Deutscher Gewerkschaftsbund

14.05.2014
Kreisjugendring, DGB und Saale-Zeitung haben ins JuKuZ eingeladen

Podiumsdiskussion: Kinder- und Jugendarmut in Bad Kissingen

Zuschauer auf der Veranstatlung

Zuschauer auf der Veranstatlung DGB Unterfranken

Zu einer Veranstaltung über Kinderarmut hatten Kreisjugendring, DGB und Saale-Zeitung ins JuKuZ eingeladen. Die Teilnehmer waren sich einig, dass Hilfen dringend nötig sind. Aber zur Verbesserung der Situation ist die Politik gefordert.

Zirka 40 Interessierte fanden sich gegen 19 Uhr im JuKuz Bad Kissingen zusammen um die  traurigen Fakten der Kinderarmut in Bad Kissingen zu hören. Durch drei Input-Referate wurden die Hintergründe, Risiken und  auch der Ist Zustand ausführlich erörtert.

Herr Ruppert stellte bei seiner Begrüßung fest, dass Kinderarmut verschiedene Aspekte habe und deren vorkommen direkt vor unserer Haustür erschreckend sei, gerade auch hinsichtlich des demographischen Wandels.

Es gäbe im Vergleich zu 50 Jahren derzeit weniger Kinder, aber deren Hilfsbedürftigkeit sei stark angestiegen.

Bei seinem Input Referat beleuchtete Björn Wortmann ehem. DGB Jugendsekretär Nordbayern  das Thema Kinderarmut aus gewerkschaftlicher Sicht. Immer mehr Familien befänden sich in prekären Beschäftigungsverhältnissen, immer mehr Jungfacharbeitern bliebe nichts anderes übrig als in befristeten Arbeitsverträgen oder gar  für Leiharbeitsfirmen zu Hungerlöhnen zu schuften.

Armut bedeute weniger Normalität, niedrige Bildungschancen und unvorhersehbare Folgen im Arbeits- und Privatleben. Gerade für junge Leute sei das Verarmungsrisiko stark gestiegen.

 

Herr Fella vom Jobcenter Bad Kissingen zog eine traurige Bilanz, in Bad Kissingen seien 219 Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren direkt betroffen. Diese müssten entweder Aufstockern oder waren noch nie bzw. zu kurz in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis beschäftigt. Im Vergleich zu den deutschlandweit 8,7% liege Bad Kissingen so 1,5% Punkten darüber.

Er erläuterte, dass das Jobcenter so oft al s“Werkstatt“ für die Versäumnisse von Schule und Familie herhalten müssen, und das sei auf Dauer nicht leistbar. Zwar könne man viele Jugendliche durch Ausbildungssplatzvermittlung, Ermöglichung des Hauptschulabschlusses, Einstiegsqualifizierungen und außerbetriebliche Ausbildungen auffangen, aber leider nicht alle.

Gerade junge Familien seien betroffen, aktuell seien in Bad Kissingen 484 Bedarfsgemeinschaften gemeldet. Und deren finanzielle Nöte wirken sich klar auf die Entwicklung und sozialen Voraussetzungen der Kinder aus.

 

Marina Schaffenmayer-Wiesend von der Bad Kissinger Tafel berichtete aus 1 Hand von ihren Erfahrungen. Armut sei mehr als weniger Geld zu haben – Armut ist erblich. In 2013 kamen laut ihren Angaben wöchentlich 94 Kinder unter 16 Jahren regelmäßig zur Tafel. Das seien 25% aller „Abholer“. Um gerade schulpflichtige Kinder zusätzlich zu unterstützen wurden wurden die „Versteckten Engel“ gegründet.

Nach dem Prinzip: Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen oder Sozialarbeiter sehen tagtäglich in ihrem Kontakt zu den Heranwachsenden am besten, wo Hilfe dringend benötigt wird. Mit konkreten Anliegen wenden sie sich an die Versteckten Engel. Die Versteckten Engel weisen den Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen oder Sozialarbeitern den erforderlichen Betrag für die nötigen Anschaffungen zugunsten des Kindes zu, die dann von ihnen eingekauft wird. So bekommen diese Kinder gezielt, unauffällig und schnell das, was sie für ihre kindesgerechte Entwicklung benötigen. Die Verstecken Engel finanzieren sich rein auf Spendenbasis. Mit dem Appell an alle: Unsere Hilfe ist gefordert! Schloss Frau Schaffenmayer-Wiesend den Vortrag.

Anschließend ging es in die Podiumsdiskussion, bei der sich nicht nur die Podiumsteilnehmer, sondern auch das Publikum rege beteiligte. Einig waren sich am Ende alle Anwesenden:

Armut könne in der heutigen Zeit jeden treffen, die Zahl der Hilfsbedürftigen steige weiter an, und wer den beruflichen Einstieg nicht schafft, sei gefangen in einer ständig abwärtsgehenden Spirale. Die Öffentlichkeit darf das Thema Armut nicht verdrängen, und vor allem der Politik wurde nahegelegt endlich zu handeln, indem man Leiharbeit und Dauerbefristungen verbiete, einen Mindestlohn festlege, von dem man auch leben könne, und vor allem für mehr Chancengleichheit auch im Bildungssystem zu sorgen. Armut macht psychisch krank und dass gerade unsere Kinder darunter leiden müssen, sei ein Schande in einem so wohlhabenden Land wie dem unseren.

Zuschauer auf der Veranstatlung

Zuschauer auf der Veranstatlung DGB Untefranken


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