Deutscher Gewerkschaftsbund

01.09.2014
DGB Unterfranken

Ein Plädoyer gegen den Krieg

Monty Schädel

Monty Schädel DGB Unterfranken

Schweinfurt. Monty Schädel, seines Zeichens Bundesgeschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsgegner (DFG/VK), ist ein Pazifist aus Überzeugung. Sein Vortrag mit dem Titel „100 Jahre Erster Weltkrieg – 75 Jahre Zweiter Weltkrieg – Militarisierung heute“ wurde am Sonntagnachmittag von 20 Interessierten im Schweinfurter DGB-Zentrum gehört und angeregt diskutiert.

Der Schwerpunkt der zweieinhalbstündigen Veranstaltung war so aktuell, wie spannend. Monty Schädel stellte eine zunehmende Militarisierung Deutschlands fest. Die Bundeswehr werde immer selbstverständlicher zu Auslands- und Kriegseinsätzen genutzt, um deutschen Wirtschaftsinteressen zu dienen. Um Menschenrechte oder Demokratie gehe es bei diesen Einsätzen nicht, sie seien regelmäßig propagandistisch vorgeschoben, meinte der viermalige Familienvater. Vermeintliche Beweise, die Kriegseinsätze moralisch legitimieren sollen, würden regelmäßig gefälscht, erfunden oder durch bloße Behauptungen ersetzt. So gab es weder Massenvernichtungswaffen bei Saddam Hussein, noch waren die Behauptungen richtig, mit denen der völkerrechtswidrige Kampfeinsatz der Bundeswehr im Jugoslawienkrieg 1999 begründet wurde. Dieser erste Kriegseinsatz einer deutschen Armee seit dem Zweiten Weltkrieg sei ein Tabubruch gewesen, der das Tor für weitere Entsendungen aufmachte. So sehe es auch der Koalitionsvertrag von CDU/CSU/SPD vor, wo es heißt: „Deutschland stellt sich seiner internationalen Verantwortung. Wir wollen die globale Ordnung aktiv mitgestalten.“ Und weiter: „Die Bundeswehr wird auch in Zukunft in Auslandseinsätzen gefordert.“ Diese eindeutigen Sätze belegten die veränderte Ausrichtung der Bundeswehr, die als Verteidigungsarmee aufgebaut worden war und heute mehr denn je deutsche (Wirtschafts-) Interessen weltweit militärisch durchsetzen soll. So hat es auch ungeniert Bundespräsident Joachim Gauck formuliert, der erst kürzlich wieder die Sicherung von Rohstoffquellen mit militärischen Mitteln für nötig hielt.

Dabei gebe es in den ständigen 30 bis 40 weltweit stattfindenden bewaffneten Konflikten stets „Reichtum und Profit für wenige, aber Armut, Zerstörung, Tod, Elend und Hunger für viele.“ So wie es schon immer bei allen Kriegen war.

Diskussionsrunde mit Monty Schädel

Diskussionsrunde mit Monty Schädel DGB Unterfranken

Der „Totalverweigerer“ Monty Schädel kritisierte die Bundeswehr und mit ihr die Bundesregierung und ihre „Attraktivitätsoffensive“. Ungeniert gingen die Militärs mit Jugendoffizieren und Karriereberatern auf Jugendliche und Kinder zu, um sie für „das Töten von Menschen auszubilden“. Diese harte Feststellung traf Schädel auf die Frage aus dem Publikum „was denn Soldaten seien?“. „Soldaten sind potentielle Mörder“, die Antwort.

Der Blick auf die beiden weltweiten Zerstörungskriege des letzten Jahrhunderts fiel knapp und zutreffend aus. Trotz aller Versuche Einzelner die Geschichte umzuschreiben, sei klar, dass beide Weltkriege von Deutschland begonnen wurden und das größte Elend der Geschichte über die Menschheit brachten.

Damit sich Geschichte nicht wiederhole und die weltweiten Konflikte weniger werden, muss Geld, nicht Militär in die verarmten Krisengebiete, so die Forderung aus dem Publikum. Würden die Mittel, die für teures Kriegsgerät ausgegeben werden in die Infrastruktur zur Verbesserung der Lebensqualität investiert, gäbe es keine Kriege mehr. Doch damit sich etwas tut, müssen sich Menschen wieder für den Frieden bewegen. Die Friedensbewegung muss wieder erwachen, resümierte Monty Schädel.