Deutscher Gewerkschaftsbund

10.09.2014
Initiative „Warum Geschichtsverfälschung keinen Preis verdient“

„Seid wachsam, …“ – wir sind es!

Bündnispartner

Bündnispartner Sandra Bernadett Grätsch

Schweinfurt. Zwei Jahre ist es her, dass wir die Ausstellung über Gewerkschafter in Konzentrationslagern mit dem Titel „Seid wachsam, dass über Deutschland nie wieder die Nacht hereinbricht“ in Schweinfurt zeigten. 2014, im 75.Jahr nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs mit den deutschen Überfall auf Polen am 01.09.1939 will die Kronauer-Stiftung zu Schweinfurt einen Mann auszeichnen, der Hitlers Kriegsschuld klein schreibt.

Die Rede ist vom Mannheimer Historiker Stefan Scheil. In drei Büchern, die zwischen 1999 und 2005 erschienen sind, stellt er die These auf, dass weniger Hitlers Nazi-Deutschland für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verantwortlich war, sondern vielmehr Amerikaner, Russen, Briten, Polen und Franzosen. Dr. Alexander Schmidt, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Dokumentationszentrums Reichparteitagsgelände in Nürnberg, sagte dazu auf der Pressekonferenz der Initiative „Warum Geschichtsverfälschung keinen Preis verdient“: „Der ideologische Hintergrund der Kriegspolitik Hitlers, durch einen Vernichtungskrieg in Richtung Osten neuen Lebensraum für Deutschland zu schaffen und dementsprechend andere Völker zu vertreiben oder zu unterdrücken sowie Juden als sogenannte „Rasse“ zu vernichten bleibt in den Büchern Scheils völlig unterbelichtet. Letztendliche Zielrichtung derartiger Behauptungen ist es, die Verbrechen des Hitlerregimes zu relativieren und die wahre Ursache des Krieges, das Ziel einer Expansion Deutschlands auf Kosten der Völker und Menschen im Osten, zu verdecken.“

Bündnispartner

Bündnispartner Sandra Bernadett Grätsch

Initiative gegründet

Doch es formiert sich Widerstand gegen diese Preisverleihung der Kronauer-Stiftung. Ein Bündnis aus Gewerkschaften, SPD, der Soldmann-Stiftung und der Schweinfurter Initiative gegen das Vergessen fordern die Kronauer-Stiftung auf, die Preisverleihung an Dr. Stefan Scheil abzusagen. Mit dem Ziel eine öffentliche Debatte über Geschichtsrevisionismus und seine Folgen in Gang zu setzen sucht das Bündnis noch Unterstützer für ihr Anliegen, um den Druck auf die Kronauer-Stiftung zu erhöhen.

Das Bündnis lädt auch deshalb zu einer Abendveranstaltung am Montag, den 29.September ein. In der Schweinfurter Rathausdiele sich wird u.a. der renommierte Historiker Prof. Dr. Wolfgang Benz mit den Thesen Scheils auseinandersetzen und die Ziele der Kronauer-Stiftung kritisch beleuchten. In einem ersten Statement schreibt Prof. Benz: „Der Historikerpreis der Kronauer-Stiftung an Stefan Scheil ist ein Versuch, rechtes Denken salonfähig zu machen. Darüber bringen Demokraten ihre Sorge um unsere politische Kultur zum Ausdruck.“

Imageschaden für die Stadt Schweinfurt

Der DGB Kreisvorsitzende Frank Firsching erwartet einen nachhaltigen Imageschaden für die Stadt Schweinfurt, wenn die Preisverleihung im Rathaus der Stadt mit der Grußwortgarnierung von Oberbürgermeister Sebastian Remelé wie geplant abgehalten wird. „Schweinfurt ist kein Hort der Geschichtsumdeuter und das Rathaus der Stadt ist kein passender Ort Leute zu ehren, die die Auffassung vertreten, der Zweite Weltkrieg sei nicht maßgeblich vom nationalsozialistischen Deutschland verursacht worden.“ Er wiederholte auf der Pressekonferenz seine Forderung der Antikriegstagskundgebung an die Stadt, sowohl das Grußwort des Oberbürgermeisters zurückzunehmen, als auch den Veranstaltungsort Rathaus zu streichen. Der stellv. Fraktionsvorsitzende der SPD Stadtratsfraktion, Stephan Kuserau, kündigte an die DGB-Forderungen in einem Dringlichkeitsantrag der SPD an die Stadt zu richten.