Deutscher Gewerkschaftsbund

18.11.2016

Stellungnahme der DGB-Jugend Unterfranken zur Jahresbilanz auf dem Ausbildungsstellenmarkt in Unterfranken

Anna - Katrin Kroll DGB Jugend Ufr

Uns geht es gut! Die Wirtschaft befindet sich immer noch im Aufschwung. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen sinkt immer weiter, während die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten steigt und auch die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften wird immer größer.

Da sollte man doch meinen, dass jeder Ausbildungsinteressierte die freie Wahl auf dem Ausbildungsmarkt hat und eine passende Ausbildungsstelle findet. Leider entspricht dies nicht der Realität, schlimmer noch es fehlen Ausbildungsplätze.

„In der Region fehlen 971 Ausbildungsstellen – 41% der Bewerber münden nicht in eine Ausbildung – Die Region Unterfranken nimmt im bayernweitem Vergleich den letzten Platz ein – Für einen Bewerber gibt es in Unterfranken rechnerisch 1,028 Berufsausbildungsstellen - Viele junge Menschen suchen nach Ausbildungsplätzen und somit nach Zukunftsperspektiven“

Die Ausbildungsplatzsituation in Unterfranken folgt nicht dem bayernweiten Trend hin zu einer Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt. Im Gegenteil die Region Unterfranken landet bei der Jahresbilanz am Ausbildungsmarkt auf dem letzten Platz. „Es fehlen in Unterfranken fast 1000 Ausbildungsplätze, um von einem auswahlfähigen Angebot sprechen zu können“, kommentiert DGB-Jugendsekretärin Anna-Katrin Kroll die aktuellen Zahlen der Arbeitsagenturen.

Auf 10.329 Stellen fallen in Unterfranken 10.044 Bewerberinnen und Bewerber. Das heißt, es gibt zwar ein rechnerisches Plus von 285 Ausbildungsplätzen. „Von einem auswahlfähigen Angebot für junge Menschen kann keine Rede sein. Legt man das Bundesverfassungsgerichtsurteil von 1980 zu Grunde, das ein Angebot von 112,5 Ausbildungsstellen für 100 Bewerber fordert, klafft die Ausbildungsplatzlücke auf 971 fehlende Ausbildungsplätze auf“, so Kroll.

„Natürlich muss man das ganze Differenzierter betrachten“, erklärt Anna-Katrin Kroll. „ Wir sprechen hier über einen gesamt Überblick der Region Unterfranken, also über einen Durchschnittswert der Agenturbezirke Aschaffenburg, Würzburg und Schweinfurt.“ Während es in den Städten doch relativ gut aussieht und man hier von einem auswahlfähigen Angebot an Ausbildungsplätzen sprechen kann, sieht es in den ländlichen Regionen rund um Aschaffenburg, Würzburg und Schweinfurt viel schlechter aus, hier stehen nur für gut 2/3 der Ausbildungsinteressierten Ausbildungsplätze zur Verfügung. Genau hier ist erhöhter Handlungsbedarf gefragt, jeder Ausbildungsinteressierte sollte auch die Chance haben einen Ausbildungsplatz zu erhalten. „Viele Regionen klagen über die demografische Entwicklung und den Wegzug der jungen Generation in die Großstädte. Ein Grund hierfür ist auch die schlechte Ausbildungsplatzsituation in den ländlichen Regionen.“, erläutert Kroll. „Wir als Gewerkschaftsjugend sind der Meinung, dass jeder Ausbildungsinteressierte ein Recht auf einen Ausbildungsplatz haben sollte. Um dies zu gewährleisten, brauchen wir dringend eine Ausbildungsplatzgarantie, also einen gesetzlichen Anspruch auf einen Ausbildungsplatz. Oberste Priorität sollte hierbei die betriebliche Ausbildung haben. Nur wo dies nicht möglich ist, sollten außerbetriebliche Ausbildungsstellen zur Verfügung gestellt werden, um unnötige Warteschleifen für junge Menschen zu vermeiden.“

„Die Betriebe müssen sich intensiver um eine attraktive Berufsausbildung bemühen und ihr Ausbildungsplatzangebot massiv ausbauen, um Fachkräfte an die Region zu binden und die Region zukunftsfähiger zu machen“, meint Kroll.

Insgesamt hat sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt trotz des gestiegenen betrieblichen Ausbildungsplatzangebotes kaum verändert. Denn wie schon in den letzten Jahren bleiben auch in diesem Jahr wieder 1077 Ausbildungsstellen in Unterfranken unbesetzt.„Es braucht hier dringend Maßnahmen, die die freien Ausbildungsplätze für junge Menschen attraktiver machen: weniger Bestenauslese durch die Ausbildungsbetriebe, Zugriff auf unterstützende Instrumente, durch die auch junge Menschen mit Förderungsbedarf erfolgreich in der Ausbildung begleitet werden können, sowie eine längst überfällige gesetzliche Initiative zu Verbesserung der Ausbildungsqualität.“, kritisiert Kroll.

Nur wenn die Qualität der Ausbildung stimmt, sind die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Ausbildungsplatzsuche und einen Ausbildungsabschluss gegeben. Folglich fasst Kroll zusammen: „Auch die Arbeitgeber müssen sicherstellen, dass die Qualität der Ausbildung besonders in den Berufen, in denen viele Stellen am Ende der Bewerbungsphase unbesetzt bleiben, steigt. Wer Fachkräfte für morgen braucht, muss sie auch ausbilden! Wer eine gute Ausbildung bietet, bekommt auch gute Bewerber!“


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