Deutscher Gewerkschaftsbund

04.09.2014
Spuren des jüdischen Lebens in Karlstadt-Laudenbach

„Wir finden hier ein einmaliges Ensemble jüdischer Kultur und jüdischen Lebens“

Synagoge

Synagoge DGB Unterfranken

Karlstadt-Laudenbach. Anlässlich des Antikriegstages 2014 hat der DGB Kreisverband Main-Spessart zu einem historischen Rundgang zum Thema jüdisches Leben und Kultur in Karlstadt-Laudenbach eingeladen. Rund 40 Interessierte hörten gespannt den Ausführungen von Georg Schirmer und Georg Schnabel vom Förderkreis Ehemalige Synagoge Laudenbach e.V. zu und begaben sich auf einen historischen Rundgang durch Laudenbach. Dabei wurden die ehemalige Synagoge, die Mazzenbäckerei und der jüdische Friedhof besichtigt und an Stolpersteinen Halt gemacht. Karlstadt-Laudenbach kann auf eine lange jüdische Geschichte zurückblicken, die mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten endete.

Der Karlstädter Stadtteil Laudenbach hat eine lange jüdische Tradition. Bereits im Jahr 1517 wurden Juden in Karlstadt in Dokumenten erwähnt. Die Synagoge in Karlstadt wurde im 17. Jahrhundert erbaut. Dazu befinden sich in Laudenbach eine Mikwe (Ritualbad), eine Mazzenbäckerei und viele so genannte Judenwege, die nach Laudenbach führten.

„In keinem Ort in Deutschland gab es eine so hohe Dichte an jüdischem Leben wie in Unterfranken“, sagte Schirmer, „Wir finden hier ein einmaliges Ensemble jüdischer Kultur und jüdischen Lebens. Über 200 Gemeinden und 135 Synagogen in der Region Unterfranken sind überliefert - in Mittelfranken sind es 45.“

Friedhof

Friedhof DGB Unterfranken

Im Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge vollständig zerstört. Das Gebäude ging in Privatbesitz über und wurde als Lagerraum bis zuletzt genutzt.

Nach dem zweiten Krieg ist nur einer der wenigen Überlebenden des Holocaust nach Laudenbach zurückgekehrt nämlich Rudolf Adler. Der Verein Ehemalige Synagoge Laudenbach e.V. hat es sich zum Ziel gesetzt, mit Hilfe von Spendengeldern Gebäude zu erwerben und wissenschaftlich begleitet zu sanieren, um ein langfristiges Nutzungskonzept zu erstellen.

Auf dem Weg zum jüdischen Friedhof machte die 40 köpfige Gruppe Halt an der Mazzenbäckerei und an Stolpersteinen, die in Laudenbach verlegt wurden. Bereits 52 Stolpersteine wurden gesetzt und machen auf die ehemaligen jüdischen Bewohner im Ort aufmerksam, die während des Nationalsozialismus verschleppt, gefoltert und ermordet wurden.

Georg Schnabel übernahm die Führung auf dem alten jüdischen Friedhof. Rund 2500 Gräber befinden sich auf dem jüdischen Friedhof, der die Bedeutung der Stätte für die gesamte Region damals wie heute unterstreicht. Georg Schnabel möchte das jüdische Erbe erlebbar machen und bietet die Rundgänge regelmäßig Schulklassen an. Auch Anfragen von Hinterbliebenen aus der ganzen Welt beantwortet er. Dabei trifft er sich mit Angehörigen in Laudenbach, um Ahnenforschung zu unterstützen. Allerdings wurden von 1933 bis 1941 viele Gräber geschändet, was die Forschung erschwert. Es wurde auf dem Friedhof ein Gedenkstein stellvertretend für die vielen Millionen Opfer gesetzt, die kein Begräbnis erhalten haben - mit der Aufschrift versehen: 'Denke'


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