Deutscher Gewerkschaftsbund

17.09.2018
Pressebericht der Mainpost Karlstadt

Heißer Stuhl zur Landtagswahl in Karlstadt

Zum Ende der Grillsaison und zum Anfang der hitzigen Phase des Landtagswahlkampfs hat Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Karlstadt einen Heißen Stuhl veranstaltet.

Anna Stolz (Freie Wähler

Anna Stolz (Freie Wähler DGB Region Ufr.

Die Regeln sind einfach: Die Main-Spessarter Direktkandidaten der vier im Landtag vertretenen Parteien haben je 30 Minuten Zeit die Fragen der Moderatoren und des Publikums zu beantworten. Sie sitzen dafür nacheinander auf dem Heißen Stuhl und werden im übertragenen Sinne gegrillt.

Gut 90 Zuhörer waren am Donnerstagabend in den Bürgersaal des Historischen Rathauses in Karlstadt gekommen, um Anna Stolz (Freie Wähler), Sven Gottschalk (SPD), Thorsten Schwab (CSU) und Gregor Münch (Grüne) Fragen zu stellen, die ihnen auf der Seele brennen.

Die ersten 15 Minuten je Kandidat waren den Fragen der beiden Moderatoren vorbehalten: Der unterfränkische DGB-Geschäftsführer Frank Firsching und Main-Echo-Chefredakteur Martin Schwarzkopf bohrten nach, wenn die Kandidaten wortreich auswichen oder unkonkret blieben.

Das Los entschied, dass Anna Stolz als erste auf dem Heißen Stuhl Platz nahm. Ihr Hauptanliegen sei es, gleichwertige Lebensverhältnisse in Bayern zu schaffen. Den Ist-Zustand mit »kaum noch bezahlbaren Wohnungen in der Stadt und verödeten Ortskernen auf dem Land« will die 35-Jährige mit Fördermaßnahmen für den sozialen Wohnungsbau und der Erleichterung von Bauvorschriften bekämpfen.

 

Sven Gottschalk (SPD)

Sven Gottschalk (SPD) DGB Region Ufr.

Kritik am Eichenzentrum

Ein Zuschauer aus Mittelsinn fragte Stolz, was sie gegen die schlechten Zugverbindungen unternehmen will. Ihre Antwort: Sie setze sich dafür ein, dass Bahnhaltestellen, die nur noch für den Güterverkehr genutzt werden, auch wieder für den Personenverkehr verwendet werden. Von einer Frau auf ihre Meinung zum geplanten Eichenzentrum im Spessart angesprochen, erwiderte die FW-Kandidatin, dass es sich dabei um ein Projekt handelt, »bei dem das Maß fehlt«.

Es habe wenig mit Naturschutz zu tun, vor Ort fehle weitgehend die Akzeptanz und es gebe wichtigere Projekte im Landkreis, für die man die 30 Millionen Euro verwenden sollte, sagte Stolz.

Für Sozialdemokrat Sven Gottschalk ist »Bildung der einzige wirkliche Rohstoff im Land«. Deshalb will er, dass Lehrer schulübergreifend gleich bezahlt werden. Für Auszubildende fordert der Lohrer ein »kostenloses Azubiticket«. Von Martin Schwarzkopf auf die Finanzierung angesprochen, erwiderte der 42-Jährige, dass der Freistaat mehr Zuschüsse gewähren müsse.

Um Altersarmut vorzubeugen, gibt es Gottschalk zufolge nur ein Rezept: »Die einzige tragende Säule, die gestärkt werden muss, ist die gesetzliche Rentenversicherung.« Die CSU-Asylpolitik nennt Gottschalk »manchmal menschenverachtend«. Er könne nicht verstehen, dass »in Bayern integrierte Menschen in Ausbildung abgeschoben werden«.

Thorsten Schwab von der CSU nannte auf die Frage, ob Söder oder Seehofer für die schlechten Umfragewerte verantwortlich sei, keine Namen. »So manche Äußerung hätte man sich sparen können. Das Bodenpersonal hadert damit schon«, betonte der Hafenlohrer. Bei der digitalen Infrastruktur auf dem Land wies der 42-Jährige auf »wahnsinnig viele Förderprogramme für den Breitbandausbau« hin, die die CSU aufgelegt habe.

 

DGB Region Ufr.

Gregor Münch (Grüne)

Gregor Münch (Grüne) DGB Region Ufr.

Kritik aus dem Publikum am Wirrwarr bei Anträgen zur Familienförderung entgegnete Schwab mit dem Hinweis auf das Familiengeld, das automatisch gezahlt werde und Landeserziehungs- und Betreuungsgeld ersetze.

Der Grüne Gregor Münch will den Öffentlichen Personennahverkehr stärken, indem er die Werntalbahn wieder eröffnen und Mittelzentren stündlich Zuganbindungen bescheren will. Der 27-Jährige ist dafür, dass Diesel nachgerüstet werden - »aber nicht auf Kosten der Verbraucher«. Zusammen mit der Industrie will er jedoch einen Zeitpunkt festlegen, an dem »keine Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden«.

BORIS DAUBER

Thorsten Schwab (CSU)

Thorsten Schwab (CSU) DGB Region Ufr.

Zwischenruf von Boris Dauber:
Endlich wieder wählernahe Themen


Was für eine willkommene Abwechslung! Beim Heißen Stuhl des DGB  war die sonst alles beherrschende Migrationspolitik nur eine Facette unter vielen. Endlich wurde mal wieder – wie es sich vor einer Landtagswahl gehört – über die Bedürfnisse der Main-Spessarter gesprochen. Eine Debatte über die Asylpolitik ist nötig, aber sie überlagert die Themen, die dem Wahlvolk im Landreis wirklich wichtig sind. Die miesen Bus- und Zugverbindungen, die Leerstände in den Dörfern und die Angst um die medizinische Versorgung sind wählernäher als jede Grenzpolizei.

 


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