gebiet der Neueren Geschichte unterstützen, die nicht nur dem häufig bequemeren Mainstream oder der Political Correctness folgen. Im Vordergrund sollte stets das Bestreben um eine objektive, ideologiefreie Darstellung der Geschichte stehen.“

Treffsicher beschrieb der Berliner Gelehrte, dass es in der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte eben nicht um den „häufig bequemeren Mainstream“ oder der „Political Correctness“ gehe, sondern um die historische Wahrheit, die belegt werden müsse. Und diese wissenschaftliche Haltung müsse von sich aus ideologiefrei sein, weshalb sich der Stiftungszweck selbst verrate. So belege die Liste der bisherigen Preisträger eindeutig, dass es der Stiftung in Wirklichkeit um die Förderung nationalistischer Ideologien gehe, um Geschichtsumdeutung und Verklärung.

Daran anknüpfend fand Dr. Alexander Schmidt deutliche Worte für den Schweinfurter Oberbürgermeister Sebastian Remelé, der in sein Grußwort eine juristische Würdigung der grundgesetzlich geschützten Meinungsfreiheit pflanzte. Es gehe nämlich nicht darum die Meinungsfreiheit zu beschneiden, es gehe darum, dass Geschichtsverfälschung weder preiswürdig sei, noch in öffentlichen Räumen stattzufinden habe. Unmissverständlich machte Schmidt deutlich, dass ein Oberbürgermeister in seiner Funktion ein öffentliches Amt bekleide und eben nicht als Privatperson agiere. Es schockiere ihn, dass sowohl er, als auch seine Amtsvorgängerin Frau Gudrun Grieser diese Stiftung förderten. Diese Haltung schade dem Ansehen der Stadt Schweinfurt nachhaltig, so Schmidt.

DGB-Referatsleiter Robert Günthner erläuterte die ideologische Verbindung zwischen rechten Geschichtsverfälschern und den aktiven Rechtsradikalen in Bayern.

DGB-Referatsleiter Robert Günthner (links) erläuterte die ideologische Verbindung zwischen rechten Geschichtsverfälschern und den aktiven Rechtsradikalen in Bayern. DGB Schweinfurt

DGB-Referatsleiter Robert Günthner erläuterte die ideologische Verbindung zwischen rechten Geschichtsverfälschern und den aktiven Rechtsradikalen in Bayern. Die Negierung deutscher Schuld sei eine Grundlage rassistischer Denkweise, die sich auch in Bayern mit tätlichen Übergriffen an Andersdeckende oder Flüchtlingen ausdrücke. Der DGB dagegen stehe in der Tradition der Erinnerungskultur, der Aufklärung und der Solidarität. Die unterscheide sich diametral zur rassistischen Ideologie der Rechtsradikalen. So plädierten beispielsweise die Rechtsradikalen für einem Mindestlohn nur für Deutsche, während die Gewerkschaften für einen Mindestlohn streiten, der für die gesamte Arbeitnehmerschaft gelte. Günther dankte auch der hiesigen Initiative „Schweinfurt ist bunt“ für den erfolgreichen Einsatz am 01.Mai 2010 als 10.000 Menschen in Schweinfurt gegen die Nazis demonstrierten. Insofern habe Schweinfurt auch einen Ruf zu verlieren.

Zufrieden zeigten sich die Initiatoren der Veranstaltung aus SPD, DGB und der Initiative gegen das Vergessen mit Besuch, Ablauf und der Substanz der Veranstaltung. Einen Dank spendete die Landtagsabgeordnete und Moderatorin der Abends, Kathi Petersen, auch dem Zupfensemble der Naturfreunde, die den Abend musikalisch umrahmten.


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