Deutscher Gewerkschaftsbund

17.10.2014
DGB Kreisverband Schweinfurt

Rente vom Experten erklärt

Frank Firsching u. Peter Schüllermann

Frank Firsching u. Peter Schüllermann DGB Kreisverband Schweinfurt

Schweinfurt. Einen komplizierte Sachverhalt möglichst einfach zu erklären. Dieser Aufgabe stellte sich der DGB-Rentenberater Peter Schüllermann in einer Renteninformationsveranstaltung des DGB Kreisverbandes Schweinfurt in der Sportgaststätte des TV Oberndorf. Gut 40 Interessierte nahmen das kostenfreie Angebot an und viele Informationen mit.

Schüllermann begann seinen Part mit Begriffserklärungen anhand einer Rententabelle. Es ging ihm um die entscheidende Frage wer, wann mit welchen Konditionen in Rente geben kann. Grundlage von allem sei die Regelaltersrente. Sie legt fest wann ein/e Versicherte/r (abschlagsfrei) in Rente kann. Da kommt es auf den Jahrgang an. Für bis 1946 geborene gilt der Rentenbeginn mit 65 Jahren. Mit der Gesetzesänderung aus dem Jahr 2007 (Merkel/Müntefering) wurde die „Rente ab 67“ beschlossen. Die Regelung besagt, dass das Renteneintrittsalter mit jedem Jahrgang zunächst um einen Monat, ab dem Jahrgang 1958 dann um zwei Monate steigt, bis das Renteneintrittsalter mit 67 Jahren für den Jahrgang 1964 und alle folgende gilt, so Schüllermann.

„Die Regelaltersrente gibt es abschlagsfrei, was nicht für alle Rentenarten zutreffe“, sagte Peter Schüllermann, der als freigestellter Betriebsrat bei ZF arbeitet. Mit Abschlägen kann man wie bisher durch die „Altersrente für langjährig Versicherte“ schon mit 63 Jahren. Voraussetzung um als „langjährig Versicherte/r zu gelten sind 35 Versicherungsjahre. Ausgehend von der persönlichen Regelaltersrente errechnen sich beim Renteneintritt mit 63 Jahren in dieser Rentenart Abschläge von 0,3% je Monat der vorzeitigen Inanspruchnahme. Diese Abschläge bleiben lebenslänglich erhalten! Beispiel: Ein 1952 geborener Versicherter, der 40 Jahre eingezahlt hat, nimmt mit 63 Jahren die Rente für langjährig Versicherte in Anspruch. Seine Regelaltersrente liegt bei 65 Jahren und 6 Monaten. Zum 63. Lebensjahr errechnet sich ein früherer Rentenbeginn von 30 Monaten. 30 Monate mal 0,3% ergibt 9,0% Abzug. An dieser Rentenart änderte das kürzlich beschlossene Rentenpakt ebenso wenig, wie an der Tabelle der Regelaltersrente. Der Weg zur Rente ab 67 bleibt unverändert bestehen.

Saal mit Gästen DGB Kreisverband Scheinfurt

Die neu eingeführte Rentenart ist die „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“. Voraussetzung für die Inanspruchnahme ist die Erfüllung von 45 Versicherungsjahren. Diese Rentenart erlaubt den früheren Renteneintritt ohne Abschläge! Allerdings nicht für alle. Analog der Regelaltersrente steigt das Renteneintrittsalter von 63 Jahren bei den Jahrgängen 1951 und 1952 auf 65 Jahren beim Jahrgang 1964 in zwei Monats-Schritten. Das heißt die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren dürfen nur die Jahrgänge 1951 und 1952 genießen. Für den Jahrgang 1958 beispielsweise liegt der mögliche abschlagsfreie Renteneintritt bei 64 Jahren. Und für die Jahrgänge ab 1964 bleibt es bei 65 Jahren, wenn 45 Versicherungsjahre erreicht werden. Doch Obacht: Möchte eine 1958 geborene Versicherte mit 63 Jahren die „Altersrente für langjährig Versicherte“ in Anspruch nehmen berechnen sich ihre Abschläge weiterhin nach der Regelaltersrente, die für den Jahrgang 1958 den Renteneintritt mit 66 Jahren vorsieht. Es summieren sich Abschläge von 10,8%!

Vor Peter Schüllermann hat der DGB Kreisvorsitzende Frank Firsching die Rentengesetzgebung der letzten 15 Jahren und das alternative DGB-Rentenkonzept erläutert. Sein Fazit war klar und eindeutig: Mit der „Riester-Reform“ aus dem Jahr 2001 soll die gesetzliche Rente den Lebensstandard nicht mehr sichern, sondern nur noch als Grundversorgung dienen. Durch gezielte Eingriffe in die Rentenberechnung sinkt das Niveau der gesetzlichen Rente von damals ca. 55% des Nettoverdienstes auf heute knapp 50% und weiter auf 43% im Jahr 2030. Die Leute sollen die entstandene Versorgungslücke durch private Rentenverträge schließen. Der deutliche Nachteil dabei: Die private Renten, z.B. „Riester-Rente“, wird zwar steuerlich, ist jedoch auch privat von jedem Einzelnen zu finanzieren, die Parität greift nicht, der Arbeitgeber ist fein raus, muss nicht mitbezahlen. Die Erhöhung der Regelaltersrente aus dem Jahr 2007 hatte die Problematik noch verschärft. „Weil viele Menschen gar nicht bis 65 oder 67 durchhalten bleibt die Rente ab 67 ein Rentenkürzungsprogramm, das darauf aus ist die Menschen mit Abschlägen in die Rente zu schicken.“, so Firsching.

Saal mit Gästen DGB Kreisverband Schweinfurt