Deutscher Gewerkschaftsbund

09.10.2014
DGB Kreisverband Schweinfurt

DGB begeht „Welttag für menschenwürdige Arbeit“

Kerstin Westphal, MdEP

Kerstin Westphal, MdEP DGB Unterfranken

Schweinfurt. Eine kleine Tradition seit dem Jahr 2011 der DGB Region Schweinfurt-Würzburg hat der DGB Kreisverband Schweinfurt aufgegriffen. Am 07.Oktober, dem Welttag für menschenwürdige Arbeit, einen Empfang zu geben. Dieses Jahr sprach MdEP Kerstin Westphal (SPD) im Schweinfurter DGB-Zentrum.

Kreisvorsitzender Frank Firsching nannte es ein „Experiment“ am Welttag eine Politikerin sprechen zu lassen. Bisher hielten Gewerkschaftskollegen die Reden, im letzten Jahr beispielsweise Matthias Jena, Chef des DGB Bayern. In seiner launigen Begrüßungsrede durfte Firsching neben vielen Betriebs- und Personaltäten, führenden Gewerkschaftern wie den 1.Bevollmächtigten der IG Metall Peter Kippes und der ver.di Bezirksvorsitzenden Doris Berz auch oberste Prominenz aus der Kommunalpolitik willkommen heißen. Weder OB Sebastian Remelé, noch Landrat Florian Töpper und einige Bürgermeister ließen die Chance aus, den Gewerkschaften ihre Aufwartung zu machen. Für Firsching ein Zeichen des Respekts vor der Arbeit der vielen Gewerkschaftern, die täglich in den Betrieben und Verwaltungen für menschenwürdige Arbeitsbedingungen sorgten. Und darum gehe es schließlich. Menschenwürdige sei es nicht, wenn Hartz IV-Empfänger das definierte Existenzminimum vom Jobcenter gekürzt werde, weil ein Langzeitarbeitsloser statt der vereinbarten 10 Bewerbungen „nur“ sieben Bewerbungen im Monat geschrieben hätte. Firsching wörtlich: „Wie kann ein Existenzminimum gekürzt werden?“ Ob die Europaabgeordnete Kerstin Westphal diese Position teilte, war an diesem kurzweiligen Abend zwar nicht zu erfahren, vor gut 50 geladenen Gästen fand sie dennoch klare Worte zum „Welttag für menschenwürdige Arbeit“.

Frank Firsching, Vorsitzender des DGB Kreisverbandes

Frank Firsching, Vorsitzender des DGB Kreisverbandes DGB Unterfranken

„Lohn bedeutet nicht einfach nur Geld, sondern Würde und Gerechtigkeit“, so Westphal im Hinblick auf die Ausweitung des Niedriglohnsektors in Deutschland, der europaweit der Größte sei. Als Grund machte die Sozialdemokratin den Rückgang „ordentlich entlohnter Vollzeitbeschäftigung“ und die Ausweitung prekärer Beschäftigung wie Mini-Jobs, Befristungen und Leiharbeit aus. Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland zum 1.Januar 2015 sei ein wichtiger, aber längst überfälliger Schritt. Immerhin sei Deutschland eines der letzten Länder in der EU, das den Mindestlohn beschloss.

Nach einer kurzen Beschreibung der menschenunwürdigen Lebensumstände vieler Griechen und Spanier in ihren Heimatländern kam Westphal auf ein Thema, das ihr am Herzen liegt, wie man unschwer erkennen konnte. Die Gleichberechtigung der Geschlechter nämlich. So wies die Europaabgeordnete darauf hin, dass Frauen in  Deutschland ab nächster Woche bis zum Jahresende praktisch umsonst arbeiteten, da der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen hierzulande tatsächlich bei etwa 23 Prozent liege. Diesbezüglich liege Deutschland im europäischen Vergleich „ganz weit hinten“, und das dürfe nicht sein. Westphal forderte insbesondere Frauen auf, sich gewerkschaftlich zu organisieren, denn gerechte Entlohnung gebe es nur mit starken Gewerkschaften und betrieblicher Mitbestimmung.

Frank Firsching und MdEP Kerstin Westphal

Frank Firsching und MdEP Kerstin Westphal DGB Unterfranken