Deutscher Gewerkschaftsbund

17.12.2014

DGB: Der Mindestlohn ist weiblich

22 256 Vollzeitbeschäftigte profitieren in Unterfranken, davon 4 961 in Stadt und Landkreis Würzburg

DGB Ufr.

Am 01.Januar ist es soweit. Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro/Stunde tritt in Kraft. Nach DGB-Berechnungen werden in Unterfranken 22 256 Vollzeitbeschäftigte vom gesetzlichen Mindestlohn profitieren, weil ihr Lohn unter der Schwelle von 8,50 Euro/Stunde liegt. Das sind 6,8% der 325 701 sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten in Unterfranken zum Stichtag 31.12.2013. Damit liegt Unterfranken leicht über dem bayrischen Durchschnitt von 6,6%, oder 224 000 Vollzeitbeschäftigten.

Während jedoch nur 3,7% (oder 8 342) der männlichen Vollzeitbeschäftigten positiv betroffen sind, trifft dies auf 14,3% (oder 13 814) der weiblichen Vollzeitbeschäftigten zu. Hier wird deutlich: Der Mindestlohn ist weiblich, aber auch dienstleistend. Denn die Branche macht den Lohn. Die gewerkschaftliche Durchsetzungsfähigkeit entscheidet über Lohnhöhe und Arbeitsbedingungen, über Tarifbindung und Niedriglohn. Es überrascht aus diesen Erkenntnissen nicht, dass Löhne unter 8,50 Euro/Stunde überdurchschnittlich oft im Dienstleistungssektor, im Handel und der Gastronomie, (aber auch in der Landwirtschaft) anzutreffend sind. Eben dort sind überwiegend Frauen beschäftigt und die Durchsetzungsfähigkeiten der Gewerkschaften unterdurchschnittlich, weil zu wenige Mitglied einer DGB Gewerkschaft sind.

Gegenteilig ist die Lage im verarbeitenden Gewerbe. Dort sind die Industriebgewerkschaften stark und die Löhne überdurchschnittlich hoch. Tarifverträge können ihre Wirkung in den Industriebranchen wie Metall oder Chemie entfalten. Der gesetzliche Mindestlohn ist dort praktisch bedeutungslos. Die Unterschiede in der Wirtschaftsstruktur erklären die regionalen Disparitäten in Unterfranken plausibel.

Die niedrigsten „Mindestlohnquoten“ weisen die Stadt Schweinfurt und der Landkreis Main-Spessart mit 5,2% auf. In beiden Gebietskörperschaften ist die Metall- und Elektroindustrie im Vergleich zum Dienstleistungssektor überrepräsentiert. Bei den Männern wird diese Quote in Main-Spessart gar auf 2,4% gedrückt (Frauen MSP 13,4%). Die höchsten Gesamtquoten erreichen die Landkreise Bad Kissingen mit 8,9% und Kitzingen mit 8,5%. Dort sind auch die höchsten Mindestlohnquoten von Frauen zu finden. Dort hält der Landkreis Kitzingen mit 19,2% die Spitze knapp vor dem Landkreis Bad Kissingen mit 18,5%. Die niedrigste Quote bei den betroffenen Frauen hält dagegen die Stadt Würzburg mit 9,1% oder 1727 vollzeitbeschäftigten Frauen, die unter 8,50 Euro/Stunde für ihre Arbeit erhalten.

DGB Ufr.

Minijobs und Teilzeit

Da die Datenlage bei den Teilzeitbeschäftigten und den Minijobs keine eindeutigen Ergebnisse zulässt, beschränken wir uns in diesen atypischen Beschäftigungsverhältnissen auf begründete Schätzungen anhand von gesicherten Rahmendaten. So weist die Hans-Böckler-Stiftung für das Jahr 2013 in Unterfranken 125 236 Teilzeitarbeitsplätze und 142 432 Minijobs aus. Wenig überraschend sind Frauen auch in diesen Beschäftigungsverhältnissen, die noch stärken dem Niedriglohnsektor zugerechnet werden müssen, geschlechterspezifisch deutlich in der Überzahl. So fallen 91,2% der unterfränkischen Teilzeitarbeitsplätze (114 270) und 65,5% der Minijobs (93 256) auf Frauen. Der DGB Unterfranken geht von insgesamt 26 320 Teilzeitbeschäftigten aus, die unter 8,50 Euro/Stunde verdienen, davon 24 524 Frauen (21,5% der teilzeitbeschäftigten Frauen) und 1 528 oder 7,6% der männlichen Teilzeitbeschäftigten.

Am stärksten von gesetzlichen Mindestlohn betroffen sind die Minijobs. So liegt der durchschnittliche Stundenlohn der Minijobs bei 8,31 Euro, also unter dem Mindestlohn von 8,50 Euro. Würde man diese Zahl 1:1 auf Unterfranken übertragen wären alle Minijobs zu zählen, die Mindestlohnquote betrüge 100%. Da diese Rechnung die Realität nicht widerspiegelt fand eine vorsichtige Annäherung über geschlechterspezifische Lohnunterschiede bei Minijobber statt (Hans-Böckler-Stiftung). So wurde hier der Anteil der betroffenen Frauen auf 70% geschätzt, die der betroffenen Männer auf 50%. Im Ergebnis kommt der DGB Unterfranken auf 92 957 vom Mindestlohn zu begünstigende Minijobs, von denen 65 279 Frauen sind.

Rechnet man zu den Vollzeitjobs auch die Teilzeit- und Minijobs hinzu kommt der DGB Unterfranken auf 141 533 Beschäftigungsverhältnisse, die mit Löhnen unter 8,50 Euro bedacht werden!

Ausnahmen vom Mindestlohn:

Jugendliche unter 18 Jahren sind ausgenommen, ebenso wie Langzeitarbeitslose in den ersten sechs Monaten ihres Arbeitsverhältnisses und Praktikanten in den ersten drei Monaten ihres Praktikums, sowie Zeitungszusteller. Hinzu kommen die Branchen nach AÜG-AentG, die Branchenmindestlöhne unter 8,50 Euro vorsehen. Für Bayern sind dies die Branchen „Schlachten und Fleischverarbeitung“ mit 7,75 Euro/Stunde; „Wäschereidienstleistungen im Objektkundengeschäft“ mit 8,25 Euro/Stunde und das bayrische Friseurhandwerk mit aktuell 8,22 Euro/Stunde, ab 1.Mai 2015 dann 8,50 Euro/Stunde.

Der DGB Unterfranken geht davon aus, dass alle Ausnahmen zusammen bis maximal 10% der vom Mindestlohn betroffenen ausmachen. Rechnen wir die 10% der Ausnahmen aus den Betroffenen heraus, kommen wir auf

127 380 Beschäftigungsverhältnisse, für der gesetzliche Mindestlohn eine Lohnerhöhung bringt.


Nach oben